Bücher des Jahres. Meine AusLese 2014

Kruso, Haratischwili, Grossrussin

Auch in diesem Jahr möchte ich wieder einige Bücher vorstellen, die mir in den letzte Monaten begegnet sind, die ich auf Streifzügen durch Buchhandlungen, Feuilletons und Literaturseiten, auf Buchmessen und durch Empfehlungen entdeckt habe und die mir besonders gut gefallen. Die hier aufgeführten Titel habe ich gelesen oder angelesen und über sie gelesen. Natürlich ist dies eine absolut subjektive Auswahl. Ich kann nicht garantieren, dass andere Leserinnen und Leser meine Einschätzung teilen.

Hier sind nun zunächst drei meiner persönlichen Spitzen-Titel zu finden, sozusagen ein erster Appetithappen. Unter der Rubrik „AusLese 2014“ (oben, rechts) gibt es die komplette, kommentierte Liste und noch einiges drumherum. Über Reaktionen und Rückmeldungen würde ich mich sehr freuen.

DSCN1160

Seiler, Leitz: Kruso. – Suhrkamp, 2014. – Euro 22,95

In einer Ausflugsgaststätte auf Hiddensee haben sich im Sommer 1989 rund um den widersprüchlich charismatischen Alexander Krusowitsch allerhand DDR-Aussteiger versammelt. Für die meisten ist die Insel eine Zwischenstation auf ihrem Fluchtweg über die Ostsee. Dicht, poetisch, voll innerer Spannung, ein Buch von großer poetischer Kraft für erfahrene Leser die das sprachlich anspruchsvolle Erzählen lieben. Seiler gewann mit Kruso den Deutschen Buchpreis 2014. Zu recht. Das beste erzählerische Werk, das ich 2014 (bisher!) in der Hand hielt.

Haratischwili, Nino: Das achte Leben (für Brilka). Roman. – Frankfurter Verlagsanstalt, 2014. 1280 Seiten (!), Euro 34

Wahrscheinlich die interessanteste Autorin in meiner bisherigen Auswahl. Ich muss zugeben, es hat eine Weile gedauert bis ich ihren Familiennamen fehlerfrei schreiben und aussprechen konnte. Nino Haratischwili wurde 1983 in Tbilissi (Georgien) geboren. Sie arbeitete zunächst als Theaterautorin und -regisseurin in Georgien, später in Deutschland. Seit etlichen Jahren schreibt sie bereits in deutscher Sprache. 2009 gewann sie gemeinsam mit Philipp Löhle den Autorenpreis des Heidelberger Stückemarktes. Sie lebt als freie Regisseurin und Autorin in Hamburg. – “Das achte Leben” ist bereits ihr dritter Roman. Hier holt sie weit aus und erzählt die Geschichte einer georgischen Familie über sechs Generationen. Opulent ausgebreitet, reicht das Spektrum der Ereignisse von der sanften Liebesgeschichte bis zu den bitteren Katastrophen des 20. Jahrhunderts, die ja an fast keiner Familie des Kontinents vorüber gingen. Eine Fülle an Stimmungen und Charakteren breitet die Autorin vor dem Leser aus, den die über 1200 Seiten zu nächst vielleicht abschrecken; wer sich jedoch mit etwas Geduld auf diese zeitintensive Lektüre einlässt, wird mit einem besonderen Leselerlebnis belohnt. Ganz großes Kino. Extra breites Format. Hat das Zeug zum Klassiker. – Ein Tipp: Zunächst das sogenannte Einleseheft besorgen, dass es nur als E-Book gibt. Es ist gratis, kann auf alle Endgeräte geladen werden und macht es möglich zu prüfen, ob man dieser Lese-Herausforderung gewachsen ist und sein möchte.

Schwarz, Stefan: Die Grossrussin. Roman. – Rowohlt Berlin, 2014. Euro 16,95

Stefan Schwarz hat bisher die kürzere Form gepflegt und ist einem engeren Leserkreis hauptsächlich durch seine Kolumnen in der Zeitschrift “Das Magazin” bekannt, einem bunten Medium, dem es gelang durch Weimarer Republik und DDR-Zeit in unserer Gegenwart anzukommen und das sich einer nicht allzu großen, dafür umso treueren Anhängerschaft erfreut. Schwarz hat eine ausgesprochen gelungene Parodie auf die Klischees des Kriminalromans geschrieben. Temporeich, gefährlich und immer wieder zum Auflachen komisch. Und was mir am besten gefallen hat: Der Intellekt des unscheinbaren, körperlich unterlegenen Altphilologen siegt über die brutale, zu allem bereite Verbrecherbande. Eine Portion Glück und Zufall sind allerdings auch im Spiel. Dazu haarsträubende Liebesverwicklungen des Protagonisten. Krimineller Humor, wie es ihn in dieser Qualität sicher nur ganz selten gibt. Schmackhaftes Lesefutter selbst für nicht ganz so roman-affine Zeitgenossen.

Zur ganzen AusLese geht es hier entlang.

Ein Kommentar zu “Bücher des Jahres. Meine AusLese 2014

  1. Inzwischen ist der neue (Kriminal)-Roman von Jan Seghers mit dem Titel „Die Sterntaler-Verschwörung“ erschienen. Erste Kritiken sind ausgesprochen positiv. Die Marthaler-Bücher werden offensichtlich immer noch besser.

    Gefällt mir

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.