Geschichte Oberschwabens

Im 19. und 20. Jahrhundert

Anfang dieses Monats erschien der erste Band einer auf drei Bände angelegten Geschichte Oberschwabens, verfasst von dem Historiker und langjährigen Leiter des Ravensburger Stadtarchivs Peter Eitel. Eitel ist einer der profundesten Kenner südwestdeutscher Regionalgeschichte. 1970 promovierte er mit einer landeshistorischen Arbeit über „Die oberschwäbischen Reichsstädte im Zeitalter der Zunftherrschaft.“ Von ihm sind in den letzten Jahrzehnten zahlreiche fachwissenschaftliche Veröffentlichungen erschienen. Er ist auch Redakteur der seit 1990 erscheinenden Kulturzeitschrift des Landkreises Ravensburg „Im Oberland“.

Der erste Band seiner oberschwäbischen Geschichte, die nun nach und nach bei Thorbecke herauskommt, trägt den Titel „Der Weg ins Königreich Württemberg (1800 – 1870) und beginnt mit einer Bestandsaufnahme, dem Kapitel „Das Gesicht Oberschwabens um 1800.“ Eitel beschränkt sich in seiner Darstellung bewusst auf die letzten 200 Jahre und vermeidet damit, sich in nur unscharf zu fixierenden und darzustellenden Vorzeiten zu verlieren; zudem der Landschaftsbegriff „Oberschwaben“ umso schwerer zu definieren ist, je weiter man ihn in die Vergangenheit zurück verfolgt. Heute versteht man darunter allgemein die Region zwischen Schwäbischer Alb und Bodensee, eingeschlossen die württembergischen Teile des West-Allgäus. Band 1 endet mit dem Ausbruch des deutsch-französischen Krieges von 1870/71, einem Ereignis, das nicht nur für diesen Kulturraum von einschneidender Bedeutung war und in dessen Folge Deutschland ein ganz neues Gesicht bekam.

Erstmals gelingt in diesem Buch auch eine überfällige Sozial- und Wirtschaftgeschichte, waren die bisherigen Darstellungen doch zu sehr auf die klerikalen und vom Adel dominierten Rahmenbedingungen und Einflüsse beschränkt. Dabei stand – selbstverständlich für diesen Landstrich – die katholische Kirche und Kultur mit all ihren vielfältigen Erscheinungsformen und Machtstrukturen im Vordergrund. Peter Eitel verzichtet natürlich keineswegs darauf diese Aspekte zu beschreiben, betrachtet jetzt aber auch das Verhältnis zwischen Katholiken und Protestanten und widmet ein eigenes Kapitel den oberschwäbischen Juden. Er gibt Themen wie Kunst und Schulwesen den angemessen Raum und stellt immer wieder auch die alltäglichen Lebensbedingungen der Menschen dieser hügeligen Landschaft in den Mittelpunkt.

Der Autor lässt dabei oft schriftliche Original-Quellen sprechen; 260 meist farbige Abbildungen – viele davon bisher unveröffentlicht – ergänzen und bereichern das Buch. So entstand ein vielfältiger und farbiger Eindruck der Geschichtslandschaft des 19. Jahrhunderts. Vorgesehen ist, im zweiten Band die Zeit bis zum Ende des Königreichs Württemberg 1918 und im dritten Band bis zur Gründung des modernen Baden-Württemberg im Jahr 1952 zu behandeln.

Eitel, Peter: Geschichte Oberschwabens im 19. und 20. Jahrhundert. Bd. 1: Der Weg ins Königreich Württemberg (1800 – 1870). – Thorbecke, 2010. Euro 29,90

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