UAISPL führt Uzel ein

Die University of Applied Information Sciences and Public Librarianship (UAISPL) im oberbayerischen Raisting bei Polling bei Weilheim bei München, wird die erste Hochschule in Deutschland mit einer eigenen Währung.

Rund ein Vierteljahr vor Beginn des Studienbetriebs, ab 1. Juli 2009 also, gilt der Uzel (Unabhängige Zahlungseinheit und Lightwährung) als alleiniges Zahlungsmittel auf dem gesamten Campus und in allen Einrichtungen der UAISPL. Dies gilt sowohl für Barzahlungen, wie auch für den bargeldlosen Zahlungsverkehr.

Alle dafür erforderlichen Devisentransfergeschäfte (Umtausch) werden von der Anfang diesen Jahres gegründeten Bayerischen Hochschul-Bank (BH-B) – in diesem Fall ihrer Raistinger Filiale – abgewickelt. Die Filiale unterhält auf dem Campus eine Zweigstelle. Die BH-B ist eine reine Staatsbank; ihre Gründung erfolgte als Konsequenz aus der anhaltenden Bankenkrise. Direktorin der BH-B ist die Tochter des ehemaligen bayerischen Minister-Präsidenten F. J. Strauss, Monika Hohlmeier. Devisengeschäfte haben in der Familie Strauss eine lange Tradition.

Ein Uzel besteht aus 100 Uzelchen und für einen Uzel müssen derzeit exakt 10 Euro bezahlt werden. Die Barwährung gibt es als Münzen, die auf der Vorderseite den Nennwert angeben und mit dem umlaufenden Schriftzug „in Bavaria we trust – UAISPL“ versehen sind. Auf der Rückseite ist ein stilisierter Wolpertinger abgebildet. Die Münzen gibt es in der Stückelung 1, 2, 5, 10, 20 und 50 Uzel, sowie in derselben Stückelung als Uzelchen. Eine Ausgabe von Scheinen ist nicht vorgesehen. Bevorzugt wird an allen Zahlstellen und Einrichtungen, die unbare Zahlung. Sie wird mit der aufladbaren Campus-Card zum einfachen, selbstverständlichen Vorgang.

Alle Mitglieder der Hochschule können bei der BH-B ein Uzel-Konto beantragen, bzw. bestehende Girokonten auf die unabhängige Zahlungseinheit umstellen lassen. Hochschulrelevante Leistungen, Dienstleistungen und Waren sind ausschließlich in der UAISPL-Währung zu bezahlen. (Mensa-Essen, Bibliotheksgebühren, Studiengebühren, Wohnheim-Miete, Eintritt in das Campus-Kino, den Campus-Sport-Dome usw.)

Auch die Sponsoren überweisen die Unterstützungsbeträge via BH-B in Uzel.

Hier einige konkrete Beispiele für Dienstleistungen und Waren und ihren jeweiligen Uzel-Preis:

Brausestäbchen: 1 Uzelchen

Brezn: 5 Uzelchen

Bildzeitung: 7 Uzelchen

Die Zeit: 40 Uzelchen

Nogger: 12 Uzelchen

LKW: 15 Uzelchen

Weißbier, 1 Flasche: 10 Uzelchen, Flaschenpfand: 2 Uzelchen

Stammessen: 25 Uzelchen

Studiengebühren: 500 Uzel im Jahr

Wohnheim-Miete: 30 Uzel für das Einzimmer- und 50 Uzel für das Zweizimmer-Appartment, warm

Bibliothek: 1. Mahnung – 20 Uzelchen, Fernleihe – 25 Uzelchen, Ersatzbeschaffung – 3 Uzel Bearbeitungsgebühr.

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Uzel findet breite Zustimmung

In ersten Stellungnahmen begrüßten namhafte Vertreter aus Wissenschaft und Politik diese Innovation.

Der baden-württembergische Ministerpräsident Oettinger zeigte sich begeistert und versprach zu prüfen, inwieweit, das System an den Hochschulen seines Landes übernommen werden kann.

Bundes-Bildungsministerin Schavan sagte wörtlich: „So kommt Deutschland voran.“

Der bayerische Ministerpräsident Seehofer lud Bundeskanzlerin Merkel zum Essen in das Raistinger Weißbräu-Stüberl ein um ihr das Uzel-Modell zu erläutern. Der Presse sagte er: „Der Bund wird am Uzel und an der CSU auf Dauer nicht vorbeikommen.“

Gründungsrektor R. Eferenz Werk forderte zwar dazu auf „die Euphorie noch etwas zu bremsen“ versprach aber gleichzeitg: „Das ist erst der Anfang, von uns ist noch Einiges zu erwarten.“

Aus Zehlenberg-Quittenhain meldete sich Professor Undorfer zu Wort und forderte den Manager des FC Bayer München, den Ulmer Metzgersohn Uli Hoeneß, auf, seine Fussball-Profis ab sofort in Uzel zu bezahlen.

Nur B. E. Mich, eben erst aus Wellington zurückgekehrt, zeigte sich überrascht: „Der Uzel ist mir bisher unbekannt. In meinen Hosentaschen klimpern noch die Neuseeland-Dollars.“

Der Fernsehtip

Talk im Foyer

Thema heute: Sind Bibliotheken ausreichend geöffnet oder sind geöffnete Bibliotheken ausreichend?

Unter der Leitung von Enna Soll diskutierten im Foyer der Bibliothekszentrale des Arnstädter Johann-Sebastian-Bach-Seminars:

Arthur Thomas Wille, Informationswissenschaftler und Publizist aus Weimar (These: „Bibliotheken können gar nicht offen genug sein.“).

Alter W. Undorfer, aus Zehlenberg-Quittenhain bei Berlin, emeritierter Professor der Desinformations-Wissenschaften (These: „Wenn schon nicht offen, dann wenigstens nicht zu.“).

B. E. Mich, bibliographischer Globalist, Rezensent und Reisender, zu Hause hinter allen Reference Desks dieser Welt (These: „Databases and Reference Works for all!“).

R. Eferenz Werk, Fachjournalist und Dozent aus Freising (These: „Offen oder zu, Hauptsache drin.“).

Die ursprünglich ebenfalls eingeladene Lisaweta Quote, derzeit auf dem Weg von Ostsibirien nach Mitteldeutschland, kann wegen einer mehrtägigen Verspätung der transsibirischen Eisenbahn, leider nicht wie geplant an der Sendung teilnehmen. (Aber ihre These ist bekannt: „Flächendeckende Versorgung auch in entlegenen Erdteilen.“)

Anschließend im ARD-Nachprogramm:

„Der Bibliothekarinnen-Report“. Farbfilm, D 1972. (Dieser Film ist für Jugendliche unter 16 Jahren nicht geeignet.)

Neuerscheinung

Werk, R. Eferenz: Per Anhalter durch das bibliographische Universum.
Frankfurt, Leipzig, Washington u. a. : Verlag Nachschlager und Co., 2008
999 Seiten, Euro 51,80

Wir verfolgen den Protagonisten B. E. Mich zunächst auf einer Reise zu den interessantesten Bibliotheken dieser Welt. Seine Zwischenstationen sind u. a. die Sushi-Central-Library in Tokio, das Kiwi-Research-Center in Wellington, NZ, die Antartic-Ice-Collection im Gebiet Victorialand und die legendäre geriatrische Spezial-Bibliothek des Buena Vista Social Club in Havanna, Kuba. Wir lernen die fundamentalen Bestandteile der Auskunftsbestände aller besuchten Einrichtungen kennen, erfahren einiges über deren Aufbau, Gliederung und Berichtszeiträume, sowie die Öffnungszeiten der einzelnen Bibliotheks- und Dokumentationseinrichtungen.

Einer der Höhepunkte des Buches ist dann sicher die Schilderung des Besuchs im seit zwei Jahren in Alexandria bestehenden World-Center for Unreadable Digital Documents (WCUDD). Die Einrichtung wurde initiiert und wird finanziert von UNESCO, DAAD und Weltbank und geleitet von dem jungen, aber bereits sehr renommierten, aus einer kanadischen Holzfäller-Familie stammenden, G. R. Osman. Osman machte Ende des letzten Jahrhunderts Furore mit seiner Publikation: „Clusters, Matrices and Synergies. New Organization Structures for Old Libraries“. (Als ergänzende Lektüre zu empfehlen: Schrott, Raoul: Die Fünfte Welt. Ein Logbuch., 2006)

Schließlich nimmt uns Mich auch mit in den virtuellen Raum. Der Autor stellt die Library Space Patrol (LSP) auf Orion vor und in spannenden Portraits lernen wir den LSP-Commander D. M. Nice-Master und seine Chief-Assistent-Librarian (CAL) Tamara Jagellovsk kennen. Weiter geht es dann mit multipler Lichtgeschwindigkeit von Datenbank zu Datenbank. Die Reise endet im digitalen Zentrum des Milkyway-Host.

Ein Buch für alle die schon immer mehr Wissen wollten und sich bisher noch fragten: Wo soll ich mich hin wenden? Jetzt finden sie nicht nur globale, sondern gewissermaßen eine Zeit und Raum erweiternde, universale Orientierung.