Herbst-Lese (1)

Martin von Arndt: Der Tod ist ein Postmann mit Hut

Bei diesem Buch hatte ich auf den ersten Seiten zunächst einen kleinen Naja-Effekt. Naja, ob das was ist? Einige Seiten hat es schon gedauert bis sich Leselust einstellte, Geschichte und Autor mich für sich gewonnen hatten. Die Geduld wurde belohnt.

vArndt_PostmannJulio C. Rampf ist Musiker. Seinen Lebensunterhalt verdient er in einem Studio, das Hintergrundmusik für asiatische Restaurants produziert. Pop-Klassikern wird dabei ein unaufdringliches, breit einsetzbares  Sound-Kleid verpasst. Der Liebe zuliebe war Julio vor Jahren nach Innsbruck gezogen. Jetzt ist die Ehe gescheitert, die Liebe ausgezogen und unser Held mäandert orientierungslos durch die bergumzäunte Landeshauptstadt. Aus dieser und den anderen österreichischen Landeshauptstädten bekommt er nach und nach und jeweils jeden ersten Mittwoch im Monat einen eingeschriebenen Brief ohne Absender, aber mit verblüffendem Inhalt. Diese irritierenden Einschreiben bringt der immer gleiche, titelgebende Postmann mit Hut, dem seine Zubringerdienste vom Empfänger regelmäßig mit einem Schnaps entgolten werden.

Aus der rätselhaften Geschichte entwickelt sich ein Fast-Kriminalfall, der zunehmend an Dichte und Dramatik gewinnt und überraschend endet. Eine wichtige Rolle spielt dabei der ehemalige Polizist Holetschek, mitsamt Hund, den Rampf zunächst zu Rate zieht, der ihm aber immer mehr zum väterlichen Freund und jazzenden Session-Partner wird. Die beiden wechseln problemlos zwischen Tiefsinn und Spürsinn und begegnen während der gemeinsamen Aufklärungsarbeit allerhand randständigen Figuren der Innsbrucker Halb- und Zwischenwelt.vArndt

Von Arndt erzählt in einer bildreichen Sprache, dem Schauplatz entsprechend mit deutlichem tiroler Akzent. Neben dieser Sprachkulisse trägt die Stadt Innsbruck, die wahre Perle Tirols, sehr zur Illustration des Geschehens bei. Das Buch ist darüber hinaus durchsetzt mit musikalischen Bezügen und Anspielungen; eine ganze Reihe klassischer Jazz- und Pop-Titel werden erwähnt. Praktischerweise findet man deshalb am Ende des Buches eine „Playlist.“

Der „Postmann“ ist der zweite Roman des 1968 geborenen Martin von Arndt. Sein erster, der 2007 erschien, heißt „ego shooter“. Eine Geschichte aus der Welt der Computer-Freaks, die sehr positiv aufgenommen wurde. Außerdem hat der Autor Lyrik, Theaterstücke und Sachbücher geschrieben. Er wurde unter anderem mit dem „Großen Literaturstipendium“ des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet. Von Arndt lebt als Musiker und Schriftsteller in Stuttgart. Aus seinem neuen Buch liest er am 17. Oktober in Rottweil, am 25. Oktober in Ludwigsburg und am 1. November in Tübingen.

Arndt, Martin von: Der Tod ist ein Postmann mit Hut. Roman. – Klöpfer & Meyer, 2009. Euro 17,90.