Intermezzo. Ein Gedicht von Hugo Ball

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Intermezzo

Ich bin der große Gaukler Vauvert.
In hundert Flammen lauf ich einher.
Ich knie vor den Altären aus Sand,
Violette Sterne trägt mein Gewand.
Aus meinem Mund geht die Zeit hervor,
Die Menschen umfaß ich mit Auge und Ohr.

Ich bin aus dem Abgrund der falsche Prophet,
der hinter den Rädern der Sonne steht.
Aus dem Meere, beschworen von dunkler Trompete,
Flieg ich im Dunste der Lügengebete.
Das Tympanum schlag ich mit großem Schall.
Ich hüte die Leichen im Wasserfall.

Ich bin der Geheimnisse lächelnder Ketzer,
Ein Buchstabenkönig und Alleszerschwätzer.
Hysteria clemens hab ich besungen
In jeder Gestalt ihrer Ausschweifungen.
Ein Spötter, ein Dichter, ein Literat
Streu ich der Worte verfängliche Saat.

O O O

Der Dichter und Publizist Hugo Ball wurde am 22. Februar 1886 in Pirmasens geboren. Nach Abitur und Studium wandte er sich zunächst der Theaterarbeit zu. Er gehörte zu den zentralen Figuren der Dadaismus-Bewegung und den Erfindern des Lautgedichts. Bereits 1915 verließ er Deutschland und lebte in Italien und der Schweiz, seit seiner Heirat mit Emmy Hennings im Jahr 1920 im Tessin. Das Paar gehörte zu den engeren Freunden Hermann Hesses. Hugo Ball schrieb die erste Hesse-Biografie, die er kurz vor seinem frühen Tod im September 1927 vollenden und dem Freund zum 50. Geburtstag widmen konnte.

 

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