„Aus Worten werden Welten“

Mit der festlichen Eröffnungsveranstaltung im Gewandhaus, in deren Mittelpunkt die Verleihung des „Buchpreises zur Europäischen Verständigung“ an den rumänischen Schriftsteller Mircea Cărtărescu steht, startet die Leipziger Buchmesse 2015 und Europas größtes Lesefestival „Leipzig liest“.

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Aus Worten sollen also Welten werden. Im Kopf der Leser. An dieser Verwandlung sind einige Protagonisten beteiligt. Autorinnen und Autoren, Verlage und Content-Anbieter, stationäre Sortimentsbuchhändler ebenso wie allerhand Online-Vertriebskanäle und nicht zuletzt die Besucher jener Welten, die aus Wörtern und Sprache entstanden sind – die Leser.

Zwei große Treffpunkte gibt es in Deutschland für die Beteiligten an diesen Prozessen, im Oktober in Frankfurt am Main und im März in Leipzig. Während in Frankfurt Geschäfts-Abschlüsse und –Anbahnungen, sowie umfangreicher Rechtehandel im Vordergrund stehen ist „Leipzig eine Plattform wo man seine Leser erreicht“, wie es der Sprecher der Geschäftsleitung der Leipziger Messe, Martin Buhl-Wagner, formulierte.

Neben dem bunten Messegetummel von Promi-Auftritten bis Manga-Comic-Convention, vom viel beachteten Auftritt der unabhängigen Verlage bis zu den Aktivitäten rund um die literarische Region Südosteuropa (in Leipzig schon seit mehreren Jahren ein besonderes Anliegen), neben diversen Foren, Lesebühnen, blauen und roten Sofas, spielen in diesem Jahr einige interessante, aktuelle, ja brisante Schwerpunkte eine größere Rolle.

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Meinungsfreiheit, Freiheit der Presse und die Freiheit sich künstlerisch auszudrücken sind bedrohte Güter. Nicht nur in den zurückliegenden Monaten wurde das ebenso eindrucksvoll wie warnend immer wieder demonstriert. „Es wird eine sehr politische Buchmesse“, ist sich Buchmesse-Direktor Oliver Zille deshalb sicher. Meinungsfreiheit und Toleranz sind schließlich zentrale Merkmale einer Veranstaltung wie das Treffen in Sachsens Hauptstadt. Deutlich zu machen, dass diese Grund- und Menschenrechte nicht verhandelbar sind, war nie dringender als jetzt.

Vor fünfzig Jahren nahmen die Bundesrepublik Deutschland und der damals noch junge Staat Israel diplomatische Beziehungen auf. 1965, zwanzig Jahre nach dem Ende des Hitler-Regimes, kein einfacher Vorgang, keine Selbstverständlichkeit. Das Jubiläum ist willkommener Anlass Israel, seine Literatur, seine Schriftsteller und Schriftstellerinnen in diesem Jahr als Ehrengäste auf der Buchmesse zu begrüßen. Amoz Oz, Meir Shalev, Mirjam Pressler und viele andere namhafte und weniger bekannte Autoren werden vor Ort sein.

„1965 bis 2015“. Deutschland – Israel“. Dazu gibt es ein kostenloses E-Book. Neben Leseproben enthält es Hintergrund-Informationen zu den beteiligten Autoren. Seit Mitte Februar ist es über alle gängigen Online-Buchshops erhältlich. Weitere Infos dazu und zum Schwerpunkt Israel gibt es hier: http://goo.gl/Bx98oQ

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Etwa 80.000 Erstauflagen erscheinen Jahr für Jahr auf dem deutschen Buchmarkt. Um die 25.000 werden allein im Vorfeld der Leipziger Buchmesse veröffentlicht, um pünktlich an den Messetagen vorgestellt werden zu können. In den Hallen wird, wie im Vorjahr, mit mindestens 175.000 Besuchern gerechnet. Knapp 5.000 unabhängige Buchhandlungen in Deutschland sind Vermittlungsinstitutionen, die das Kulturgut Buch an Mann und Frau bringen und dabei fundiert auf deren individuelle Interessen eingehen können. Ein wichtiges Instrument um Vielfalt und Qualität auf dem Buchmarkt zu sichern ist die Buchpreisbindung.

Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, sieht dieses sinnvolle und unverzichtbare Privileg durch das geplante Freihandelsabkommen der EU mit den USA (TTIP = Transatlantic Trade and Investment Partnership) gefährdet und kündigt energischen Widerstand dagegen an. Bekanntermaßen ist es ja nicht nur der Buchhandel der Kampagnen gegen einzelne Bestandteile des auszuhandelnden Vertragswerks gestartet hat. Den billigen Vorwurf des Antiamerikanismus im Zusammenhang mit dieser kritischen Haltung, erklärt Skipis für absurd. Interessanterweise hat Israel vor knapp zwei Jahren eine Preisbindung für Bücher neu eingeführt.

Die Leipziger Buchmesse: In diesem Jahr vom 12. bis zum 15. März.

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Den „Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung“ erhält Mircea Cărtărescu für seine dreiteilige umfangreiche Roman-Chronik, die sogenannte „Orbit-Trilogie“:

Die Wissenden. – Deutsch bei Paul Zsolnay Verlag, 2009

Der Körper. – Paul Zsolnay Verlag, 2011

Die Flügel. – Paul Zsolnay Verlag, 2014

Die beiden ersten Bände liegen bereits als Taschenbücher vor.

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