Exklusiv: Das war 2011!

1. Januar 2011

So. Rum! MMXI

Literatur*Orte*Spuren mit einem ersten Jahresrückblick

Ende letzten Jahres wurden der Internet-Plattform “RikySeeks”  Informationen aus führenden Rundfunk- und Fernseh-Anstalten Deutschlands zugespielt, die erkennen ließen, dass die neuesten Jahres-Rückblicke, Ausstrahlung geplant für den Frühherbst 2011, bereits als Roh-Manuskripte existieren. “RikySeeks” konnte an Kopien gelangen, die demnächst auf der Website www.rikyseeks.net als Faksimile der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Literatur*Orte*Spuren veröffentlicht schon heute erste Auszüge.

Januar. Die Neujahrsbotschaft des us-amerikanischen Präsidenten Barack Obama, in der dieser seinen Rücktritt zum Ende des Monats ankündigte, ging in Deutschland fast unter. Tagelang standen Meldungen über die Insolvenz der Fussballvereine TSV 1860 München und SSV Ulm 1846 im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Beide Traditions-Clubs wurden mangels Masse rückwirkend zum 1.1.2011 aufgelöst. Die Mannschaften wurden aus den jeweiligen Staffeln genommen, ihre Ergebnisse annuliert. In München erlitt der bekannte Kabarettist und 60er-Fan Ottfried Fischer einen Schwächeanfall. Der ebenfalls nicht ganz unbekannte Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner kommentierte die Vorkommnisse: “Jetzt isch a Rua.” Nicht klar wurde, auf welches Ereignis er sich damit bezog.

Februar. Seit Mitte November hielt das nahezu stabile Winterwetter an, und auch der Februar 2011 verlief kalt und schneereich. Kaputte Straßen und die vielen Einsätze der Winterdienste strapazierten die klammen Kassen der Kommunen zusätzlich. Allerorten wurde über mögliche Sparmaßnahmen nachgedacht. Und natürlich standen die Bibliotheken wieder einmal ganz oben auf den meisten Listen. Doch es gab auf diesem darbenden Kultursektor auch positive Nachrichten. In Freilassung wurde auf private Initiative und mit Unterstützung der Stadt eine Bibliothek der Gedichte gegründet. Sie wird in einem ehemaligen Bahnwärter-Häuschen am Inn eingerichtet. Freilassing ist die deutsche Nachbarstadt der österreichischen Festspielstadt Salzburg, in der am 3. Februar 1887 Georg Trakl geboren wurde. Es ist geplant die Einrichtung nach dem großen, aber im kurzen Leben sehr unglücklichen, Dichter zu benennen. “Ein Brunnen singt”, lautet das Motto, unter dem das ambitionierte Unternehmen steht und das Trakls Gedicht “Musik im Mirabell” entstammt.

März. Zur Buchmesse in Leipzig erschien die gesetzte Neuausgabe von Arno Schmidts “Zettel’s Traum” als E-Book. Im Rahmen einer speziell für dieses Projekt geschlossenen Partnerschaft von Suhrkamp, der Arno-Schmidt-Gesellschaft (Bargfeld) und Apple, ist die elektronische Version des gedruckt 1536 starken Buches nur auf dem neuen I-PO zu bekommen. Das Modell wird dem Werk und den Intensionen des Autors durch sein ungewöhnliches Format (35,8 x 27,4 Cent-I-Meter) in hervorragender Weise gerecht. Der I-PO ist selbstverständlich mit einem hochauflösenden Tatsch-Screen ausgestattet.

April. Bei Bodengrabungen im Lonetal nahe Ulm, entdeckten Forscher der Universität Tübingen Spuren einer bisher unbekannten Frühkultur. Diese allerersten Siedler im damals noch breiteren Flusstal der schwäbischen Alb, verfügten offensichtlich bereits über erstaunliche Kulturtechniken. So wurden Tontafeln mit eingeritzten Zeichen gefunden, die darauf hindeuten, dass der Lonetal-Mensch ein Rechensystem verwendete, das auf den Zeichen 0 und I aufgebaut war. Für genauere Analysen wurden Kryptographen der Universität Ulm herangezogen. Die Tübinger Archäologen haben erste Erkenntnisse über diese “ostschwäbische Digital-Kultur”, wie sie vorläufig genannt wird, inzwischen publiziert. (AJA, 114, pp 557-561, doi: 10.3764/aja.114.3.557)

Mai. Einzelne Medienberichte über den 100. Geburtstag Max Frischs stießen auf wenig Interesse. Im Mittelpunkt stand einmal mehr der Fussball. Nach zahlreichen zweiten Plätzen in verschiedenen Wettbewerben, wurde Bayer Leverkusen erstmals deutscher Fussball-Meister, vor Dortmund und Mainz. Der VfB Stuttgart stieg als Tabellenletzter aus der Fußball-Bundesliga ab. Manager Fredi Bobic erklärte seinen Rücktritt. In einer gemeinsamen Erklärung von Vorstand und Trainer, der auch in der zweiten Liga Bruno Labbadia sein wird, hieß es: “Der Verein strebt den sofortigen Wiederaufstieg an.” Bayern München wurde Drittletzter. In zwei spannenden Relegationsspielen konnte sich der Rekordmeister gegen den fränkischen Rivalen von Greuther Fürth durchsetzen und den Klassenerhalt sichern. Nur fünf Tage später gewann der FC Bayern das Champions-League-Finale in London gegen die überraschend ins Endspiel gelangte Mannschaft des FC Kopenhagen.

Juni. Das auswärtige Amt in Berlin riet jungen Frauen für diesen Sommer dringend von Aufenthalten in Italien ab. Nach der Einführung einer Audienzpflicht für deutsche Frauen bei Ministerpräsident Berlusconi wurde empfohlen, in der bevorstehenden Urlaubszeit andere Reiseziele zu wählen. Über mögliche Altersober- oder -untergrenzen in diesem Zusammenhang machte Günther Jauch, der Sprecher des neuen Außenministers und Vizekanzlers vonundzu Guttenberg, keine Angaben.

Juli. Die erfolgreiche Tatort-Reihe der ARD wurde überraschend abgesetzt. Nach über vierzig Jahren war im Sommer Dreh-Schluss. Aus diesem Anlass fand eine große finale Party in Ludwigshafen statt. Alle noch aktiven Kommissare und Kommissarinnen, Ermittler und Rechtsmediziner, sowie viele Ehemalige, feierten gemeinsam am Rhein-Ufer. Die Kölner hatten einen Curry-Wurst-Stand aufgestellt, die Münchener Kommissare steuerten einige Fässer bestes bayerisches Exportbier bei und Axel Milberg, alias Borowski, brachte aus Kiel frischgeräucherte Sprotten. Bis zum nächsten Morgen wurde gefeiert, gezecht und in Erinnerungen geschwelgt. (Zwei Tage später, am 17. Juli, wurde in Frankfurt das Finale der Frauen-WM im Fussball ausgetragen … zwischen Nigeria und Australien! Endstand: 1 : 2) Die allerletzte Tatort-Folge wurde dann Mitte Oktober gesendet. Sie trägt den Titel “Taxi aus Leipzig.”

August. Auf geht’s! Das Müchener Oktoberfest fand dieses Jahr erstmals bereits im August statt. Schweißgebadet sprach OB Uhde nach ungewöhnlichen 11 Schlägen das traditionelle “ozapft is!”. Anschließend wurde das neue Team des FC Bayern München präsentiert. Mannschaftsführer Bastian Schweinsteiger versprach unter dem tosenden Beifall der stammwürzig erhitzten Menge, in dieser Saison die Meisterschale wieder nach München zu holen. Dem schloss sich der neue Trainer Thomas Tuchel an und ergänzte, dass natürlich auch der Champions-League Titel erneut gewonnen werden soll. Die Begeisterung im überfüllten Zelt war grenzenlos. Spontan und gemeinsam stimmte man den traditionellen Spider-Murphy-Song “Schickeria” an und stemmte die Maßkrüge gen Zelthimmel.

September. Früher Wintereinbruch in Deutschland. In Castrop-Rauxel und Buxtehude brach die Fernwärmeversorgung, in Leipzig und Zwickau der Straßen- und in München, Berlin und Hamburg der S-Bahn-Verkehr zusammen. Erste Testfahrten auf der Neubau-Strecke der Bahn zwischen Wendlingen und Ulm, die für die zweite Monatshälfte mit einer Draisine geplant waren, wurden aus Sicherheitsgründen abgesagt.

Oktober. Auf der Frankfurter Buchmesse wurde wie jedes Jahr, so auch 2011, einmal mehr der endgültige Durchbruch des E-Book gefeiert. Zugelassen waren in diesem Jahr nur Aussteller, die mindestens einen Titel in einer elektronischen Reader-Version anbieten konnten. Den diesjährigen Deutschen Buchpreis erhielt Oliver Bendel für seinen neuen Handy-Roman “Handygirl – Part III”. In diesem Teil spielt unsere Freundin Liza in einem Theaterstück mit. “Frühlings Erwachen” von Frank Wedekind. Kathi sitzt auf der Ersatzbank und Handygirl hat eine neue Aufgabe als Superheldin.

November. Im Print-Bereich machten in diesem Herbst gleich zwei Publikationen außerordentlich Furore und erfreuten die zuletzt nicht verwöhnte Buch-Branche mit stattlichen Extra-Umsätzen. Gefeiert und in ganz Deutschland bestens verkauft, wurde das neue Buch von Uwe Tellkamp. “Im Sturm” erzählt, wie einmal zu DDR-Zeiten der ganze Stadtteil Weißer Hirsch durch einen Schneesturm vom Rest Dresdens abgeschnitten war. Den Bewohnern des Nobel-Viertels wurde daraufhin ähnlich langweilig, wie den Lesern von Tellkamps Werken. Für Schlagzeilen sorgte auch Hape Kerkeling mit seinem neuesten Verkaufserfolg “Ich bin wieder da!”. Innerhalb weniger Tage war die Erstauflage von 1 Million Exemplaren verkauft. BILD hatte Auszüge vorab veröffentlicht und seine verkaufte Auflage damit ebenfalls beträchtlich steigern können. Til Schweiger hat die Filmrechte erworben. Für die Titelrolle ist Nora Tschirner vorgesehen.

Dezember. Erstmals fanden zu Beginn des Monats die “Freilassinger-Lyrik-Tage” in der “Georg-Trakl-Bibliothek” statt. Aus ihren Werken lasen, neben einigen vielversprechenden jungen Talenten, die bekannten Dichter Michael Lenz, Jan Wagner und Morten Söndergaard.

Geschenk-Renner unter deutschen Weihnachtsbäumen im zu Ende gehenden Jahr 2011: Der E-Book-Reader von ALDI. Auf dem Modell “Weimar” sind Goethe und Schiller vorinstalliert.


So! Rum. Frankfurter Buchmesse MMX

10. Oktober 2010

Mittwoch und folgende

Am liebsten würde ich alle analogen und digitalen Empfangsgeräte ausschalten, alle gedruckten Massenmedien in dafür geeignete Container entsorgen, wegschauen, abtauchen, nur noch mit Lieblingsbüchern dauerschmökern, auswandern nach Polylesien, Tau und Tee trinken, Tag und Nacht von Zetteln träumen, das Westallgäu von Nord nach Süd durchwandern, in mein Tagebuch fallen, unsichtbar bleiben. Doch wenn ich geh’, geht nur ein Teil von mir und der and’re schaut zu dir.

Alle reden von Argentinien. Doch ich sehe, höre und lese nur Schweiz. Melinda Nadj Abonji gewann – Sarrazin sei dank! – mit „Tauben fliegen auf“ den diesjährigen deutschen Buchpreis. Das Schicksal einer ungarischen Familie, die aus Serbien in die Schweiz auswandern muss und deren Geschichte nun in Frankfurt und anderswo die Runde macht. Lieblich, ohne nachhaltigen Abgang. Wir sind Europa.

Dorothee Elmiger bekam neulich den Aspekte Literaturpreis des ZDF für „Einladung an die Waghalsigen“. Ich hab’s gelesen – es ist nicht viel und auch nicht lang – aber großartig und ganz eigen. Mit Mut, Phantasie und Sprachvermögen. Nicht dieses weit verbreitete Schreiben, das eine tragische Biographie erzwingt. Wenn sie das Niveau irgendwann bestätigt, können wir eine neue großartige Stimme begrüßen. Dorothee Elmiger stammt aus Wetzikon im Bezirk Hinwil und lebt jetzt – dreimal raten überflüssig – in Berlin.

Schluss mit Schweiz? Nein, einen hab’ ich noch. Beim 44. Literarischen Wettbewerb der GAD (wer es wirklich nicht weiß: Gastronomische Akademie Deutschland) bekamen die Autoren Dominik Flammer und Fabian Scheffold die „Goldene Feder“ für „Schweizer Käse“, erschienen im AT Verlag, der im schweizerischen Aarau zu Hause ist.

Und Argentinien? Der mehrfach begabte Chansonnier Michael Ebmeyer (Mitglied der Berliner Combo „Fön“) hat schon wieder einen Roman geschrieben. „Landungen“ spielt zu großen Teilen in Argentinien. Erschienen ist diese lesenswerte Zeit- und Familiengeschichte natürlich bei Kein und Aber. Ja, genau: Zürich!

Die armen Grimms. Sie kennen doch die Grimms?! Jacob und Wilhelm, die Wörter- und Märchensammler und großen Gelehrten. Früher Göttingen, später Berlin. Wie geschieht heutzutage ihren Gestalten und Geschichten, den altdeutschen Mythen, den volkstümlich romantischen Figuren? In Reckless, dem neuesten Buch der nach Amerika ausgewanderten, aber immer noch deutschsprachigen Erfolgsautorin Cornelia Funke, werden sie Opfer profitabler Umdeutung.

Birgit Dankert, längst im tätigen Ruhestand, einstmals eine meiner Lieblings-Professorinnen am Hamburger Fachbereich, erläuterte letzte Woche in der ZEIT „Warum das neue Buch von Cornelia Funke ein einziges Ärgernis ist.“

„Cornelia Funke operiert zum Teil recht erfolgreich mit der Ausstattung der Grimmschen Märchenwelt … Aber viele der Wesen, die wir aus den alten Märchen kennen, werden in Reckless einfach nur benutzt und ausgebeutet … Die ständige Aufgeregtheit, die Tücke, die Kleptomanie all der Wassergeister, Stilze, Einhörner und Wölfe, die das Buch übervölkern, schaffen immer nur kurzfristig Spannung … Sehr bedenklich ist auch das Frauenbild, das Reckless zeichnet: Reiz und Kraft der weiblichen Figuren liegen fast ausschließlich in ihren sexuellen Vorzügen. Das beliebte Klischee der gefährlichen Frau nimmt breiten Raum ein.“

Frau Dankert kritisiert den Etikettenschwindel, wenn uns weiß gemacht werden soll, es handelt sich um ein „harmloses Kinder- und Jugendbuch für jedes Lesealter.“ Ihr Fazit: „Wirklichkeit zu erkennen, zu deuten, zu bewältigen und zu überspringen – dazu taugen Märchen. Reckless gelingt das nicht. Seine Welt ist synthetisch und kommt im Leben nicht an.“ Aber alsbald als Kassenschlager in die Kinos – möchte man ergänzen, FSK ab 6 und im Sessel Mutter und Vater mit Drei- und Vierjährigen. Heute müssen Eltern ihre Kinder nicht mehr im Wald aussetzen. Es gibt subtilere Möglichkeiten der Vernachlässigung.

Falten Zitronenfalter Zitronen? Enthält Hundekuchen…? Hat die Frankfurter Buchmesse irgendwie mit Literatur zu tun? Mit Büchern schon. Bücher von Autoren die komplexe Begriffe wie (völlig willkürliches Beispiel!) „hummeldumm“ auf so und so viel Seiten exemplarisch, praktisch, lebensnah und banal glauben erläutern zu müssen. Oder Werke von Jung-, Neu- oder Eigentlichnicht-Autoren, die sich vor völlig natürlichen und weit verbreiteten Naturereignissen wie Vaterwerden und Kinderhaben ins Bücherschreiben flüchten.

Und mit E-Books hat sie zu tun. Nun schon im dritten Jahr nacheinander – in Frankfurt und in Leipzig – sind diese unheimlich im Kommen, werden zum unverzichtbaren Lifestyle-Produkt hochgepredigt. Und alle medialen Kanäle stimmen ein. Das Angebot an Hardware ist vielfältig. Was hätten’s denn gerne? Das anglophile Kindle oder den geschmeidigen Sony Reader, Bookeen Cybook Opus, Foxit eSlick oder Ectaco jetBook-Lite? Den PRS-600 Touch black, das Cybook Gen3 Gold Edition oder doch lieber das äußerst günstige Weltbild-Modell? Es gibt auch tatsächlich schon das eine oder andere Buch zum Draufladen und Runterlesen. Aber nicht für alle die gleichen. Das gilt auch für die Formate und Ausstattungsmerkmale. Unter Strom sollte es natürlich schon stehen – Stichwort: Akku-Laufzeit. Flatrate demnächst. Tolstoj und Fontane gratis dazu.

Von Bibliotheken ist und war in Frankfurt allenfalls am Rande die Rede. Die lassen sich nicht handeln und ihre Dividenden sind nicht pekuniär. Das soll sich jetzt ändern, war zu hören. Und wie Vieles kommt auch diese Idee wohl bald über den großen Teich zu uns. Unser aller Terminator und Ex-Ösi Arni gehört zu den Pionieren die hier mutig Neues wagen. In den USA werden neuerdings kommunale Bibliotheken an private Anbieter übergeben. LSSI (Library Systems and Services) ist eine der Firmen, die dieses Geschäftsfeld erschließen. Ich zitiere aus der FAZ vom 30. September: „Das Unternehmen betreibt bereits 14 Stadtbüchereien mit 63 Zweigstellen, die meisten davon im krisengeschüttelten Bundesstaat Kalifornien, wo Gouverneur Arnold Schwarzenegger gegen die chronische Finanznot kämpft … Jüngst hat es (LSSI) den Auftrag bekommen, drei Büchereien in Santa Clarita (Los Angeles County, 170.000 Einwohner) zu managen. Dort will LSSI-Vorstandchef Frank Pezzanite rund eine Million Dollar jährlich einsparen.“

Über die Buchmesse wird viel gesendet und geschrieben. Lesen Sie einfach was Sie wollen oder lassen Sie es bleiben. Nicht versäumen sollten Sie allerdings den Buchmesse-Blog von Andrea Diener auf faz.net. Das ist auch Tage und Wochen danach noch lesens- und – wegen der photographischen Fähigkeiten der Autorin – auch sehenswert. Sehr interessant und auf bestem Niveau sind zudem zahlreiche Kommentare, die den Berichten jeweils prompt folgen. Allerbeste Diskussionskultur, wie man sie im web nur selten findet.

Sonntag-Abend

Der Kaffee wird kalt. Auf meinem Schreibtisch liegt ein knittriger Gutschein für das „Café der Verlage“, zu finden auf der Frankfurter Buchmesse in Halle 3.1, zwischen Gang L und M. Dafür hätte ich wahlweise einen Espresso oder einen Café Latte bekommen. Eigentlich schade, wenn man die Verpflegungspreise auf der Frankfurter Messe kennt. Aber zu verkraften. Dafür gönne ich mir, wenn ich hiermit fertig bin, einen kräftigen Schluck argentinischen Roten und ein großes Stück reifen Emmentaler.


So! Rum. Juni MMX

30. Juni 2010

4:1 oder 2. Das Ergebnis war schon erstaunlich deutlich. Noch mehr verwundert jedoch die britische Reaktion auf dieses Natur-Ereignis. Auf die sonst übliche martialische, mit Kriegs-Metaphern durchsetzte Sprache, haben die englischen Medien weitestgehend verzichtet. Viele faire Fans anerkannten zudem die Leistung der deutschen Mannschaft und fanden das Ergebnis leistungsgerecht. Nun wird es als nächstes darum gehen, Argentinien zum Weinen zu bringen. Für den adeligen Linksfuß Lukas Podolski kein Problem: “Die Brust ist erst mal da nach dem Spiel.” Na also. Allerdings war auf die Anatomie-Kenntnisse des Fussball-Adels und ihrer Volksscharen noch nie Verlass. “Mit dem Herz in der Hand”, fordern seit Jahren die stimmgewaltigen “Sportfreunde Stiller” zum Mitsingen und Weltmeister werden auf.

625:494. Der nächste Horst heißt Christian. Christian Wulff. Der Job ist noch der gleiche: Bundespräsident. Realität: Mann Anfang Fünfzig mit junger Frau und noch jüngerem Kind für mindestestens 5 Jahre an Präsidentenpalast und Protokoll gefesselt. Wer’s mag.  Wahrscheinlich nur etwas für Persönlichkeiten die schon mit fünfeinhalb in die Vorschul-Organisation ihrer Partei eingetreten sind und dort gleich den Ortsverein übernommen haben. Gewählt von denen, die immer die wählen, von denen man ihnen sagt, dass sie die wählen sollen.

Glückwunsch. “Die meisten Dichter verstehen von Literatur nicht mehr als Vögel von Ornithologie.” Mit dieser Aussage rechtfertigte Marcel Reich-Ranicki einst die Existenz der Literaturkritik im allgemeinen und des Literaturkritikers im besonderen. Am 2. Juni wurde Marcel Reich-Ranicki 90 Jahre alt und vielfach öffentlich gewürdigt und gefeiert. Einer der schönsten Jubiläumsbeiträge: Das Geburtstagsständchen von Harald Schmidt, der Brechts “Erinnerungen an Marie A.” vorsang:

“An jenem Tag im blauen Mond September
Still unter einem jungen Pflaumenbaum
Da hielt ich sie, die stille bleiche Liebe
In meinem Arm wie einen holden Traum …”

Buch (1). “Weltempfänger” heißt eine Bestenliste, die monatlich Bücher in Form eines Ranking vorstellt, die aus afrikanischen, asiatischen und lateinamerikanischen Sprach- und Literaturräumen stammen. Verantwortlich dafür ist “litprom”. Eine Initiative in Vereinsform, die es sich u. a. zur Aufgabe gemacht hat, Literatur abseits der sonst dominanten europäischen und angelsächsischen Märkte in den Blickpunkt zu rücken. Auf Platz 1 der Juli-Ausgabe der Liste steht der mexikanische Autor Paco Ignacio Taibo mit seinem beim Verlag Assoziation A erschienen Titel “Der Schatten des Schattens”. Das derzeit in den Medien, dabei aber weniger mit seiner Literatur, präsente Südafrika, ist mit Gedichten von Lebogang Mashile vertreten. “Töchter von Morgen” heißt das Buch. Diesen und frühere Weltempfänger gibt es auf der Web-Site von “litprom”.

Buch (2). Neue Medien können auch dazu beitragen, dass in Vergessenheit geratene Stärken “älterer” Medienformen, wieder deutlicher sichtbar werden. Auf diesen Effekt setzt u. a. die Slow Media Bewegung um den Soziologen und Medienberater Benedikt Köhler. “Gegenüber dem regiden Kontrollwahn der Apple Corp. wird die in den letzten Jahren erfolgreich verdrängte widerständige, antihegemoniale Macht des Buchs wieder spürbar”, schrieb Köhler im Börsenblatt 23, 2010, auf Seite 15. Slow Media hat sich der “Langsamkeitspflege” verschrieben und möchte das “Mono Tasking” fördern: “So wie die Herstellung eines guten Essens die volle Aufmerksamkeit aller Sinne eines Koches und seiner Gäste erfordert, können Slow Media nur in fokussierter Wachheit mit Genuss konsumiert werden.”

Buchhandel. Und gleich ein weiteres Zitat von Benedikt Köhler aus der Quelle wie oben: “Wer sich an die Beliebigkeit von Download- und Löschbutton gewöhnt hat, wird die andere Qualität eines slowen Mediums wie des Buchs stärker zu schätzen lernen.” Auch wenn ich persönlich das englische slow nicht unbedingt mit einer deutschen Beugung quälen würde – irgendwie hat der Mann keineswegs Unrecht. Das zeigt auch ein in letzter Zeit erkennbarer Trend, der kleinen, standortverbundenen, kettenunabhängigen Buchhandlungen eine günstige Zukunft verspricht. Kundennähe, Stadtteil-Treffpunkt, Vernetzung, attraktive Veranstaltungen sind die Trümpfe mit denen engagierte Buchhändler stechen können. Dabei ist keineswegs von realitäts- und marktfernen Kuschel-Nischen die Rede, denn offensiver Umgang mit neuen Medien gehört ebenfalls zu den Erfolgsvoraussetzungen.


So! Rum. Mai MMX

28. Mai 2010

Vorwort. So! Rum. kommt diesen Monat ein paar Tage zu früh. Noch bevor wirklich alles rum ist. Gründe gibt es: Den Schreib-Rhythmus des Blog-Autors, die gern genommenen technischen und organisatorischen, und auch die immer näher rückende WM in Südafrika hat eine gewisse Rolle gespielt. Deshalb ist diesmal, neben anderen runden Sachen, auch einiger Fussball dabei, sowie – und das hat auch den Verfasser selbst im nachhinein überrascht – schwerpunktmäßig allerhand Vermischtes aus und über Hamburg. War nicht geplant. Macht aber gar nix.

Ausgezeichnet. Einer der größten Sprachneuerer der deutschen Gegenwart wurde dieser Tage mit dem Jacob-Grimm-Preis ausgezeichnet. Keine Panik, es ist nicht Dieter B. Nein, die Rede ist vom größten Likör-Maler und Cello-Besinger beider Nachkriegs-Republiken. Dem Mittler zwischen Punk und Pankow. Der Held von der Andrea Doria und aus dem Palast der Republik. Der Mann der immer jenseits sichtbarer Horizonte an ein Weiter glaubte. Unser Teufels-Trommler aus dem westfälischen Gronau, den inzwischen alle für einen Eingeborenen des Hamburger Atlantic halten. Der Nuschler von der Reeperbahn, der Freund von Elli Pirelli und der sagenhaften Nena, der auf sinkenden Schiffen noch klar sieht und mit Hut, Lederhose und strammer Ironie über die Bühnen und durch die Manegen rockt. Mensch Udo, was sind wir beide doch alt geworden – aber Du bist wirklich preiswürdig, hast Dich um die deutsche Sprache echt verdient gemacht. Gratulatione Patrone!

Wert-Papier. Die Diskussion um das Thema konventionelles Buch versus E-Book wurde in den letzten Wochen und Monaten um einen wichtigen Aspekt erweitert: Papier hat seinen Preis. Und der steigt stetig. Transportkosten, Klima-Einflüsse, der stark zunehmende Verbrauch in den Emerging Markets, allen voran China, beschleunigen diese Tendenz. Die Herstellung hochwertiger Bücher verteuert sich, die Kalkulationen der Verlage gehen nicht mehr auf, das Endprodukt, das Buch, wie es in der Buchhandlung unseres Vertrauens liegt, wird uns immer teurer. Folge: Der Absatz und die Auflagen sinken, das Buch wird noch teurer, die Auflagen sinken … Nutznießer dieser Entwicklung wird möglicherweise das E-Book sein und damit eventuell schneller erfolgreich auf dem Markt als gedacht.

Formate. Aber noch sind Gütersloh und Furth im Wald nicht ganz verloren. Es naht Hoffnung am von Udo so gern besungenen Horizont. Möglicherweise wird es doch nicht so einfach für Kindle und ipad. Print strikes back. Mit ganz neuen Formaten gegen die drohende elektronische Flut. Und wer hat’s erfunden? Hä? Natürlich die Nord-Deutschen! Ja, der  Literatur-Quickie! ist da. Kommt aus Hamburg und ist fürs ganze Land. Ernsthaft, unpompös und innovativ treten schicke Heftchen im quatratischen Kleinformat die hochliterarische Nachfolge der klassischen Pixies an. Entstanden aus einer Reihe von Literatur-Lesungen, die so kurz aber erfolgreich waren, dass daraus ein Verlag und die Quickie-Reihe mit Erzählungen von überschaubarem Umfang hervorgingen. Vertreten sind bekannte und weniger bekannte Autoren; etwa Juli Zeh, Andreas Münzner, Ulrike Draesner oder Fast-Klassiker wie Klabund  und Kafka. Die Texte sind literarisch ausgesprochen qualitätvoll. Alle Stichproben können als sehr lesenswert eingestuft werden. Für drei Euronen (Jahres-Flat: 60) gibts die Heftchen im Netz und inzwischen auch in mancher Buchhandlung verkaufsstratigisch günstig (“Mami, das will ich haben!”) vor und neben der Kasse.

Ballermann (1). Ohne Ballack fahr’n wir zur WM! Aber zum Glück ist “Schweini” wieder dabei und in Top-Form – nur dass er jetzt Bastian Schweinsteiger heißt und zum Führungsspieler gereift ist. Dieser Prozess ist Prinz Poldi zunächst einmal misslungen. Er war im Laufe der Saison in eines der vielen Kölner Löcher gefallen. Nun muss ihn der Bundestrainer da wieder rausholen und mit neuer Torgefahr aufladen. Apropos neuer: Einen neuen Torwart Nr. 1 brauchen wir auch und so wird er wahrscheinlich dann heißen.

Ballermann (2). Weißbier satt und das aus großen Kübeln, wurde vergossen in diesem Wonnemonat. Vergossen – und ausgegossen über die Mitglieder einer rotweißen Fussball-Familie zu der seit einem knappen Jahr auch ein gut frisierter, aber strenger und arroganter holländischer Rotwein-Trinker gehört, der plötzlich sein Lustig-Gen entdecken durfte: “Ich bin ein Feier-Biest!”. Bayern München macht dem gemeinen Fussballfreund in diesem Halbjahr so richtig viel Spass. Wohin da nur in Zukunft mit dem ganzen Bayern-Hass? Und wer soll die eigentlich schlagen in der neuen Saison? Ist doch klar: Der Weltpokalsiegerbesieger! Aufm Platz und im Freudenhaus des deutschen Fussball. Welcome back, FC St. Pauli! Und willkommen Fans auf dem möglicherweise (hoffentlich) einzigen faschofreien Fussballplatz Groß-Deutschlands.

Runterkommen. Aller Jubel und Siegestaumel hat irgendwann ein Ende (stimmt’s, Guido W.?) und es drohen der tiefe Fall ins Loch der schwarzen Galle und die richtig miese Stimmung. Dann wird es vielleicht Zeit für einen Besuch beim Lieblings-Buchhändler. Wie es die junge Hamburger Schriftstellerin Katrin Seddig immer wieder macht, deren erster Roman just den Titel “Runterkommen” trägt und im Frühjahr bei Rowohlt Berlin erschienen ist. So endet ihr Besuch im Buchladen: “Wenn ich zur Kasse gehe, habe ich in der Regel drei Bücher unter dem Arm. Manchmal auch vier oder nur eines. Aber eines eher selten. Wenn ich rauskomme, auf die Spitaler Straße (das ist mitten in Hamburg, die Red.), bin ich erschöpft und die Stadt trifft mich in ihrer Banalität und dem ganzen Straßentrara. Aber Bücher unterm Arm und nach Hause fahren, die Folie abreißen und schon mal reinriechen und überlegen, was man zuerst liest, das ist Vorfreude. Das ist ein schönes Leben.” (Börsenblatt, 19, 2010, S. 36)


So! Rum. April MMX

29. April 2010

Aus aktuellem Anlass: Island von A – Z

Literarische, kulinarische und vulkanologische Aspekte.

A.

Asche. In letzter Zeit einer der weit streuendsten Export-Artikel des subarktischen Inselstaates Island. Dennoch kein echter außenwirtschaftlicher Devisenbringer, da der vulkanische Verbrennungsrückstand so reichlich vorhanden war, dass im April zwar den Mitteleuropäern eine gute Portion abgegeben werden konnte, diese jedoch keineswegs gewillt waren, die Lieferungen finanziell zu entgelten. Demgegenüber: Asche, wie Kohle, Schotter, also in der Bedeutung von Geld. Davon werden auf Island nur noch schwache Vorkommen nachgewiesen. Die meisten Summen haben negative Vorzeichen. Deshalb starkes Interesse an einer Einfuhr aus anderen – insbesondere EU – Staaten.

B.

Baldursdottir, Kristin Maja. 1949 in Hafnarfjörður geboren. Zunächst Lehrerin, dann Journalistin und schließlich Schriftstellerin. Der Roman “Möwengelächter”, in Deutschland 2001 bei Krüger erschienen, war ein erster internationaler Erfolg. 2006 erschien “Die Eismalerin”, ebenfalls bei Krüger. Das groß angelegte Familienepos ist inzwischen als Fischer Taschenbuch erhältlich. Baldursdottir ist eine der bekanntesten Schriftstellerinnen Islands.

Blöðmör. Klingt schön und wollen wir uns deshalb nicht ersparen. Eine wirklich sehr spezielle Spezialität, die auch gegessen werden kann – zumindest von Isländern: Gesäuerte Schafsblutwurst mit Zucker gesüßt und in Molke gelagert.

Buchmarkt. In Island erscheinen jährlich etwa 2000 neue Titel – bei einer Einwohnerzahl von 318.000. Umgerechnet auf deutsche Verhältnisse: Die 80 Millionen Einwohner unseres Landes müssten in jedem Jahr etwa eine halbe Million neue Bücher schreiben, herausgeben, produzieren. (In Deutschland erscheinen tatsächlich jährlich etwa 60.000 Titel, einschließlich Übersetzungen und Neu-Auflagen.)

C.

Dieser Buchstabe kommt im isländischen Alphabet nicht vor.

D.

Dichter. Wenn man weit verbreiteten Gerüchten Glauben schenkt, sind nahezu jeder zweite Isländer, jede zweite Isländerin dichterisch tätig. Im geheimen, familiären oder in aller Öffentlichkeit. Siehe auch unter Buchmarkt. Ein großer Teil der isländischen Schriftsteller schreibt Kriminalromane, auf die deutsche Buch-Käufer ganz besonders abfahren.

E.

Eyja. Kein Kosewort, sonder isländisch für Insel.

Eyjafjalla. Tag- und nachtaktiver Vulkan. Ergiebiger Lava- und Ascheproduzent.

Eyjafjallajökull. Zum Vulkan Eyjafjalla gehörender Gletscher, der sich gerne einmal verflüssigt um seiner Umgebung die Sintflut zu bringen. Eyjafjallajökull ist auch der Name für das aus Berg, Gletscher und Vulkan bestehende Gebirgsmassiv.

F.

Fjalla. Isländisch für Berg. Derzeit häufig in der Kombination mit Eyja verwendet. Siehe auch dort.

G.

Guðnason, Hilmar. Isländischer Schauspieler. Bekannt geworden durch seine Rolle in „101 Reykjavik“ (2000), einem der bekanntesten Filme aus und über Island.

H.

Helgason, Hallgrimur. Isländischer Schriftsteller, Jahrgang 1959. Sein bekannter Roman „101 Reykjavik“ (2. Aufl., Klett-Cotta, 2009) diente als Vorlage für den gleichnamigen Film von Regisseur Baltasar Kormakur. Ebenfalls bei Klett-Cotta erschien unter dem originellen Titel „Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen“ eine als Thriller verkleidete Gesellschaftskomödie.

I.

Indriðason, Arnaldur, 1961 geboren, in Deutschland sehr populärer Verfasser sog. Island-Krimis. Arnaldur Indriðason hat bislang dreizehn Romane veröffentlicht, die bis auf einen alle ins Deutsche übersetzt wurden. Hauptfigur ist meist der Kommissar Erlendur Sveinsson. Die Taschenbücher erscheinen bei Bastei Lübbe.

Isländisch. Gehört zur nordgermanischen Gruppe der indogermanischen Sprachen. Isländisch hat, wie auch Norwegisch und Färengisch, seine Ursprünge im Altwestnordischen. Eine lange Tradition hat die geschriebene Sprache. Älteste Aufzeichnungen stammen aus dem 11. Jahrhundert. Weltweit einzigartig ist die Existenz einer grammatikalischen Abhandlung aus dem Jahr 1255, die die Phonetik nach dem Prinzip der vergleichenden Lautlehre beinhaltet. Die Formen habe sich bis heute kaum verändert und mit ihnen die Konjugationen und Deklinationen ebenso wenig. Das isländische Alphabet hat 32 Buchstaben und sieht so aus: a, á, b, d, ð, e, é, f, g, h, i, í, j, k, l, m, n, o, ó, p, r, s, t, u, ú, v, x, y, ý, þ, æ, ö. (An dieser Stelle bitte ich um Verständnis, dass nicht alle 32 in meinem Island-Spezial wiederzufinden sind.)

J.

Johannesdottir, Steinuun, geboren 1948 in Akranes, Island, arbeitet als Regisseurin, Journalistin und Autorin in Reykjavík. Schreibt historische Romane. Z. B.: „Die Isländerin“, Rowohlt, 2006.

K.

Karason, Einar, geboren 1955, lebt in Reykjavík und zählt zu den wichtigsten skandinavischen Autoren der Gegenwart. Bekannt und gelobt seine Trilogie „Die Teufelsinsel“, „Die Goldinsel“, „Das gelobte Land“ – alle bei btb als Taschenbücher erschienen.

Katla. Noch mehr Vulkan als Eyjafjalla.

L.

Laxness. Wer an ein neues Wellness- oder Entspannungs-Produkt zentraleuropäischer Luxus-Ressorts denkt, liegt falsch. Vielmehr haben wir es mit einem Nobelpreisträger für Literatur (1955) zu tun: Haldor Laxness. Der Autor – er lebte von 1902 bis 1998 – ist in seinem Heimatland ein unvergesslicher Volksheld, ein nationales Denkmal. Bei uns sind nur noch wenige seiner Werke lieferbar. So etwa das einstmals sehr bekannte und auch verfilmte „Atomstation“ oder „Die Islandglocke“ und „Das Fischkonzert“.

Lundi. Achtung, für Vogelliebhaber weniger geeignet. Wieder eine der isländischen Spezialitäten von denen behauptet wird, dass man sie essen kann. Gebratener Papageientaucher. Sein Geschmack soll mit Wild vergleichbar sein, das Fleisch ist fest und zart; da es nicht sehr reichlich ausfällt, gehören immer mehrere Vögelchen auf einen Teller.

M.

Magnusson, Kristof. Ein Schriftsteller mit isländischen Namen, der aber 1976 in Hamburg geboren wurde. Er ist ausgebildeter Kirchenmusiker und studierte am Deutschen Literatur-Institut in Leipzig und an der Universität Reykjavik. Zur Zeit ist er mit dem Roman „Das war ich nicht“, Kunstmann, 2010, im Gespräch. Das Buch – flott und unterhaltsam geschrieben – beschäftigt sich mit dem Milieu ehrgeiziger erfolgreicher Banker. Magnusson ist ein junger vielversprechender Autor von dem in Zukunft sicher noch interessante Veröffentlichungen zu erwarten sind. Er ist auch als Übersetzer aus dem Isländischen tätig. Die informative Web-Site von Magnusson findet man hier: http://www.kristofmagnusson.de/

N.

Nordal, Sigurdur. (1886 – 1974), Poet, Schriftsteller, vor allem aber einer der bedeutendsten Sprach- und Literaturwissenschaftler Islands. Nachdem er in Kopenhagen Nordische Philologie studiert hatte, lehrte er in Berlin, Oxford und an der Harvard University. Ab 1919 war er Professor für isländische Sprache und Literatur an der Universität Islands in Reykjavik. Mit seinen Monographien und Aufsätzen zur älteren und neueren isländischen Literatur erwarb er sich internationales Renomèe. Seine Dichtungen, die aus der volkstümlichen Kultur schöpften, hatten großen Einfluss auf die psychologisierende Richtung der isländischen Erzählweise im 20. Jahrhundert.

O.

Oskar, Jon. (1921 – 1998) Arbeitersohn aus Akranes. Nach Land- und Realschule wurde Oskar am Konservatorium zum Pianisten ausgebildet. Er sammelte Erzählungen und Lieder, übersetzte moderne französische Literatur. Außerdem schrieb er Gedichte und Erzählungen in deren Mittelpunkt das Alltagsleben steht.

P.

Pony. Beliebtes isländisches Haustier und Fortbewegungsmittel. Kräftig, mollig, ausdauernd, mit zotteliger Mähne.

Q.

Qualen mit diesem Buchstaben bleiben den Isländern erspart.

R.

Reykjavik. Hauptstadt. 120.000 Einwohner. 15 Kunstmuseen. 9 Theater. 7 Bibliotheken. 101 Bäume, meist von minderem Wuchs.

Islands Nationalbibliothek in Reykjavik

S.

Sagas. Ur-Suppe isländischer Literatur, basierend auf unsterblichen Mythen und Heldengeschichten. Am bekanntesten ist die Edda. Die Sagas beeinflussen bis heute die nordische Literatur mit ihren Motiven, Namen und Gestalten. Die längste der zahlreichen Helden-Erzählungen ist die Njáls saga mit 97.000 Wörtern.

Stefansson, Jon Kalman ist ein Schriftsteller der jüngeren Generation, geboren wurde er 1963 in Reykjavik. Im Städtchen Mosfellsbær war er zwischenzeitlich auch als Bibliothekar tätig. In deutscher Übersetzung liegen mehrere Romane des Autors vor. Unter anderem die poetisch-humorvolle Familiengeschichte „Das Knistern in den Sternen.“

Svið. Versprochen, das letzte isländische Gericht, das in diesem Island Spezial vorkommen wird. Vielleicht ist es ja nicht das allerbekömmlichste, spektakulär hört sich das Rezept auf jeden Fall an: Ein abgesengter (geschorener) halber Schafskopf, der durchgekocht und nicht ausgenommen auf den Tisch kommt. Ältere Isländer schwören darauf. Das Auge gehört zu den besonderen Delikatessen.

T.

Thorarinsson, Arni. 1950 geboren, lebt in Reykjavík. Er arbeitet als Journalist und Autor für Zeitung, Radio und Fernsehen und gehört zu jenen Autoren, die Ende der neunziger Jahre den Grundstein für die isländische Kriminalliteratur legten. Mittlerweile sind bereits vier Romane mit dem Reporter Einar als Hauptfigur erschienen, zuletzt 2008 der Titel „Todesgott“ bei Droemer.

U.

Universität(en). Es dauerte bis 1911 ehe Island in Reykjavik eine eigene Universität bekam. Bis dahin, aber auch noch danach studierten die Landeskinder gerne an anderen skandinavischen Hochschulen wie Kopenhagen oder Oslo. Heute gibt es in Island sieben staatliche Hochschulen, sowie drei private Hochschulinstitute. Auf Grund der geographischen Besonderheiten, ist auch das Fernstudium weit verbreitet. Das Studium an den staatlichen Hochschulen ist kostenlos.

V.

Vulkan. Eine Stelle der Erdoberfläche, an der Magma austritt und der dabei entstehende Berg. Es gibt aktive und erloschene Versionen.

W.

Wodka. Obwohl auch das W im Isländischen nicht benötigt wird, muss es hier verwendet werden um in seiner lateinischen Variante einen wichtigen Treibstoff, nicht nur nordischen Lebens, anzukündigen. Wie überall im Norden trägt Hochprozentiges je nach Gemütslage zum Überleben oder zum Untergang bei. Auch in Island wird Wodka produziert. Es gibt zwei Sorten. Diese tragen die w-losen Namen Eldurís und Icy. Beide haben ungefähr 40%Vol Alkohol und sind vom Geschmack her eher weich. Der Brennivín hingegen ist ein in Island gern getrunkener Kümmelschnaps.

XYZ.

Die ersten beiden Buchstaben kennt das isländische Alphabet durchaus, angewendet werden sie in der Sprachpraxis allerdings selten; den dritten im Bunde gibt es – wie schon C, Q und W – in der isländischen Sprache nicht.

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Hypotext

Raisting. Im April 2010. Einer hochrangigen Experten-Kommission, der neben einigen anderen profilierten Persönlichkeiten auch Sepp Daxenberger und A. T. Wille angehörten, ist es in den letzten Wochen gelungen den Sammel-Auftrag der letzten Bibliothek (DLB) annähernd exakt zu formulieren. Nach Auskunft ihres Sprechers Enn Enn, wird sich die Einrichtung darauf focusieren, das jeweils letzte Buch zu erwerben, zu erschließen und bereitzustellen. Bei den letzten Büchern soll es um nachweisbar allerletzte Werke handeln. Das können die eines Schriftstellers, einer Schriftenreihe oder eines mehrbändigen Werkes sein. Es kann sich dabei aber ebenso gut um das letzte Buch handeln, dass ein Sammler erworben hat oder das allerletzte, das von einer bestimmten Ausgabe oder Auflage noch auf dem Markt war. Fachleute rechnen in der Zukunft mit einer dramatischen Zunahme der Ein-Exemplar-Auflagen; garantiert doch gerade dieses Verfahren des ersten und letzten Werkes die sichere Aufnahme in Fundus und Katalog der Letzten Bibliothek (DLB). Nicht gesammelt werden Bücher, die von Kritikern mit dem Ausruf “Das ist ja das allerletzte” bedacht wurden. Wie etwa weiland “Jenseits der Liebe” des Autors Martin Walser von dem Kritiker Emm Errerr. Nachzulesen in den in diesen Wochen erschienen Tagebüchern Walsers, dem bei Interviews und Gesprächen anzumerken ist, dass er sich davon bis heute nicht ganz erholt hat. Die Leitung der Letzten Bibliothek überlegt Martin Walser eine Einladung als “Writer in Residence” zukommen zu lassen.


So! Rum. März MMX

31. März 2010

Im März. Fand nach anfänglichem Zögern und einem heftigen Rückfall, nun doch noch der Klima-Wandel statt. Es wurde Frühling. Zumindest vorläufig. Die Triebe sprießen wieder. “Veronica der Spargel wächst.”

Im Ernst. “Wie tief ist der Sex-Sumpf noch?” (BILD) Ist das ganze Ausmaß des Missbrauchs von Kindern in pädagogischen Einrichtungen aller Art, die zu einem Teil der katholischen Kirche gehören, manchmal aber eben auch nicht (und täglich werden es mehr!), nicht schon schlimm genug, so ist die voyeuristisch-geifernde Art der Bericht-Erstattung einiger Medien ein zusätzlicher beträchtlicher Skandal, ein erneutes Vergehen an diesen Opfern und eine unentschuldbare Belästigung aller, die sich damit, in welcher Form auch immer, auseinanderzusetzen haben.

“Denn das ist dummer Aberglaube, zu meinen, das Leben von Segensleuten sei eitel Glück und schale Wohlfahrt. Bildet der Segen doch eigentlich nur den Grund ihres Wesens, welcher durch reichlich Qual und Heimsuchung zwischenein gleichsam golden hindurchschimmert.” (Thomas Mann in: Geschichten Jaakobs)

In der weiten Welt. Klar. War natürlich ein Missverständnis. Guido W. ist nicht nach Chile ausgewandert. Seine Reise in mehrere südamerikanische Staaten hat er in seiner Funktion als Außenminister absolviert. Inzwischen hat er den Kontinent aber wieder verlassen. Schon doll, was der Mann alles ist und ißt. Er soll neulich in Berlin gesehen worden sein. Bei Curry 36. Er müsse sich von den Fest-Banketts mit chilenischen, brasilianischen und argentinischen Schönheiten und landestypischer Verpflegung erholen, wird gemunkelt.

In der Schweiz. Sind derzeit die CD-Rohlinge ausverkauft. Gleichzeitig verzeichnen führende Schweizer Banken ein dramatisches Absinken ihrer Bargeld- und Depot-Bestände.

Auf dem Olymp. Streiten einmal mehr die Götter und rund um das an Denkern und Mirakeln reiche Land wird ebenfalls das Geld knapp. Anders gesagt: das negative Geldvermögen vermehrt sich. Derbe Sache. (Derb, auch derbe = neues Modewort, Nachfolger von irre, toll, mega, krass, geil usw. Siehe dazu auch bei Wikipedia unter: Lena Meyer-Landrut.)

Aus meinem Lesetagbuch. Wer glaubt ich sei vor lauter Buchmesse und Leipzig liest, zugehöriger Vor- und Nachbereitung, Blog-Beiträge verfassen, Cafèhaus-Plauderei und was der kreativen Dinge mehr sind, auch noch zum Lesen von Büchern gekommen, der irrt. Nur herum-, an- und reingelesen war diesen Monat drin. Und die eine oder andere Zeitung (Leipziger Volkszeitung! Lesenwert und gut gemacht.) oder Zeitschrift (eigentlich auch nur die Literatur-Teile oder -Beilagen). Und natürlich Radio gehört. Ganz reichlich im März: MDR Figaro, das Kulturradio des Mitteldeutschen Rundfunks. Auf diesem Sender kam am meisten Buchmesse und der Musikmix, bestehend aus Klassik, Jazz und Singersongwriter (Chanson, Canzone, Lied), trifft ganz meinen Geschmack. Man mag von der Erfindung und Verbreitung des WWW halten was man mag, aber Internet-Radio finde ich schon… Doch!

Aus festlichem Anlass. Nun warten also – und keineswegs nur diese – Kinder im ganzen aufblühenden Land auf den Osterhasen. Das zeitgenössische Menschlein zeichnet selbigen ja inzwischen ohne die langen Löffel (s. dazu in Wikepedia unter: Till Schwaiger). Alle Eier haben sich schön bunt gemacht, während immer mehr Lämmer Leben lassen müssen. Und die Mützen im Vatikan fürchten nichts mehr als die reale Wiederkehr ihres Herrn und Meisters.

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Hyptotext

Mit einem Festakt wurde am 10. März im Bibliothekssaal des ehemaligen oberbayerischen Klosters Polling bei Weilheim bei München die offizielle Gründung der letzten Bibliothek (DLB) begangen. Anwesend waren zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und des bayerischen Klerus, die Festrede hielt B. E. Mich, der dazu aus der Ost-Mongolei angereist war, wo er eine Forschergruppe betreut, die im Rahmen eines DFG-Projektes mit der Ausgrabung von Sprachwurzeln beschäftigt ist. Musikalisch umrahmt wurde der Abend durch ein Gastspiel der Geigerin Anne Sophie Mutter, die Violin-Sonaten von Johannes Brahms interpretierte. Der Abend und das Konzert wurden vom Bayerischen Rundfunk im Radio übertragen. Die musikalischen Beiträge von Anne Sophie Mutter sind auch als CD bei der Deutschen Grammophon erschienen.

Dieser festliche Gründungsabend war natürlich nur eine Art von Initialzündung. Die eigentlichen Arbeiten beginnen jetzt erst. Geeignete Räume stehen im Pollinger Kloster-Komplex bereits zur Verfügung; sie müssen noch renoviert und eingerichtet werden. Ein großer Magazin-Bereich wird im benachbarten Raisting als Neubau erstellt. Mit seiner Fertigstellung ist voraussichtlich 2015 zu rechnen. Demnächst beginnt die besonders schwierige Phase des Bestandsaufbaus. Schließlich ist es das ambinionierte Ziel dieser ein- und letztmaligen Einrichtung, ausschließlich letzte Werke zu sammeln. Derzeit wird noch an einer genauen Definition dieses etwas abstrakten Begriffs gearbeitet. Es stehen allerdings für die nächsten Jahre großzügige Aufbau-Mittel in ausreichender Höhe zur Verfügung. Die Finanzierung teilen sich die Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg, die Deutsche Forschungsgemeinschaft, sowie die Stiftung “Das Letzte”, der namhafte Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Wirtschaft angehören.


So! Rum. Der Februar MMX

27. Februar 2010

Kehraus. Tarrää, Tarrää – wenn ich diese Narren seh! Meine GEZ-Zwangs-Abgaben werden zweckentfremdet, alle öffentlich-rechtlichen Kanäle mit Faschingfasnachtkarnevaleinerlei verstopft. Und wenn nicht, wird geboxt. Literatur wenn überhaupt, verschoben und verschoben. Eine halbe Stunde Thea Dorn oder Felicitas von Lovenberg oft mehr als hinter Mitternacht.

Fremdsprachen. Dass ich einmal Mitleid mit MP a. D. und Neu-Kommissar Günther Ö. haben würde, wäre mir eigentlich in keinem meiner stets originellen Alpträume eingefallen. Doch die Einheits-Häme aller Medien – Ausgangspunkt YouTube, und alle schadenfreuen nach – macht es möglich. Das hat niemand verdient. Selbst wenn er, wie Günther Ö. den Stolz nicht aufbringt, Deutsch zu sprechen, wenn er Englisch eigentlich nicht kann. Lech Walesa spricht zu jeder Gelegenheit bei der man ihn noch zu sehen bekommt Nord-Polnisch. Sarko mit der ihm angetrauten Italienerin und auch dem Rest der Welt Französisch. Sogar der Ratzinger-Papst sagt’s in Latein. Jeder darf seine Muttersprache sprechen, nur der… naja sie wissen schon. Nein, einen Link zur Peinlichkeit gibt’s hier nicht – wo kommen wir denn da hin?

Wetter. Winter ade? Sprechen wir vom Wetter und gewöhnen wir uns daran, dass unser metereologisches Vokabular, über den von allen Stimmbändern artikulierten Klimawandel hinaus, noch andere interessante Wortbildungen bereit hält: Eiszeit, Zwischeneiszeit, Kälte-Phase, Warm-Phase. Mein Liebling: Würm-Eiszeit! Fürs Dichter-und-Denker-Land selbstverständlich, dass es zu allen Problem-Themen passende Autoren mit marktgerechtem Reaktionsvermögen gibt, die rasch unterhaltende Orientierung parat halten. Jetzt erschienen und unbedingt lesenswert: Franz Schätzchen: Der Schal. – Wiepenheuer & Kitsch, 2010. 2656 S. Euro 51,99.

Zitat 1. “Das Plagiat: Was ist es im letzten Grunde andres als Selbsterkenntnis? Dass dem Betreffenden das fehlt, was er nimmt?” Meinte der akribische Arno Schmidt irgendwann einmal.

Szene (= Berlin). Ein Buch zu schreiben, war ja schon öfters probates Mittel postpubertärer Mädels ihr Taschengeld aufzubessern. Dass man aber dermaßen das deutsche Feuilleton rockt, wie jene Jung-Autorin, die diesen Monat 18 wurde, ist schon eine ganz neue Dimension. Und natürlich nomiert für den Preis der Leipziger Buchmesse (siehe ganz weit unten), weil sie angeblich wirklich schreiben kann. Echt? Darüber wird noch zu reden sein – in frühestens zwanzig Jahren. Zu schnell entstehen heute Helden.

Zitat 2. “Der Fall Hegemann lässt in mir den dringenden Wunsch, nein, die aufrichtige Bitte aufkommen, dass sich die Literaturkritik hierzulande endlich weniger um Hypes oder die Biografie eines Autors kümmert und mehr um seinen Text.” Der Schriftsteller Thomas von Steinaecker in “Börsenblatt” 6.2010, S. 13.

Sport. In Vancouver hat das Gladiatorentum inzwischen Ausmaße angenommen, die stark an griechisch-römische Dekadenz im Endstadium erinnern. Und hierzulande mußte einmal mehr eine Gruppe älterer Herrn erkennen, dass Sexualität im Leben der Männer durchaus vorkommen kann. Nein, nicht die! Hier ist die Ober-Clique vom DFB gemeint, dass sind die, die für Fussball-Götter zuständig sind. Götter pflegen ja tradionell (siehe: griechische, siehe: römische) ein rechtes Lotterleben. Einige gemeine Stadion-Gänger-Sänger hingegen habens schon immer gewußt: “Schiri du schwule … !”.

Krieg. Oberfeldwebel Evi Sachenbacher-Stehle. Hauptfeldwebel André Lange. Hauptfeldwebel Tobias Angerer. Unteroffizier Andreas Wank. Deutsche Medailliengewinner in Kanada. Wer verteidigt eigentlich Freiheit und Vaterland am Hindukusch, wenn sich ein großer Teil der VondeutschenBodendarfniewiederKriegausgehen-Armee auf der Jagd nach Auszeichnungen durch olympischen Schnee kämpft?

Aus meinem Lese-Tagebuch. Viel Vergnügen bereitet hat mir diesen Monat die Lektüre von Thomas Glavinics “Das bin doch ich”, das mir bei einem anderen geplanten Einkauf, recht überraschend in die Finger geriet und als Spontan-Kauf noch am selben Abend angelesen wurde. Am Ende dieser äußerst witzigen Selbst-Darstellung und kultur-, bier- und weinseeligen Wien-Odysee eines jungen, nach Short-List-Präsenz lechzenden Autors, stellt sich dem Leser die spannende Frage, ob Thomas G. noch immer mit Daniel K. befreundet ist. Man wird der Ösis ja nicht müde. Deshalb bin ich jetzt mit dem neuen Hochgatterer beschäftigt. Dazu. Bald. Hier. Mehr.

Ausblick. Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt. Er reitet nach Leipzig. Und schon wieder ein Buchpreis, samt Shortlist: Faktor, Georgs Sorgen. Hegemann, Axolotl (das gäbe Taschengeld!). Klein, Roman unserer Kindheit. Seiler, Die Zeitwaage. Weber, Luft und Liebe. (Und Glavinic wieder nicht drauf!)

Ich bin am Ende. Diesmal fehlen zwei oder drei Tage, je nach Sichtweise, außerdem große Teile des inzwischen gewohnten winterlichen Nacht-Dunkels; wir vermissen die Schneemänner, übrig geblieben sind dreckige schmelzende Torsi; der WSV ist schon vorbei, die Berlinale auch, Stars und Sternchen weg – und Guido W.? Liegt dekadent dahingestreckt in der Hängematte. Im Schlaraffenland für wohlgeborene Politik-Profis. Und wirft mit gebratenen Tauben nach jenen in den dürren Ebenen, die nicht jedes global-urbane Tempo mitgehen durften, konnten oder wollten.

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Hypotext

Nach DNB und DDB: Die DLB kommt! Lange herrschte Funkstille, doch nun gibt es hoffnungsvolle Signale aus Raisting und Polling. Was bisher geschah: Am 29. Juni 2006 trat bekanntlich das neue “Gesetz über die Deutsche Nationalbibliothek” in Kraft. Es benannte die Bibliothek mit ihren von blühenden Vorgärten umgebenen Häusern in Leipzig, Frankfurt am Main und Berlin in Deutsche Nationalbibliothek um. Dieser bibliothekarische Kraftakt fand 2008 seinen vorläufigen Abschluss: Im Oktober jenes Jahres erlies die Bundesregierung die Pflichtablieferungsverordnung, die die bisherige Pflichtstückverordnung ablöste. Damit war Kraft gewonnen für neue Aufgaben. Folgerichtig wurde am 8. Dezember 2009 in Stuttgart, im Rahmen des jährlichen IT-Gipfels und in Anwesenheit der Frau Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, das Projekt DDB präsentiert. Die Deutsche Digitale Bibliothek wird einen zentralen Zugang zu digitalem Wissen und Kultur in Deutschland bieten. Sie eröffnet großartige Perspektiven für die innovative und zukunftsorientierte Nutzung digitaler Medien und setzt Zeichen für die Etablierung der Wissens- und Informationsgesellschaft in der Bundesrepublik. Diesen beiden tragenden Säulen der Informations-Landschaft wollen nun namhafte Experten aus Bibliotheks-, Informations- und Archivwesen eine weitere hinzufügen. Nach monatelangen Vorberatungen, Ausarbeitung meilensteingepflasteter Konzeptionen und der Sicherung einer zukunftsorientierten Finanzierung, geht am 10. März 2010 „Die letzte Bibliothek“ (DLB) mit Häusern in Raisting und Polling an den Start. Mehr dazu. Demnächst. An dieser Stelle.