Leipzig

Die Thomaner

Nun ist es aber mit der Musik wie mit der Literatur. Man fragt sich gelegentlich – oder besser: wird gefragt – hat das eigentlich einen Sinn? Wozu ist es gut? Können also Literatur oder Musik irgendetwas bewirken? Manchmal wohl schon: Sie erreichen Menschen, die dies zulassen und stoßen etwas in ihnen an; so finden diese Menschen mitunter Kraft und Zuversicht etwas zu bewegen. Nicht immer handelt es sich dabei um den großen Felsen – den überlassen wir Sisyphos -, meist nur um kleine Kiesel; aber auch das wäre ja schon viel mehr als Nichts.

Nach Stationen unter anderem in Arnstadt, Mühlhausen und Weimar lebte und arbeitete Johann Sebastian Bach ab 1723 bis zu seinem Tode in Leipzig. Er ist der bekannteste Thomaskantor; sein Name ist auf der ganzen Welt mit dieser Kirche und der Stadt Leipzig verbunden. Bach starb am 28. Juli 1750; seine Grabstätte befindet sich heute in der Thomaskirche.

Wenn sich der Thomanerchor nicht auf einer seiner vielen Tourneen im In- und Ausland befindet und die Schüler keine Ferien haben, gestaltet er regelmäßig an Freitagen um 18 Uhr einen Vesper-Gottesdienst, samstags um 15 Uhr eine Motette und am Sonntagmorgen, 9.30 h, den Hauptgottesdienst der Gemeinde.

Dabei handelt es sich um kirchlich-religiöse Veranstaltungen, aber vor allem am Freitag und Samstag erfahren diese einen regen Zulauf durch Touristen aus allen Erdteilen. Es sind hervorragende Gelegenheiten den berühmten Chor bei der Erfüllung seiner ureigensten Aufgaben hören und wenn man Glück hat, ihm auch zuschauen zu können. Das umfangreiche Ensemble, das nur aus Jungs und jungen Männern besteht, bietet auf der Chor-Empore einen prächtigen Anblick. Dazu muss man sich rechtzeitig einen Platz im Kirchenschiff sichern, da die Sicht durch zahlreiche tragende Säulen von vielen Plätzen aus eingeschränkt ist; den wunderbaren Klang von Orgel und Chor hört man aber überall gleich gut. Wer den Weg findet, von den Rummelplätzen der Messen und der Stadt in diese besinnliche Oase, wird es nicht bereuen. Er wird das Gotteshaus bewegt verlassen, auch wenn er sich nicht zu den Gläubigen zählt.