Aktuell: Arno Geiger

Der Anlass einige Sätze über Arno Geiger zu schreiben, ist die Verleihung des Hölderlin-Preises an den österreichischen Schriftsteller am vergangenen Sonntag.

Leipzig, im März diesen Jahres: Arno Geiger gehörte zu den großen Favoriten auf den “Preis der Leipziger Buchmesse”. Die Jury entschied sich für Nachwuchsförderung; der Preis ging an Clemens Setz für seinen Erzählband “Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes”. Geiger fiel es leicht, sich mit seinem Landsmann zu freuen, schließlich hatte er mit seinem dokumentarischen Erzählwerk “Der alte König in seinem Exil” das Publikum, die Kritik und den kommerziellen Erfolg längst auf seiner Seite.

Nun also der “Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg”, wie er vollständig und korrekt heißt. Der mit 20.000 Euro dotierte Preis rückt die Taunus-Stadt einmal im Jahr in das Blickfeld einer literarisch interessierten Öffentlichkeit und erinnert an zwei Lebensabschnitte die Friedrich Hölderlin in Bad Homburg verbrachte, wo sein guter Freund Isaak von Sinclair lebte und Hölderlin eine kurze Zeit als Bibliothekar tätig war. Der Preis wird seit 1983 vergeben und unter den Empfängern findet sich manch prominenter Name. Vorgänger Arno Geigers waren u. a. Ulla Hahn, Wolf Biermann, Ernst Jandl und Martin Walser. Geiger hatte 2005 bereits den Hölderlin-Förderpreis bekommen und erhielt damit als erster Schriftsteller überhaupt beide Auszeichnungen.

In der Begründung der Jury heißt es u. a.:  “… für sein bisheriges literarisches Werk, zumal für jene Bücher, die seit 2005 entstanden und erschienen sind. In jenem Jahr mit der Fördergabe zum Hölderlin-Preis ausgezeichnet, hat Arno Geiger in der Folge mit den Romanen ‚Es geht uns gut’ und ‚Alles über Sally’, mit dem Erzählband ‚Anna nicht vergessen’ und dem in diesem Frühjahr publizierten Vater-Bericht ‚Der alte König in seinem Exil’ höchst eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass er in die erste Erzähler-Reihe unserer Gegenwartsliteratur gehört.”
Die Laudatio hielt die Journalistin und Literaturkritikerin Felicitas von Lovenberg.

Arno Geiger ist mit seinen 42 Jahren bereits einer der wichtigsten und interessantesten deutschsprachigen Schriftsteller. Bei allem literarischen Anspruch findet er mit seiner immer verständlichen und populären Schreibweise eine ständig größer werdende Leserschaft. Er ist in Vorarlberg geboren und aufgewachsen. Eine kleine Region, die an die Schweiz und Deutschland grenzt. Der sprachlich eigenwillige Landstrich hat mit Autoren wie Franz Michael Felder, Robert Schneider, Michael Köhlmeier oder Lina Hofstädter eine beachtliche literarische Tradition und Dichte. In Deutschland haben alle Schriftsteller und Schriftstellerinnen, die etwas auf sich halten, inzwischen mindestens einen Wohnsitz in der Hauptstadt. In Österreich gilt ähnliches; deshalb ist Arno Geiger mittlerweile hauptsächlich in Wien zu Hause.

Arno Geiger und Hölderlin? In einem Gespräch mit dem Deutschlandfunk erzählte Geiger wie er nach dem Abitur (österr.: Matura) die Möglichkeit zu einer ersten größeren Reise bekam. Sie führte ihn nach und durch Deutschland. Die erste Station war Tübingen. Dort setzte er sich an das Ufer des Neckar und las Gedichte von Friedrich Hölderlin, bevor es mit der großen Rundfahrt zu literarischen Stationen in der gesamten Bundesrepublik richtig losging.

P.S.: Noch einmal kurz zurück nach Bad Homburg. „Der Förderpreis zum Friedrich Hölderlin-Preis 2011 der Stadt Bad Homburg v.d.Höhe (Stiftung Cläre Jannsen) wird verliehen an Daniela Seel für ihren Gedichtband ‚ich kann diese stelle nicht wiederfinden’, ein Buch, dessen Texte Sensibilität im Wortsinn vorführen, Sinnlichkeit bis in die feinsten Nuancen erkunden.” (Zitat aus der Begründung der Jury).

Daniela Seel ist eine sehr interessante Persönlichkeit. Sie wurde 1974 in Frankfurt/Main geboren und lebt in Idstein und Berlin (s. oben). 2003 gründete sie den Verlag kookbooks, mit dem sie das Erscheinen zahlreicher Werke vielversprechender junger Autoren möglich gemacht hat. Von ihr – und natürlich auch von Arno Geiger – wird sicher noch zu hören und zu lesen sein.

Eine leicht gekürzte Fassung der Dankesrede Arno Geigers ist jetzt auf faz.net zu lesen.