Noch einmal Sommer mit Ringelnatz

An guten Tagen kann ich die Stimmung im Gedicht von Joachim Ringelnatz (s. unten) nachvollziehen. Auf keinen Fall wäre sie jedoch Grund genug haltlos durch blaue Lüfte zu schweben. Hinter dem Appetit auf Frühstück und Leben lauern immer eine kleine Angst vor Absturz aus zu großer Höhe und der Wunsch nach verlässlicher Bodenhaftung.

Den Dichter sehe ich derweil mit seiner geliebten und besungenen Muschelkalk auf besonnter Terrasse. Wir teilen den Appetit und das Dürsten nach Lüften. Mit seinen Versen und denen anderer Poeten genießen wir was vom Sommer bleibt.

Für die Bild- und Textauswahl des heutigen Tages danke ich wieder Bernd Michael Köhler.

Foto: Bernd Michael Köhler

 

Morgenwonne

Ich bin so knallvergnügt erwacht.
Ich klatsche meine Hüften.
Das Wasser lockt. Die Seife lacht.
Es dürstet mich nach Lüften.

Ein schmuckes Laken macht einen Knicks
Und gratuliert mir zum Baden.
Zwei schwarze Schuhe in blankem Wichs
Betiteln mich „Euer Gnaden“.

Aus meiner tiefsten Seele zieht
Mit Nasenflügelbeben
Ein ungeheurer Appetit
Nach Frühstück und nach Leben.

(Joachim Ringelnatz)

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