Nachsommer (2)

Stimmen und Stimmungen


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Kurt Tucholsky

„So vier, so acht Tage – Und dann geht etwas vor. Eines Morgens riechst du den Herbst. Es ist noch nicht kalt; es ist nicht windig; es hat sich eigentlich gar nichts geändert – und doch alles. Noch ist alles wie gestern: Die Blätter, die Bäume, die Sträucher… aber nun ist alles anders… Das Wunder hat vielleicht vier Tage gedauert oder fünf, und du hast gewünscht, es solle nie, nie aufhören… Spätsommer, Frühherbst und das, was zwischen ihnen beiden liegt. Eine ganz kurze Spanne Zeit im Jahre. Es ist die fünfte und schönste Jahreszeit.“

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Ingeborg Bachmann

„Die große Fracht des Sommers ist verladen,

das Sonnenschiff im Hafen liegt bereit

wenn hinter dir die Möwe stürzt und schreit.

Die große Fracht des Sommers ist verladen.“

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Artur Thomas Wille

Preußisches Finale. Während echte Blüten welken, blüht es auf an Laternenpfählen, Bauzäunen, Plakatwänden. Papierene Pracht in Grün und Gelb, Rot und Schwarz, in Altbraun. Mähdrescher haben ihre Arbeit getan, Phrasendrescher ziehen auf. Noch einmal wird es hitzig im Land. An einem Sonntagabend im späten September wird abgerechnet werden. Nach Abwrackprämie und Kinderbonus gibt es Prozente. Sitze werden verteilt im verkuppelten Reichstag. Im Müggelsee letzte Nacktbader an mildem Abend. Kreuzberger Nächte sind wieder lang. Noch einen grünen Tee in Habakuks Gartenlaube. Dann spielen die Philharmoniker ihre Öde ohne Freude und der letzte Vorhang fällt uns vor die Füße. Trauerzug zum Stadtschloss. Requiem im Dom.

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Rainer Maria Rilke

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

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Maria Beig

„Dann drängte es mich – die Schwalben zwitscherten zum Abschied – manches schriftlich festzuhalten. Dabei wunderte ich mich, wie groß die Lust war, dies zu tun.“

Mehr über den „Lebensweg“ der oberschwäbischen Schriftstellerin in einigen Tagen an dieser Stelle.