Herbstlaub

Ärgerlich: Jedes Jahr ein neuer Wälzer

2007 erschienen: Das Haus/House of Leaves von Mark Z. Danielewski. 797 Seiten. Die deutsche Originalausgabe kostete Euro 29,90. Inzwischen gibt es eine Taschenbuch-Version für Euro 18. Unverzichtbarkeits-Argumente: Der erste große Roman des 21. Jahrhunderts. Das extravaganteste Buch der Saison.

2008 erschienen: Die Wohlgesinnten von Jonathan Littell. 1392 Seiten. Deutsche Originalausgabe Euro 36. Taschenbuchausgabe Euro 18. Heftig besprochen und umstritten. Wochenlang im Mittelpunkt der Buchhandlungen. Unverzichtbarkeits-Argumente: Der Skandalroman des bisherigen Jahrzehnts. In Frankreich gefeiert.

Seit einigen Wochen auf dem Markt: Unendlicher Spaß von David Foster Wallace. Für Euro 39,95 bekommt man 1547 Seiten. Ein veritables Preis-Leistungs-Verhältnis. Unverzichtbarkeits-Argumente: Das literarische Ereignis in diesem Jahr. Der Autor hat inzwischen Selbstmord begangen.spass

Dick muss Buch sein, skandalumwittert nach Möglichkeit der Autor, spektakulär die Story rund um das Entstehen des Werks. Aber was man da Jahr für Jahr versucht uns anzudrehen, ist schon nach einigen Monaten kaum noch das Papier wert auf dem es gedruckt wurde. So bekommt man das Haus ganz ohne Bausparvertrag, aber gebraucht, schon für schlappe 15 Euro. Den Littell für 17. Ebay- und Flohmarkt-Verkäufe dabei noch gar nicht berücksichtigt. Wertbeständig sieht anders aus. Es wird ein Wälzer nach dem anderen auf den Markt geworfen. Der jeweilige Vorgänger landet im Ramsch. Vergessen oder bleiben? Über die literarische Qualität wird die Zukunft entscheiden.

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Ärgerlich: Lenz, Landesbühne

Und damit sind wir beim anderen Extrem. Offensichtlich ist der Verlag festentschlossen jede Kurzgeschichte des greisen Autors zur lohnenden Einzelveröffentlichung zu strecken. War „Die Schweigeminute“ noch recht dichtes und beinahe episches Material, so handelt es sich bei der Landesbühne um ein rechtes Schmierentheater und fast schon um einen Betrugsversuch. Mit großzügigen Kapitel-Überschriften und reichlich Freiraum, ließ sich diese Erzählung auf 120 Seiten strecken, für die 17 Euro verlangt werden. Das Ganze bei bescheidener Papierqualität, schlechter Bindung und einfallsloser Umschlagsgestaltung, die bei Lenz ja schon zur Tradition geworden ist. Dieses Gemecker möchte ich aber nicht als Kritik am Autor und seiner erzählerischen Kraft verstanden wissen. Die Kritik richtet sich ausschließlich an den Verlag. Was ich vom Schriftsteller Siegfried Lenz halte, habe ich vor nicht allzu langer Zeit unmissverständlich beschrieben:

Zu Siegried Lenz

Ein Kommentar zu “Herbstlaub

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