Aktuell: Schweizer Buchpreis 2010

Zweite große Auszeichnung für „Tauben fliegen auf“

Nach dem Deutschen Buchpreis geht auch der Schweizer Buchpreis an die Zürcher Autorin Melinda Nadj Abonji für ihren Roman „Tauben fliegen auf“. Das Buch wurde von der Jury als „herausragendes literarisches Werk der diesjährigen Buchproduktion“ gewürdigt.

Der Schweizer Buchpreis wird zur „BuchBasel“ verliehen. Diese Buchmesse, verbunden mit einem Lese-Festival, fand von Freitag bis zum heutigen Sonntag statt und wurde erst vor einigen Jahren ins Leben gerufen. An der in diesem Jahr erstmals durchgeführten Publikums-Wahl beteiligten sich 2.623 Personen. „Tauben fliegen auf“ erhielt mit 39% auch hier die meisten Stimmen. Das Buch ist im Juli diesen Jahres im Salzburger Verlag Jung und Jung erschienen.

Melinda Nadj Abonji, geboren 1968 in Becsej/Vojvodina, studierte an der Universität Zürich Deutsche Literatur und Geschichte. Sie ist Verfasserin literarischer Texte, Performerin, Musikerin und Leiterin einer freien Schreibwerkstatt. 2004 erschien ihr erster Roman „Im Schaufenster im Frühling“.

Nadj Abonjis aktueller Roman erzählt die Geschichte der Familie Kocsis. Sie stammt aus einem Dorf, das in der Vojvodina im Norden Serbiens liegt. Dort lebt eine ungarische  Minderheit, zu der auch diese Familie gehört. Genauer, gehörte. Denn sie ist vor etlichen Jahren in die Schweiz ausgewandert, erst der Vater und dann, sobald es erlaubt war, auch die Mutter mit den beiden Töchtern, Nomi und Ildeko. Ildeko ist die Erzählerin im Roman.

Die Familie Kocsis lebt in der Schweiz, aber es ist ein schwieriges Zuhause, noch keineswegs zur neuen Heimat geworden, obwohl sie doch eine Cafeteria betreiben und die Kinder dort aufwachsen, sie also alle schon gut in das Arbeits- und Alltags-Leben integriert sind. Die Eltern haben es immerhin beruflich geschafft, aber die Schweiz schafft manchmal die Töchter, Ildiko vor allem, sie ist zwar angekommen, fühlt sich aber nicht immer angenommen.

„Tauben fliegen auf“ ist sicher ein gutes, interessantes und wichtiges Buch. Zahlreiche Leserinnen und Leser bestätigen dies inzwischen. Auch die Rezensionen fallen überwiegend positiv aus. Dennoch kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier ein wenig der Versuch von Wiedergutmachung unternommen wird. In beiden Ländern, in denen die Autorin in den letzten Wochen ausgezeichnet wurde, toben schießlich seit längerem heftige Migration-Debatten, die überwiegend von Vorurteilen, Vorverurteilungen und politischen Populismus geprägt sind.

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