Auerbachs Keller

Restaurant und Gaststube Auerbachs Keller existieren seit 1525. Zu finden sind sie in der heutigen Mädler-Passage, einem der prächtigen Kaufmannshöfe in Leipzigs Innenstadt. Das Lokal besteht aus dem „Großen Keller“, der „Historischen Weinstube“, und der „Mephisto-Bar“. Der abendliche Zulauf, vor allem durch Touristen, ist beträchtlich. Seit Jahrhunderten spielen sich dort Tag für Tag immer wieder interessante, mal amüsante, mal dramatische Dinge zwischen den Gästen ab. Vor einiger Zeit konnten wir folgendes Geschehen beobachten und belauschen.

Eine Szene in Auerbachs Keller zu Leipzig
(Die Tische vollbesetzt. Die Stimmung laut. Zeche lustiger Gesellen.)

Ein gewisser JWG:
Will keiner trinken? keiner lachen?
Ich will euch lehren Gesichter machen!
Ihr seid ja heut wie nasses Stroh
Und brennt sonst immer lichterloh.

Ein leicht hinkender Typ namens M.:
Das liegt an dir; du bringst ja nichts herbei,
Nicht eine Dummheit, keine Sauerei.

Peter Miese:
Die Menschen wollen nur noch ihr Vergnügen. Party, Party Party!
Für Politik zum Beispiel, interessiert sich kein Schwein mehr.

Ein gewisser JWG:
Ein garsti Lied! Pfui! ein politisch Lied
Ein leidig Lied! Dankt Gott mit jedem Morgen,
Daß ihr nicht braucht fürs Römsche Reich zu sorgen!
Ich halt es wenigstens für reichlichen Gewinn,
Daß ich nicht Kaiser oder Kanzler bin.
Doch muß auch uns ein Oberhaupt nicht fehlen:
Wir wollen einen Papst erwählen.
Ihr wißt, welch eine Qualität
Den Ausschlag gibt, den Mann erhöht.

Der Typ namens M. zu Peter Miese:
Ich muß dich nun vor allen Dingen
In lustige Gesellschaft bringen,
Damit du siehst, wie leicht sichs leben läßt,
Dem Volke hier wird jeder Tag ein Fest.

Peter Miese:
Und nach mir die Sintflut!

Der Typ namens M.;
Solang der Wirt nur weiter borgt,
Sind sie vergnügt und unbesorgt.

Peter Miese:
Keine Spur von Kreditkrise!

Ein gewisser JWG:
Was hinkt der Kerl auf Einem Fuß?

Ein Typ namens M.:
Die Kraft ist schwach, allein die Lust ist groß.

Ein Zecher vom Nebentisch:
Es lebe die Freiheit! es lebe der Wein!

Der Typ namens M.:
Ich tränke gern ein Glas, die Freiheit hoch zu ehren,
Wenn eure Weine nur ein bißchen besser wären.

(Kurz darauf passieren merkwürdige Dinge. Kleine Öffnungen in den hölzernen Tischkanten spenden roten Wein. Rasch halten die Zecher ihre Becher darunter und trinken sie gleich zügig aus. Später verwandelt sich der Rebensaft, der auf den Holzdielen des Kneipenbodens landet, in kleine züngelnde Flammen, die rasch wieder verlöschen.)

Ein gewisser JWG:
O schöner Brunnen, der uns fließt!

Der Typ namens M.:
Nur hütet euch, daß ihr mir nichts vergießt!

Zecher am Nebentisch (singend):
Uns ist ganz kannibalisch wohl,
Als wie fünfhundert Säuen!

Peter Miese:
Helft! Feuer! helft! Die Hölle brennt!

Ein gewisser JWG:
Ich brenne! Ich brenne!

Ein Typ namens M.:
Sei ruhig, freundlich Element!
(An alle gewandt):
Für diesmal war es nur ein Tropfen Fegefeuer.
Doch merkt euch, wie der Teufel spaße.

(Das Feuer erlischt. Der Wein versiegt.)

Peter Miese:
Das glaubt mir Grete nie!