Kleine Zwischenmahlzeit

13. Dezember 2009 von Jan Haag

Fleischklößchen à la Karlsson

In grauer Vor-Bachelor-Zeit, gliederte sich das Studium zum Diplom-Bibliothekar an der Fachhochschule Hamburg in einen bibliothekspraktischen Teil und einen zweiten, in dem die Möglichkeit und die Pflicht bestand, Wissenschaftsdiszplinen näher kennenzulernen. Innerhalb der Literaturwissenschaft wurde die Kinder- und Jugendliteratur durch die junge, damals noch recht unbekannte Professorin Birgit Dankert vertreten.

Sie dozierte. Wir diskutierten. Zum Beispiel über Astrid Lindgren und dass sie den Nobelpreis verdient hätte, den für Literatur – und wenn nicht diesen, dann auf jeden Fall den Friedensnobelpreis. Die Kneipe nach dem spätnachmittäglichen Seminar hieß Dietze-Köpi. Eigentlich ganz anders, doch alle nannten sie so. Der Wirt war wohl ein gewisser Dietz oder Dietze und was aus dem Hahn floss war reinstes sauberes Königspilsner. Im Sommer saß man im kleinen Garten. Wurde es draußen kalt oder nass, war es drinnen warm und eng. Irgendwo in dem Dreieck das Grindelallee und Grindelhof bilden, nur wenige Schritte vom Haupt-Campus der Hamburger Universität. Auf dem Tresen stand der Teller mit Frikadellen unter einer transparenten Kunststoff-Abdeckung, daneben Senf. Man bediente sich nach Gusto und gab den Verzehr beim abschließenden Zahlen an. Sie waren köstlich: Fest und dunkelbraun, flach, rund und gut gewürzt. Noch flüssiger, süffiger wurde das goldgelb schaumige Pils, wenn man dazu diese Buletten genoss.

Welch ein Erwachen nach dem Umzug in den deutschen Süden. Egal ob Fleischküchle, Frikadellen oder Fleischpflanzerl: Fett, Wurst- und Knochenreste, Sehnen, Wasser, Brot und andere Streckmittel. Keine Frage, man kann in Süddeutschland, in Bayern und Baden-Württemberg sehr gut essen und trinken. Es gibt reichlich Spezialitäten von hervorragender Qualität. Buletten gehören nicht dazu. Nebenbei: Auch die Pils-Biere waren anders, um es zurückhaltend zu formulieren. Schmackhaftes Weizenbier in großer Vielfalt konnte sie jedoch einigermaßen ersetzen.

Meine Kinder wurden mit Astrid Lindgren groß. Besonders gern mochten wir alle den unmöglichen, selbstsüchtigen, besserwissenden Karlsson vom Dach. Dieser „schöne und grundgescheite und gerade richtig dicke Mann in seinen besten Jahren“, der mittels seines Rücken-Rotors einschwebt um sich über Zimtschnecken und Fleischklößchen herzumachen:  „Da fiel sein Blick auf die Fleischklößchen. Wips drehte er an dem Knopf, den er auf dem Bauch hatte. Der Motor fing an zu brummen und Karlsson kam im Gleitflug vom Bett her und schnurstracks auf den Teller zu. Im Vorbeifliegen schnappte er sich einen Fleischkloß, stieg schnell zur Decke empor, kreiste um die Deckenlampe und kaute zufrieden.“

Mit dem jüngst erschienen Astrid-Lindgren-Kochbuch fanden wir bei den Buletten schließlich zur Qualität und zum guten, lange vermissten Geschmack zurück. Sie waren nicht flach sondern rund. Überall und rundum rund, wie Karlssons Bauch und etwa so groß wie Mirabellen. Es ist egal ob man sie auf den Tisch, das Fensterbrett oder in den Kühlschrank stellt. Ihre Haltbarkeit ist sehr begrenzt. Sie gehen so:

Zutaten: 1 trockenes altes Brötchen, 450 g Rinderhack, 1 kleine Zwiebel, 1 TL Salz, 1 TL Piment (kann, wer den leichten Lebkuchengeschmack nicht mag, weglassen), 4 Eigelb, Pfeffer, Semmelbrösel nach Bedarf. – „Das Brötchen in lauwarmem Wasser einweichen. Das Hackfleisch mit dem ausgedrückten Brötchen, der fein gehackten Zwiebel, Salz, Piment, Eigelb und Pfeffer zu einem glatten Teig verarbeiten. Falls der Teig zu feucht ist, Semmelbrösel zugeben, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist. Mirabellengroße Klöße formen und in einer Pfanne mit Fett nach und nach rundherum braun brate. Mit Kartoffelpüree und Preiselbeeren servieren. Die Fleischklößchen schmecken auch kalt!“

Letzteres kann ich ausdrücklich bestätigen und noch anfügen, dass man ihnen auch die Form dünner Frikadellen geben kann; den Genuss beeinträchtigt das nicht. Das Astrid Lindgren Kochbuch ist in qualitätvoller Ausstattung erschienen. Mehr als 80 Rezepte, geeignet für Picknicke, Kinderfeste oder große Familienmenüs, laden zum kulinarischen Lindgren-Erlebnis ein. Aktuell zum Beispiel der echte Lindgren-Weihnachtsschinken. Die Rezepte sind von Ilon Wikland farbig illustriert, wie man das von vielen Astrid-Lindgren-Ausgaben kennt und mit einem Vorwort über die schwedische Küche ergänzt. Es eignet sich für Schweden- und Lindgren-Freunde aller Alterstufen.

Birgit Dankert ist seit 2008 emeritiert, von 1994 bis 2000 war sie Sprecherin der Bundesvereinigung Deutscher Bibliotheksverbände, sie ist Initiatorin der Astrid-Lindgren-Datenbank, Autorin zahlreicher wissenschaftlicher und populärer Aufsätze und Beiträge in Zeitungen, Zeitschriften und Radiosendungen. Zuletzt erschien von ihr: Wer ist diese Frau? Annäherung an Leben und Werk Astrid Lindgrens. – Hannover. Lesesaal, Heft 29, 2009.

Lindgren, Astrid: Karlsson vom Dach. – Oetinger, versch. Ausgaben und Auflagen.

Schrag, Mamke; Wagener, Andreas: Das Astrid Lindgren Kochbuch. – Oetinger, 2009. Euro 16,90

Geschichten aus Oberschwaben

4. Dezember 2009 von Jan Haag

„Sumerwunne

so du dine liehten tage erglenzen wilt

was kan in der welte danne hügelicher sin

und diu sunne

dringet liehtem meien dur den grüenen schilt“

(Frühlingswonne,

die uns den Glanz der lichten Tage schenkt,

was kann in dieser Welt denn schöner sein,

wenn Sonne

strahlend durch des Maien Grünen dringt.)

***

„Dennoch gibt es flüchtige Bilder von Heimat: den nachtblauen Sternenhimmel, die trägen Wintertage in der hinteren Stube, das Dämmerlicht draußen, wenn stundenlanges Schneegeflimmer die Grenze zwischen den Gärten, Dächern und dem Himmel auflöste, die Apfelkisten im oberen Flur, die Flaschen mit dem selbstgemachten Johannisbeersaft in den wackeligen Kellerregalen, die Eisblumen am morgendlichen Abortfenster, die Krokusse und Narzissen im Frühlingsgarten, die Sommerlichen Kletterrosen, der tägliche Krach der Düsenjäger…“

Etwa 750 Jahre trennen diese beiden Texte. Der erste stammt von Schenk Ulrich von Schmalegg-Winterstetten, der um 1225 in der Nähe von Ravensburg geboren wurde. Die Sätze des zweiten stehen in dem 1998 erschienen Roman „Ins Offene“, den Karlheinz Ott geschrieben hat. Ott wurde 1957 in Ehingen geboren und gehört inzwischen zu den etablierten deutschen Schriftstellern der mittleren Generation. Zu finden sind beide Zitate in der Anthologie „Geschichten aus Oberschwaben“, die in diesem Herbst bei Klöpfer und Meyer erschienen ist. Die Auswahl erstellt und den Band herausgegeben haben der langjährige Leiter des Kulturamtes des Bodenseekreises, Elmar L. Kuhn und der aus Waldburg stammende Literaturwissenschaftler und Autor Peter Renz. In einer weit gespannten Auswahl versammelt der Band Gedichte, Auszüge aus Erzählungen und Romanen, Erinnerungen, Aufsätzen und Vorträgen.

Oberschwaben war und ist sicher keine traditionell literarische Landschaft. Minnesänger zog es in weinseligere Gegenden, kritisch-kreative Geister suchten oft früh den Weg in die Großstadt. Erst im Laufe des 20. Jahrhundert hat sich die Situation zwischen Donau und Bodensee verändert. Es waren eigenwillige, mutige Frauen, die mit ihren Arbeiten ein Publikum fanden, bald auch über die Region hinaus. Die drei Marien, Maria Beig, Maria Menz und Maria Müller-Gögler, sind bis heute fester Bestandteil eines eher bescheidenen literarischen Kanons der hügeligen Gegend.

Einer der bedeutensten bundesdeutschen Großschriftsteller hatte nach Lehr- und Wanderjahren den Weg zurück zum springenden Brunnen gefunden und sich am See niedergelassen. Martin Walser hat viel getan für die oberschwäbische Literatur und ihre Repräsentanten. Er hat unterstützt und gefördert, geholfen und gelobt, wo er konnte. Walser schreibt vom „hiesigen Ton“: „Der Ton ist fest. Immer durchwachsen. Mühelos feierlich, absichtslos ernst.“ So wie jener der Maria Menz, die meist im Dialekt schrieb, der religiösen Mystik zuneigte und von der ein Gedicht auf den Text von Walser folgt. Walser und Menz waren sich über lange Jahre in Erfurcht von ihrer und Respekt von seiner Seite, auf eine besondere Weise und in aller Gegensätzlichkeit und Distanz verbunden.

Hermann Hesse schildert einen Aufenthalt in Ulm, Siegfried Landauer seine Jugend in Riedlingen, Golo Mann schwärmt vom Salemer Tal. Viele der Autoren und Autorinnen waren nur kurz in Oberschwaben zu Hause oder schreiben lediglich darüber. So staunt man nicht schlecht, dass da auch ein Johannes R. Becher auftaucht, ehemaliger Kulturminister und amtlicher Großschriftsteller der DDR. Im informativen Anhang, der biographische Abrisse zu allen vertretenen Persönlichkeiten bietet, erfährt man, dass der in München geborene, nicht nur den Text zur DDR-Hymne verfasst, sondern auch ein „Lob des Schwabenlandes“ geschrieben hat. „Mein Städtchen du im Donautal – Es war ein Glückverwehen – Es war einmal…Ein Totenmal – Sah ich beim Wiedersehen.“ Der Sammelband und auch wir halten das aus. Wir trösten uns mit dem Satiriker Dr. Owlglass, dem deftigen barocken Sebastian Sailer und dem Biberacher Klassiker Christoph Martin Wieland.

Der letzte Teil des Buches ist mit „Arbeiten, denken und beten“ überschrieben. Möglicherweise die aktuelle oberschwäbische Prioritätenliste. Bis vor wenigen Jahrzehnten musste den meisten Menschen Beten und Arbeiten genügen. Mehr oder weniger behütet von fürstlicher und kirchlicher Obrigkeit, die sich heute schwer damit tut, dass sich die Verhältnisse und Prioritäten – auch in Oberschwaben – verschoben haben.

Das Literarische Forum Oberschwaben hat über viele Jahre den Dichtern und Schriftstellern in loser Bindung Podium und Austausch geboten. Seit einigen Jahren unterstützt auch die Gesellschaft Oberschwaben Literatur und Autoren. In seinem Vorwort zum Buch skizziert Peter Renz, die literaturgeschichtliche Entwicklung bis in die Gegenwart. Im Nachwort macht uns Elmar L. Kuhn mit den historisch-politischen Gegebenheiten vertraut.

Kuhn, Elmar L.; Renz, Peter (Hrsg.): Geschichten aus Oberschwaben. – Klöpfer und Meyer, 2009. Euro 22,90

Herta Müller in Tübingen

25. November 2009 von Jan Haag

„Schreiben ist auch nur eine Arbeit“

Am Abend des 23. November 2009 war Herta Müller auf Einladung der Universität und der Buchhandlung Osiander in Tübingen zu Gast. Im Festsaal der Universität sprach sie mit dem Literaturwissenschaftler Jürgen Wertheimer und las anschließend aus ihrem aktuellen Buch „Atemschaukel“.

Wortbewegte, Literaturfreunde, alle Liebhaber des Gedruckten und Gebundenen wissen, welche Buchhandels- und Bibliotheksdichte – und damit welchen Buchreichtum – das schwäbische Universitätsstädtchen auf engstem Raum, in schmalen Gassen, zu bieten hat. Hier verliert sich nichts, wie etwa im großmäuligen München oder im chronisch unaufgeräumten Berlin. Hier haben Heckenhauer und Osiander, Gastl und Cotta, die traditionsreiche Universitätsbibliothek, eine Geschichte die Jahrhunderte zurückreicht. Ein steter Reigen seliger Geister wandelt zwischen Stift und Österberg, zwischen Schloss und Pressels Gartenhaus. Der Besucher, der Student, der Gast und der Gegenwarts-Literat folgt den Spuren von Hölderlin und Hegel, Mörike und Hesse, Ernst Bloch und Hans Mayer.

Herta Müller kommt gerne nach Tübingen. In keiner anderen deutschen Stadt war sie so oft. Weil die Leute hier an sie geglaubt hätten, sagt sie, und das Publikum immer so großzügig und nachsichtig gewesen wäre. 2000 und 2001 sprach sie, von Jürgen Wertheimer eingeladen, im Rahmen der Tübinger Poetik-Dozentur. Die „Atemschaukel“ ist im lokalen Buchhandel derzeit das meistverkaufte Buch.

So war es nicht überraschend, dass nach der Nobelpreisverleihung und dem folgenden Medienrummel, der Andrang zur Veranstaltung mit der Autorin die bisherigen Größenordnungen sprengte. Rasch waren die Karten für die Plätze im Festsaal der Universität ausverkauft und die Nachfrage damit keineswegs befriedigt. Es mussten digitale Geister und deren Helfer bemüht werden, um zusätzlich zum Original-Schauplatz, auch im Auditorium Maximum öffentliches Sehen und Hören per Video-Übertragung zu ermöglichen, sowie eine weltweite Weitergabe ins Netz der Netze zu speisen.

Schmal, klein, noch kleiner als nach Fernseh-Eindrücken vermutet, ganz in Schwarz gekleidet, sitzt sie Jürgen Wertheimer gegenüber. Das Gespräch wird nicht einfach. Er hat eine gewisse Scheu, seit die „alte Bekannte“ zur Nobel-Preisträgerin wurde; sie wiederum hält eigentlich nicht viel von „öden Befragungen“. Wertheimer fühlt sich also in die Pflicht zur Originalität gezwungen, was ihm letztlich allenfalls ansatzweise gelingt. Denn welche Frage ist in den letzten Wochen noch nicht gestellt worden? So wollen wir, der Fragende und alle im Saal, wissen, wie sie mit Sprache umgeht und die recht schroffe Antwort lautet: „Sprache gibt es für mich nicht; sie begleitet nur, was ich sagen möchte.“ Dann wenigsten Freude am Umgang mit Sprache. Nein. Das Suchen nach dem richtigen Ausdruck hat sie manchmal satt bis zum Überdruss. Sie macht ihre Arbeit, die in ihren Augen eine Arbeit ist, wie die anderer Menschen auch, die versuchen ihr Tagwerk möglichst gut zu erledigen. Sie erfindet auch keine Wörter, wie ihr der Frager unterstellt. Die von diesem genannten Begriffe Herzschaufel und Meldekraut seien reale Bezeichnungen. Herzschaufel ein besonders geformtes Werkzeug zum Kohle bewegen; Meldekraut eine Pflanze, die man mit etwas botanischen Sachverstand kennen müsse. Und Atemschaukel, Herztier, Hungerengel, seien natürlich ebenfalls keine Einfälle von ihr, schließlich handelt es sich bei den Einzelteilen dieser Komposita um ganz gewöhnliche Worte des Alltags.

Dann vertieft sie das Thema doch noch. „Wenn Wörter zusammenkommen, die sich nicht kennen, entsteht Poesie.“ Poesie ist also in der Alltagssprache bereits vorhanden. Aber: „Nicht alles, was mich beeindruckt, kann ich selbst in Worten ausdrücken.“ Und sie gibt zu bedenken, dass wir nicht alle Gefühle mit Worten ausdrücken können. „Nicht für Alles gibt es Wörter.“

Herta Müller sammelt Wörter. Sie schneidet sie aus Zeitungen und Zeitschriften aus und bewahrt sie. „Ich habe zig tausende in der Schublade.“ Im „Wörterbahnhof“ warten sie darauf, dass sie abfahren dürfen. Diese ausgeschnittenen Wörter gehen von der Hand in den Kopf; jene beim Schreiben vom Kopf in die Hand. Die gesammelten Wörter stammen nicht aus literarischen Werken, sondern aus profaner, tagesaktueller Medien-Produktion. Herta Müller fügt sie zu Collagen, neuer Bedeutung, neuen Inhalten zusammen.

Sie berichtet von der Vorgeschichte des Buches „Atemschaukel“: „Ohne Oskar Pastiors Details aus seinem Lageralltag hätte ich es nicht gekonnt“, erklärte Herta Müller über das Zustandekommen dieses intensiven Sprachkunstwerks, dessen Handlung in einem sowjetischen Arbeitslager für Rumäniendeutsche nach dem Zweiten Weltkrieg angesiedelt ist. Sie wollten das Buch eigentlich gemeinsam schreiben. Siehe dazu auch diesen Blog-Artikel:

Oskar Pastior

Der plötzliche Tod Pastiors im Herbst 2006 war ein tiefer Einschnitt. Herta Müller musste mit den Arbeiten pausieren, dann allein weitermachen. „Er hat sich so gewünscht, dass daraus ein Buch wird.“

Und dann liest sie in Tübingen aus diesem Buch. Im Saal wird es sehr still. Anspannung im Publikum. Sammlung und Aufmerksamkeit. Die Dichterin liest mit tiefer klarer Stimme. Werk und Sprache werden stärker wahrgenommen, wenn die Autorin selbst vorträgt. Rhythmus und Melodie entstehen, Thema und Variationen, das Rondo der Worte und Passagen klingt. Sie liest mehrere Kapitel und den Schluss. Dann kräftiger und spürbar herzlicher Applaus. Das ist Bewunderung und eine Form von respektvoller Zuneigung.

Draußen in der Nacht ist es herbstlich. Es regnet und ein kräftiger Wind reisst letzte Blätter von alten Bäumen. Das Dunkel in Tübingen, voll seliger Geister.

Müller, Herta: Atemschaukel. Roman. – Hanser, 2009. Euro 19,90

Müller, Herta: Die blassen Herren mit den Mokkatassen. 3. Aufl. – Hanser, 2005. Euro 17,90

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Hypo-Text:

Es gibt Neues aus Raisting! R. Eferenz Werk hat sich gemeldet und angekündigt, in den nächsten Tagen eine Erklärung abgeben zu wollen.

Oskar Pastior (1927 – 2006)

19. November 2009 von Jan Haag

„Ich sitze stumm und kraule / das Kleinhirn zwecks Belebung / die Sprache zwecks Bestrebung“

„Natürlich weiß ich nie, wann ein Projekt beginnt. Das ist das Aufregende: erst wenn es begonnen hat (nach 3, 4, 7, 8 Anläufen oder Würfen) hat es gegriffen, so genau kennt man den Zeitpunkt nie.“

Aber wir kennen zumindest diesen Zeitpunkt: Am 20.  Oktober 1927 kam Oskar Pastior in Hermannstadt (Sibiu) als Angehöriger der deutschen Minderheit in Rumänien zur Welt. Und bei allem, was wir heute über den Menschen und sein Werk wissen und nicht wissen, ist zu vermuten, dass er schon als Dichter geboren wurde. „Als könnte Sprache indem sie mich erfindet, dem ‚Wort vor dem Ding vor dem Wort vor dem Ding vor dem Wort’, usw., auf die Spur kommen.“

Der Vater war Zeichenlehrer, das Elternhaus kulturell inspiriert und vergleichsweise aufgeschlossen, die Umgebung seiner Kindheit und Jugend deutsch. Deutsche Sprache, Kirche und Schule, deutsche Bücher. Von 1938 bis 1944 besuchte er das Gymnasium in der Heimatstadt. Wie für viele Menschen nahm sein Leben durch den Zweiten Weltkrieg eine entscheidende Wende, mit Ereignissen und Erlebnissen, die für immer nachwirkten und die zu prägenden Traumatisierungen führten.

Gegen Kriegsende wurden Rumäniendeutsche in die damalige UdSSR deportiert. Sie sollten sich am „Wiederaufbau der Sowjetunion“ beteiligen und damit ihre „Kriegsschuld“ abtragen. Oskar Pastior traf es bereits im Januar 1945. Da ist er 17 Jahre alt. Fünf Jahre wird er in sowjetischen Arbeitslagern verbringen. Er wusste nicht, ob er wieder aus dem Lager herauskommen würde. Doch die Großmutter hatte ihm zum Abschied gesagt: „Ich weiß, du kommst wieder.“ Dieser Satz habe ihn am Leben erhalten, wird er später Herta Müller erzählen. Auch Bücher, die er mitgenommen hatte, gaben ihm Halt und Kraft um Hunger und Demütigungen zu überstehen. Darin gelesen werden konnte nicht, man musste sie verstecken, der Besitz von Papier war verboten.

Nach seiner Rückkehr schlug er sich zunächst als Kistennagler und Bautechiker durch, leistete Militärdienst. „Ansonsten erkläre ich hiermit, dass ich im Nageln von Butterkisten weniger gut bin als im Nageln von Auberginenkisten, bei denen ich es einmal auf 800 Nägel die Stunde gebracht habe. Es lebe die Auberginenkiste, sie ist eine Naturschönheit.“ So steht es in einer biographischen Skizze aus den 70er Jahren.

1953 konnte er endlich Abitur machen und 1955 mit dem Germanistik-Studium in Bukarest beginnen, das er 1960 mit dem Staatsexamen abschloss. Die folgenden Jahre arbeitete er bei einem deutschsprachigen Rundfunkprogramm in der rumänischen Hauptstadt. 1964 erschien der Lyrikband „Offene Worte“, zwei Jahre später „Gedichte“. Erste Auszeichnungen folgten.

1968 nutzte Oskar Pastior einen Studienaufenthalt in Wien zur Flucht in die Bundesrepublik Deutschland, über München kam er nach Berlin, wo er ab 1969 als freier Schriftsteller lebte. Noch im selben Jahr erschien mit „Vom Sichersten ins Tausendste“ eine erste Gedichtsammlung in Deutschland. Wenig später mit „Kopfnuss und Januskopf“ ein Titel der andeutete, was die Leser bei diesem Autor erwartet. Von vielen Begriffen auch die Kehrseite, von vielen Reimen auch der Kehrreim. Er war ein Wortspieler und Buchstaben-Jongleur, er wirbelte Sprache durcheinander, gewann ihr spielerische Elemente ab. Die FAZ bezeichnete ihn als „einen der legitimen Nachfahren von Dada“. Doch das trifft nur ungenau. Zu komplex sind die Inhalte und Themen, zu vielfältig die Chiffren, Verweise und Anspielungen. Es ging nicht einfach um neue Formen oder scheinbare Form-Auflösungen. Nicht um Originalität mit aller Macht, aber auch nicht um eine Kapitulation vor der Allmacht von Sprache. Oskar Pastior war im besten und vieldeutigsten Sinne ein Sprach-Beherrscher.

In den neunziger Jahren war der Schriftsteller Gastdozent in Kassel und Frankfurt. Seine Frankfurter Poetik-Lesungen wurden bei Suhrkamp unter dem Titel „Das Unding an sich“ veröffentlicht. Sie bieten mögliche Erklärungen und Interpretationen – einige von vielen denkbaren – für die programmatische Programmlosigkeit, für die Dauerversuche an Wort, Satz und Vers. Jörg Drews nannte Pastior einen „lingualen Neutöner“. Es entstanden Experimente mit Stilformen wie Anagramm, Sonett und Sestine, eine aus dem italienischen übernommene Gedichtform der Troubadoure mit sechszeiligen Strophen:

„voilà une sixtine francaise-anglaise:

this is an english-german sestina:

oh eine deutsch-rumänische sestine:

iata si sextina romino-ruseasca:

äto – russo-italjanskaja sestina:

eccola una sestina italian-italiana:”

(Liebe Rumänen, Rumäniendeutsche, Kenner des Rumänischen: Zu gerne hätte ich die vierte Zeile obiger Gedicht-Strophe mit den notwendigen Akzenten ausgerüstet, doch die mir zur Verfügung stehenden Zeichensätze waren darauf nicht vorbereitet. J. H.)

Was ihm an sprachlichem Material zur Verfügung stand, aus welchen Brunnen er schöpfen konnte, schilderte Oskar Pastior in einer der Frankfurter Vorlesungen: „…die siebenbürgisch-sächsische Mundart der Großeltern; das leicht archaische Neuhochdeutsch der Eltern; das Rumänisch der Straße und der Behörden; ein bissel Ungarisch; primitives Lagerrussisch; Reste von Schullatein, Pharmagriechisch, Uni-Mittel- und Althochdeutsch; angelesenes Französisch, Englisch.“

Im Jahr 2004 besuchte Oskar Pastior zusammen mit Herta Müller die ehemaligen Arbeitslager in der heutigen Ukraine. Die Schriftstellerin plante eine Roman-Biographie über das Schicksal eines deportierten Rumäniendeutschen. Das Erlebte des Kollegen Pastior sollte als Grundlage dafür dienen. Dieser unterstützte das Vorhaben, erzählte Herta Müller viele Einzelheiten aus Lagerzeit und –leben. Er ist für sie einer der wenigen brauchbaren Zeugen und Quellen, „weil seine Erinnerung aus Winzigkeiten besteht, aus Details. Und genau das ist der Stoff für Literatur.“ Sie wollten das Buch gemeinsam schreiben, formulierten Sätze, die aus langen Gesprächen entstanden, arbeiteten zusammen an den einzelnen Kapiteln. Oskar hat alles mit einer mechanischen Schreibmaschine getippt und sich über die ständigen Änderungswünsche von Herta geärgert. „Ich wusste nicht, dass Prosa so schwer ist.“

Am 4. Oktober 2006, mitten in den Arbeiten am entstehenden Buch, starb der Mitverfasser Oskar Pastior überraschend. Zwei Wochen vor Verleihung des Büchnerpreises der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung; er war gerade in Frankfurt eingetroffen, um die Buchmesse zu besuchen.

„Doch wer, wenn der Schnee schmilzt,

wird dort finden, was übrigblieb von uns beiden,

und den rissigen Findelstein

aufnehmen bei sich?“

Seine Stimme lebt in den Hörbüchern fort, die er selbst eingesprochen hat. Sie stellen ein ideales Medium für die vielfarbigen, ausdrucksstarken Sprachwerke eines einmaligen Dichters dar. Der österreichische Kollege Ernst Jandl brachte es auf den Punkt als er ihm folgenden Vers widmete: „oskar passt zu pastior / pastior paßt zu oskar“. Die schwerste Zeit seines Lebens, die Jahre größter Not und Verelendung, sind aufgehoben in dem Roman „Atemschaukel“ von Herta Müller. „Ich wollte eine Beschädigung deutlich machen, und ich musste Situationen zeigen, die das Trauma verursacht haben.“ Im Dezember wird Herta Müller in Stockholm den Nobelpreis für Literatur entgegennehmen. Oskar Pastior wird sie begleiten.

Pastior, Oskar: durch – und zurück. Gedichte. Mit einem Nachwort von Michael Lentz. – Fischer Taschenbuch Verlag, 2007. Euro 9.95

Pastior, Oskar: Das Unding an sich. Frankfurter Vorlesungen. – Suhrkamp, 2006. Euro 7,50

Bei Hanser ist in den letzten Jahren eine vierbändige Werkausgabe erschienen.

Müller, Herta: Atemschaukel. Roman. – Hanser, 2009. Euro 19,90

Poetische Schwarzweiß-Malerei

13. November 2009 von Jan Haag

Isolde Ohlbaum – die Photographin der Dichter

Auf dem Schreibtisch liegt ein Band mit Gedichten von Oskar Pastior. Das vordere Umschlagsbild zeigt den Dichter im Anzug und mit Krawatte. Sichtlich gelöst, ja losgelöst, die Arme ausgebreitet, lächelnd, verschmitzt über die Brille blickend. Er steht vor einer grauen, herbstlich morbiden Kulisse. Ein älterer Mann, der seiner Portraitistin offen gegenübertritt, erwartungsfroh und mit zuversichtlichem Vertrauen in das Gelingen der Abbildung. Die Photographin kann nur Isolde Ohlbaum heißen. In inzwischen mehreren Jahrzehnten sind uns die vielfältigen Grautöne ihrer Bildsprache hundertfach begegnet. Für ungezählte Buchumschläge hat sie die Autoren-Portraits geliefert. Opulente Bildbände liegen von ihr vor. Über Katzen, Blumen, steinerne Engel; Objekte und Subjekte voll unerwarteter Ausstrahlung. Am bekanntesten aber sind ihre Bilder von Autoren und Autorinnen, von Schriftstellerinnen und Dichtern.

Im letzten Jahr erschienen „Bilder des literarischen Lebens. Photographien aus vier Jahrzehnten“ als üppiger Bildband bei Schirmer/Mosel. Hier sind alle versammelt, die vor ihren Kameras standen, saßen oder possierten: Von Herbert Achternbusch bis Carl Zuckmayer, von Ilse Aichinger bis Juli Zeh – literarische Existenzen, Existenzen der Literatur aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und auch unserer Gegenwart. Auf 360 Hochglanz-Seiten wurde nicht geknausert. Jedes Bild hat eine eigene Seite. Graphische und typographische Gestaltung sind von schlichter Perfektion, der Schutzumschlag ein eigenes kleines Kunstwerk. Man braucht beide Hände um das schwere Großformat zu fassen und alle Sinne um zu erfassen, was die Bilder erzählen und ausstrahlen. Dazu Cees Nooteboom, der das Buch mit einem kleinen Essay einleitet: „In diesem Buch hat Isolde Ohlbaum die Lebenden und die Toten versammelt, die sie im Laufe von vierzig Jahren photographiert hat. Eine Gemeinschaft bilden sie deshalb, weil ihnen allen…auf jeden Fall gemeinsam ist, dass sie sich von Zeit zu Zeit von der Welt abwenden, um in Gedichten, Romanen, Essays, Briefen und Tagebüchern von ebendieser Welt und von der Zeit ihres Lebens zu berichten. Dass sie letzteres mit jener gemeinsam haben, die sie – mit Licht schreibend – abgebildet hat, darin besteht das Wunder des Buches.“

Diesen Herbst nun, zur Frankfurter Buchmesse, kam der Band „Auswärtsspiele. Autoren unterwegs“ bei Wallstein heraus. Er fiel dünner und leichter aus, auch preisgünstiger. Die Aufmachung wirkt deshalb etwas sparsam, die letzte gestalterische Sorgfalt kann man durchaus vermissen. Dennoch hat auch dieses Buch seinen ganz eigenen, nicht genug zu schätzenden Wert. Mehrmals begleitete Isolde Ohlbaum die Frühjahrstagungen der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, die alle zwei Jahre im Ausland stattfinden. So finden wir hier Bilder von den Exkursionen nach Budapest, Krakau, Turin, St. Petersburg, Kopenhagen und Czernowitz im Zeitraum von 1998 bis 2008. Dabei gesellen sich zu den deutschen Vertretern immer auch Dichter und Denker der Gastländer. Da sie auch auf den Photos zu sehen sind, jedoch dem deutschen Betrachter nicht unbedingt auf Anhieb bekannt, hätte hier etwas mehr erläuternder Text ganz gut getan. Interessant und spannend sind die spontanen und überraschenden Momente in denen die Bilder entstanden. Die Menschen sind ohne Pose und man bekommt das Gefühl vermittelt, sehr direkt an einem Teil des literarischen Lebens teilzunehmen. Die natürliche Neugier, der leichte Hang zum Voyeurismus, der fast Jedem eigen ist, wird hier bestens befriedigt. So kann man zum Beispiel sehr gut erkennen, wer sich mit wem besonders intensiv unterhält, welche Gruppen sich bei Spaziergängen bilden, wer lieber für sich bleibt.

Im Vorwort schreibt Wilhelm Genazino: „Ich kenne keinen Fotografen und keine Fotografin, die so nahtlos und ohne Rest mit ihrer Profession verwachsen ist wie Isolde Ohlbaum.“ Sie wurde in Bayern geboren, ihre Familie stammt aus dem Sudetenland. Mit zwölf Jahren bekam sie ihre erste Kamera von den Eltern geschenkt, die Berufswahl war damit bereits entschieden. Ihren Bildern ist anzumerken, dass sie eine Beziehung zum Gegenüber aufbaut. Sie bildet immer eine Persönlichkeit ab, kein reines Objekt. „Ich muss nicht jemanden in die Enge treiben, bis zur Erschöpfung jagen, um zu einem guten Foto zu kommen. Viele sagen, man würde es gar nicht merken, wenn ich fotografiere,“ sagte sie in einem Interview.

Mein Lieblingsbild in „Auswärtsspiele“ findet man auf Seite 131: Herta Müller, gelöst und entspannt lächelnd, wie man sie in der Öffentlichkeit selten erlebt, versucht dem wissend duldenden Oskar Pastior eine frisch gepflückte Blume ins kräftige graue Haar zu stecken. Die Szene spielt sich in der Nähe Kopenhagens ab, auf einem Steg über Wasser, vermutlich der Ostsee.

Es gibt auch einen literarischen Wochenkalender von Isolde Ohlbaum. Der Jahrgang 2010 ist auf dem Markt. Hier sind es keine Autorenbilder, sondern Photographien von Lesenden in verschiedensten Situationen, ergänzt um Zitate der Weltliteratur, die sich mit Lesen und Büchern beschäftigen. Leider haben die farbigen Bilder nicht die gleiche Intensität wie jene gewohnten, die in der von Ohlbaum meist verwendeten und perfektionierten schwarzweißen Bildsprache entstanden sind.

Dieser Blog-Beitrag wird diesmal ganz ohne Abbildung auskommen, als reine Text-Wüste gleichsam. Was mir an Material zur Verfügung stand oder was ich selbst produziert habe, ist im Zusammenhang mit dem hier behandelten Thema und der vorgestellten Künstlerin, nicht verwendbar, nicht zumutbar.

Dem zweimal erwähnten Oskar Pastior wird man in Kürze in diesem Blog erneut begegnen können.

Ohlbaum, Isolde: Bilder des literarischen Lebens. Photographien aus vier Jahrzehnten. – Schirmer/Mosel, 2008. Euro 68.–.

Ohlbaum, Isolde: Auswärtsspiele. Autoren unterwegs. – Wallstein, 2009. Euro 24,90.

Ein Zeitgenosse aller Zeiten

10. November 2009 von Jan Haag

250. Geburtstag von Friedrich Schiller (10.11.1759 – 9.5.1805)

Ein Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten ist die Wiedereröffnung des Schiller-Nationalmuseums in Marbach am Neckar nach dessen umfassender Sanierung, am 10. November 2009.  An diesem Tag wird das Gebäude mit einer neuen Dauerausstellung zur Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts, einem Bistro und Shop sowie museumspädagogischen Räumen für die neue Literaturschule des Museums der Öffentlichkeit in neuem Licht präsentiert. In der Marbacher Stadthalle findet ein Festakt statt. Es sprechen u. a. Bundespräsident Horst Köhler und der Philosoph und Schriftsteller Rüdiger Safranski.

images„Wir denken immer, jeder muss doch Lust auf Freiheit haben. Das ist aber nicht so. Heute sagen viele: Sicherheit ist mir viel wichtiger. Wer die Freiheit liebt, muss mehr Risiken in Kauf nehmen. Eine Kultur der Lust auf die Freiheit muss in jeder Generation unter jeden Verhältnissen immer wieder geschaffen werden.

Die Frage, wie der Mensch freiheitsfähig wird, war Schiller ein ganz großes Anliegen. Er wollte einen Beitrag leisten, damit sich die innere Freiheitsfähigkeit der Menschen entwickeln kann. Und dafür setzt er in seinem Verständnis die Kunst. Sie ist für ihn ein wichtiger Übungsplatz für die Freiheit.“ (Rüdiger Safranski)

Hölderlin in Hauptwil

3. November 2009 von Jan Haag

„Jetzt aber, drin im Gebirg“

Die Schweizer Gemeinde Hauptwil liegt im Kanton Thurgau zwischen Bodensee und Säntis-Massiv, westlich von Sankt Gallen. Den Mittelpunkt bildet ein kleiner Weiher, an dessen Ufer sich eine Badeanstalt befindet, die an heißen Sommertagen von den wenigen Kindern und Jugendlichen im Ort genutzt wird. Es ist eine ruhige, eher unscheinbare Siedlung. Für heutige Reisende gibt es eigentlich wenig Grund hier länger zu verweilen. Doch wenn man ohnehin in der Gegend ist, lohnt sich für Literaturfreunde der kleine Abstecher zu einem kurzen Besuch dennoch.

Im Januar 1801 erreichte der Dichter und Gelehrte Friedrich Hölderlin von Stuttgart kommend, nach langer Reise durch das tief verschneite Oberschwaben, über den westlichen Bodensee und schließlich von Konstanz her, die Ortschaft Hauptwil. Den größten Teil des Weges hatte er zu Fuß zurückgelegt. Er trat eine Stelle als Hofmeister bei der Familie Gonzenbach an; seine Aufgabe bestand darin, die dreizehn- und vierzehnjährigen Töchter Augusta Dorothea und Barbara Julia zu unterrichten.

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In Hauptwil wurde er freundlich aufgenommen, wohnte in einem Zimmer zum Garten. Er fand sich rasch zurecht und war nicht unglücklich, wie er der Mutter im Brief mitteilte: „Ich kann in der Tat nicht anders sagen, nach der Überzeugung, die ich mir seit 10 Tagen geben konnte, als dass die zahlreiche Familie, in der ich lebe, aus solchen Menschen besteht, unter denen man mit zufriedener Seele leben muß, so viel unschuldiger Frohsinn ist unter den jüngeren, und so ein gesunder Verstand, und edle Gutheit unter den Älteren.“

Das Gehalt betrug 300 Gulden im Jahr, bei freier Kost und Logis. Die Familie Gonzenbach beherrschte den kleinen Ort. Das obere Schloss bewohnte eine ältere Linie; das untere Schloss, das sogenannte Kaufhaus, heute als Wohnhaus genutzt, die Familie des Kaufherrn Anton Gonzenbach. Bei diesem Aufenthalt in der Schweiz lernte Hölderlin die Landschaft des Alpenraums kennen und war von ihr so fasziniert, dass sich das später in hymnischer Dichtung niederschlug. Allerdings dauerte der Thurgauer Aufenthalt nicht lange. Bereits Mitte April trennte man sich wieder. In bestem Einvernehmen und voller Respekt – wie das Haus Gonzenbach versicherte.

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Über den raschen Abschied aus Hauptwil gibt es verschiedene Vermutungen und Interpretationen: Zwar wurden auch amouröse Verwicklungen oder politische Differenzen mit dem Dienstherrn vermutet. Doch am wahrscheinlichsten ist, dass sich Anzeichen geistiger Erkrankung bei Hölderlin bemerkbar machten.

Bei einem Spaziergang durch das gegenwärtige Hauptwil kann man feststellen, dass die Gemeinde pfleglich mit der Erinnerung an den Hölderlin-Aufenthalt umgeht. Am ehemaligen Wohnhaus der Familie Gonzenbach ist eine Erinnerungs-Tafel angebracht. Es gibt einen Hölderlin-Weg. Und im Oberen Schloss, dessen Seitenflügel heute ein Altersheim beherbergt, wurde ein Erdgeschoss-Raum zu einem kleinen Hölderlin-Museum umgestaltet. Es ist eine eher schlichte Einrichtung. An den Wänden erzählen einheitlich gestaltete Tafeln von dem Ereignis und ein wenig über das Drumherum. Die Tür steht meist offen. Der Raum ist den ganzen Tag über frei zugänglich.

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Von Hauptwil gelangt man nach St. Gallen in einer knappen halben Stunde Autofahrt und damit in das quirlige, umtriebige City-Leben einer großen Kleinstadt. In der Mitte der Stadt liegt der Klosterkomplex. In der Stiftbibliothek werden 900 wertvolle Handschriften verwahrt. Im Kloster lebte bis im Jahre 912 der Mönch Notker, auch genannt der Stammler, einer der ersten großen Dichter und Gelehrten des deutschen Sprachraums.

Herbstlaub

28. Oktober 2009 von Jan Haag

Ärgerlich: Jedes Jahr ein neuer Wälzer

2007 erschienen: Das Haus/House of Leaves von Mark Z. Danielewski. 797 Seiten. Die deutsche Originalausgabe kostete Euro 29,90. Inzwischen gibt es eine Taschenbuch-Version für Euro 18. Unverzichtbarkeits-Argumente: Der erste große Roman des 21. Jahrhunderts. Das extravaganteste Buch der Saison.

2008 erschienen: Die Wohlgesinnten von Jonathan Littell. 1392 Seiten. Deutsche Originalausgabe Euro 36. Taschenbuchausgabe Euro 18. Heftig besprochen und umstritten. Wochenlang im Mittelpunkt der Buchhandlungen. Unverzichtbarkeits-Argumente: Der Skandalroman des bisherigen Jahrzehnts. In Frankreich gefeiert.

Seit einigen Wochen auf dem Markt: Unendlicher Spaß von David Foster Wallace. Für Euro 39,95 bekommt man 1547 Seiten. Ein veritables Preis-Leistungs-Verhältnis. Unverzichtbarkeits-Argumente: Das literarische Ereignis in diesem Jahr. Der Autor hat inzwischen Selbstmord begangen.spass

Dick muss Buch sein, skandalumwittert nach Möglichkeit der Autor, spektakulär die Story rund um das Entstehen des Werks. Aber was man da Jahr für Jahr versucht uns anzudrehen, ist schon nach einigen Monaten kaum noch das Papier wert auf dem es gedruckt wurde. So bekommt man das Haus ganz ohne Bausparvertrag, aber gebraucht, schon für schlappe 15 Euro. Den Littell für 17. Ebay- und Flohmarkt-Verkäufe dabei noch gar nicht berücksichtigt. Wertbeständig sieht anders aus. Es wird ein Wälzer nach dem anderen auf den Markt geworfen. Der jeweilige Vorgänger landet im Ramsch. Vergessen oder bleiben? Über die literarische Qualität wird die Zukunft entscheiden.

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Ärgerlich: Lenz, Landesbühne

Und damit sind wir beim anderen Extrem. Offensichtlich ist der Verlag festentschlossen jede Kurzgeschichte des greisen Autors zur lohnenden Einzelveröffentlichung zu strecken. War „Die Schweigeminute“ noch recht dichtes und beinahe episches Material, so handelt es sich bei der Landesbühne um ein rechtes Schmierentheater und fast schon um einen Betrugsversuch. Mit großzügigen Kapitel-Überschriften und reichlich Freiraum, ließ sich diese Erzählung auf 120 Seiten strecken, für die 17 Euro verlangt werden. Das Ganze bei bescheidener Papierqualität, schlechter Bindung und einfallsloser Umschlagsgestaltung, die bei Lenz ja schon zur Tradition geworden ist. Dieses Gemecker möchte ich aber nicht als Kritik am Autor und seiner erzählerischen Kraft verstanden wissen. Die Kritik richtet sich ausschließlich an den Verlag. Was ich vom Schriftsteller Siegfried Lenz halte, habe ich vor nicht allzu langer Zeit unmissverständlich beschrieben:

Zu Siegried Lenz

Frankfurt, Ulm und Donaustrand

22. Oktober 2009 von Jan Haag

„Ich war zwischen den Dingen etwas, das da nicht hingehört.“

Nachdem wir wussten, weil es ein Herr mit skandinavischem Akzent verkündet hatte, dass Herta Müller den Nobelpreis bekommen würde, waren die Ulmer Buchhandlungen am LIMIT. Ein Streifzug durch die Läden in den Tagen nach dem Tag X, offenbarte manches SYMBOL. Allerhand Engel, Elfen und bissige Vampire. Von Verblendung bis Verdammnis – alles im Angebot. Aber nichts Lesbares der ausgezeichneten Rumäniendeutschen. „Atemschaukel“, vor kurzem in knapper Auflage erschienen, musste erst wieder in Auftrag gegeben werden. „120 Tausend in einigen Tagen“, verkündete der Verlag zuversichtlich. Es dauerte dann doch etwas länger, bis die Promi- und Sensationslust der Käufer das Werk sogar im Verkaufs-Ranking bei Amazon nach oben spülen konnte.

Mueller_23391_MR.inddHarte Zeiten für Herta. Von leichtem Infekt genesen, konnte sie Spotlights und Beifallsstürmen auf der Frankfurter Bühne nicht mehr entkommen. Selten hat eine Autorin, ein Autor, nach solcher Auszeichnung, so sehr unser Mitleid verdient. Mit schmalen Schultern und hängendem Kopf stand da eine kleine Frau vor vielen Menschen, die gar nicht mehr aufhören wollten mit Klatschen. Es war auch die Bitte um Absolution, weil man sehr wohl wusste, wie wenig ernst und wichtig man gerade diese Autorin vor dem 8. Oktober genommen hatte. Derweil übte sich ein Frankfurter Meta-Kritiker in ungewohntem Schweigen, das er wahrscheinlich für beredt hält.

Herta Müller und ihr Werk waren schon früher mit zahlreichen Preisen bedacht worden. So zum Beispiel mit dem ebenfalls sehr hoch dotierten „International IMPAC Dublin Literary Award“, den sie für die englische Übersetzung von „Herztier“ bekam. Zwei Besonderheiten hat diese Auszeichnung. Von dem außergewöhnlich üppigen Preisgeld (Euro 100.000) geht ein Viertel an den Übersetzer. Und am Preis beteiligen sich neben dem Hauptsponsor IMPAC auch die Kommune Dublin und deren Bibliotheken. Jetzt suchen wir die deutsche Stadt (SDDS) und das zugehörige Erfolgsunternehmen, die dem irischen Beispiel folgen!

Messe-Berichterstattung aus Frankfurt und im Frühjahr aus Leipzig ist ja inzwischen eine ganz eigene Literaturgattung geworden. Wenn es da für Spitzenleistung einen Preis gäbe, hätte diesen sicher Andrea Diener verdient. Ihr Blog ist ganz nah dran an den Stimmungen und der Autorin gelingt es wundervoll, diese ihren Lesern zu vermitteln. Unbedingt vorbeischauen!:

Zu Andrea Diener

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Claudio Magris, der diesjährige Preisträger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, ist ein italienischer Germanist. Warum kommt einem diese Berufbezeichnung nur so absurd vor? Kleiner Riese quasi ähnlich absonderlich und selten. (**) Und er – die Ulmer wird es wundern – er hat die Donau als verbundenen und verbindenden Kulturraum entdeckt. Lange vor Langer. Auf einer Flussfahrt mit Buch. Genau betrachtet ist er der originäre Erfinder aller Donaufeste. Zu schön um wahr zu sein, wenn er beim nächsten in Ulm zu Gast wäre.

Und dann schon wieder dieser E-Book-Hype. Zum Gähnen. Toll so ein Kindle! Teuer in Dollar. Was wir lesen dürfen bestimmt Amazon. Nur amerikanische Bücher und Zeitungen drauf. Das Ding ist in aller Munde und vor aller Augen, aber nicht wirklich dabei. Sony-Reader dito. Fortsetzungen folgen. The same procedure next spring in Leipzig. Aufregen nützt nichts. Angst haben vor der Entwicklung auch nicht. Am Ende entscheiden wir selbst, ob Bücher als Haupt-Trägermedium für schöne Literatur verschwinden werden.

Die meisten Chinesen sind nun auch zurück in China. Der eine oder andere Dissident, Kulturschaffende oder Wok-Betreiber hat es vorgezogen hier zu bleiben. Die anderen kommen aber eines Tages wieder. Sie werden es sein, die das ultimative E-Book mitbringen. Den Toyota-Suzuki-Volkswagen der Reader. Den haben dann aldi Lidls für wenig Penny im Angebot. Mehr Plus für Netto. Dann gibt es für den ganzen Druckramsch nur noch Joker. Aber bis dahin haben wir schließlich auch das letzte Feuchtgebiet trockengelegt, hat die Stadt Berlin einen ausgeglichenen Haushalt und Guido Westerwelle die absolute Mehrheit. Also, was kann uns da heute schon passieren?

Sopho„Sophokles war 84, als er die Antigone schrieb, da habe ich noch fast zwei Jahre Zeit.“ Sagte Martin Walser. Er war letzten Herbst in China auf Lesereise. Er wird dort viel übersetzt, gelesen und geschätzt. China hat eine lange Tradition im ehrenden Umgang mit weisen alten Männern. Deutschland im missverstehen wollen. Martin Walser hat es in China gefallen. Und so kam es, dass in Frankfurt Chinesen gerne über den Dichter vom großen Wasser sprachen und dass Martin Walser von China schwärmte. Aber das fiel kaum jemandem auf und kam in den Medien fast nicht vor. Dabei hätte gerade dies wirklich interessant, wichtig, erfreulich und verbindend sein können.

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(**) Kleine Verbeugung vor dem Meister des prädikatfreien Satzbaus. Weil, Bewunderung quasi Hilfsausdruck: Haas, Wolf: Der Brenner und der liebe Gott. – Hoffmann und Campe, 2009. Euro 18,99

Herbst-Lese (3)

16. Oktober 2009 von Jan Haag

Zwei unterhaltsame deutsche Romane

Im Feuilleton gehört die Behauptung, es gäbe seit Jahren keine lesenswerten Romane über Deutschland und schon gar nicht solche mit Ost-West-Thematik, zum Standard-Repertoire. Doch sie ist Quatsch. Man muss nicht erst Großmeister wie Schulze, Brussig oder Tellkamp bemühen, um festzustellen, dass diese Aussage durch ständiges Wiederholen auch nicht wahrer wird. In der zweiten Reihe, bei Unterhaltungsschriftstellern der jüngeren Generation – deren Existenz in der deutschen Literatur von Kritikern auch gerne bestritten wird – finden wir immer wieder interessante, lesenswerte Beispiele. Zwei Bücher, die in diesem Herbst erschienen sind und sich intensiv mit dem Thema D, einschließlich DDR und Wende, befassen, sollen hier kurz vorgestellt werden. Die behandelten Themen und die geschilderten Milieus der beiden Jung-Autoren könnten dabei reizvoller und gleichzeitig gegensätzlicher nicht sein.

Ein Künstlerroman: Louise im blauweiß gestreiften Leibchen von Mathias Nolte

Die Handlung spielt sich hauptsächlich in Berlin ab. Ost und West, als es diese Unterscheidung noch gab, also zu tiefsten DDR-Zeiten und – in der Haupthandlungsebene – einige Jahre nach der Wende.  Charlotte Pacou wird, kaum dass sie einer trostlosen Beziehung entronnen, fälschlicherweise für eine Privatdektivin gehalten und vom smarten Bankier Daniel Baum mit der Suche nach einem verschollenen Bild beauftragt. Luise 2Dieses schuf einst der sehr junge, hochbegabte Maler Jonas Jabal. Er gab dem Werk jenen Titel, den auch Nolte für seinen Roman verwendet. Jabals tragisches Leben, Lieben und Scheitern wird uns parallel zu der sich entwickelnden Geschichte und der zunehmenden Nähe von Schnüfflerin und Auftraggeber erzählt. Das Buch bietet viel Berlin, viel Kunst und Liebe und auch etwas Spannung. Ein vortrefflicher Unterhaltungsroman eben. Autor ist der ehemalige Buchhändler und Journalist Mathias Nolte, dessen erster Roman „Roula Rouge“ 2007 erschien. Sein neues Werk ist nicht ganz zufällig bei Deuticke erschienen. Die Österreicher haben uns schon mit Namen wie Paulus Hochgatterer („Die Süße des Lebens“), Daniel Glattauer („Gut gegen Nordwind“) und dem wunderbar stillen Walter Kappacher („Selina“) bekannt gemacht und begeistert. Leser und Käufer bekommen gute Literatur mit Niveau, in Büchern, die handwerklich sorgfältig gestaltet und hergestellt werden. Ein greifbarer Genuss, den kein E-Book-Reader je wird bieten können. Die Louise bei Mathias Nolte ist übrigens ein rechtes Früchtchen, entsprechend geht es im Roman manchmal etwas charmant frivol zu. Im nächsten Buch hingegen werden wir mit echten Schweinereien konfrontiert.

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Der Kontrast: Die letzte Sau von Patrick Hofmann

Südlich von Leipzig, wenige Jahre nach der Wende. Die Menschen in Muckau sind in doppelter Bedrängnis. Von der einen Seite verschlingt sie der sich immer noch weiter ausdehnende Tage-Bergbau, von der anderen das bundesrepublikanische Wirtschaftssystem, einschließlich seiner Demark. Die Siedlung verschwindet. Der Roman beginnt, als nur noch ein Haus übrig ist. Übrig ist auch die letzte Sau. Zu DDR-Zeiten durfte man hier Schweine für die Selbstversorgung halten. Nun steht die Behausung samt Stall vor dem Abriss, die Sau vor der Schlachtung. Die Schlachterin kommt frühmorgens. SAUEntlang der Schlachtungs- und Verwertungskette des nahrhaften Tieres, erzählt der Roman die Geschichte von drei Generationen, deren Leben und Alltag seit Jahrzehnten mit diesem Haus und Grund verbunden waren. Zum Schluß kommen alle noch einmal zusammen. Hier wird deutlich und drastisch erzählt. Dem Leser wird eine literarische Schlachtplatte vorgesetzt. Es ist ein Milieu kleiner Leute, die während der kommunistischen Herrschaft gelernt haben sich durchzuwurschteln, und die genau wissen, dass sie diese Fähigkeiten, erlernte Improvisations-Bereitschaft und ideologische Biegsamkeit, auch im neuen System brauchen werden. Wahre Werte sind die, die man essen kann, ganz nach Brecht, kommt erst das Fressen und dann die Moral. Doch was bleibt Menschen mit solchen fremdbestimmten Lebensläufen anderes übrig. Und so wird zum letzten Mal eine Sau geschlachtet, zerteilt, verwurschtet, verspeist. So sitzt die Familie noch einmal gemeinsam am wackelnden alten Tisch und der Autor erzählt uns von mühsamer Vergangenheit und ungewisser Zukunft. Kein Buch für Vegetarier und Warmduscher.

Nolte, Mathias: Louise im blauweiß gestreiften Leibchen. – Deuticke, 2009. Euro 19,90

Hofmann, Patrick: Die letzte Sau. – Schöffling & Co., 2009. Euro 19,90