Feste lesen!

4. Dezember 2011

Bei Kerzenschimmer, Zimtgebäck und Malventee. In Wollsocken unter der Leselampe. Mit Büchern durch den Winter.

“Es ist etwas Besonderes um Menschen, die am gedruckten Wort Interesse haben. Sie sind eine eigene Spezies: kundig, freundlich, wißbegierig – einfach menschlich.” Dieser Satz stammt von Nathan Pine, der, als er im Dezember 1982 neunzigjährig in New York verstarb, 77 Jahre als Buchhändler gearbeitet hatte.

Lange Lesen

Zum Beispiel mit Jan Brandt und seinem “Gegen die Welt” (Dumont. Euro 22,99). Der aus Leer stammende Jungautor und Journalist macht seine Heimatregion Ostfriesland zur literarischen Landschaft. Die Geschichte beginnt Mitte der Siebzigerjahre und erzählt wird auf fast 1000 Seiten die Geschichte des Daniel Kuper, der gerne zwischen Stühle und geistige Fronten gerät und in dessen Leben es nicht immer mit rechten Dingen zu geht. “Rebellisch und bewegend, wahnsinnig und witzig”, fand Söhnke Wortmann das Buch.

“Der wahrhaftige Volkskontrolleur” von Andrej Kurkow (Haymon. Euro 22,90) hat leider nur schlappe 500 Seiten. Man hätte gerne mehr gehabt von diesen absurden, skurrilen und doch der Realität so nahen Episoden und Ereignissen, die in Russland angesiedelt sind. Kurkow selbst stammt aus der Ukraine und ist spätestens seit seinem “Picknick auf dem Eis” auch bei uns bestens bekannt. Ob Russland oder Ukraine – nicht auszuschließen, dass der Alltag in beiden Staaten derzeit große Ähnlichkeit mit Kurkows Romanen hat. In seinem neuen Buch geht es um einen eher harmlosen Zeitgenossen, der unerwartet in das groteske Amt eines Volkskontrolleurs gewählt wird. Das bleibt nicht folgenlos.

Wer den diesjährigen Gewinner des deutschen Buchpreises noch nicht gelesen hat, sollte die Feiertage dazu nutzen. “In Zeiten des abnehmenden Lichts” (Rowohlt. 19,95) reisen wir mit Eugen Ruge. Und es sind sehr deutsche Zeiten. Eine breit angelegter Familienroman, der ganz aus östlicher, also DDR-Perspektive erzählt wird. Der Autor war bereits 57 Jahre alt, als sein Erstling dieses Jahr erschien und für den die eigene Familiengeschichte reichlich Stoff lieferte. Einer der Höhepunkt, wie in so manch gutem Generationen-Roman, ist ein Weihnachtskapitel. Rasant und amüsant wie hier linienharte Stalinisten den Spagat versuchen zwischen völligem Ignorieren und gelassenem Hinnehmen dieser christlich-heidnischen Traditionsveranstaltung.

Wer lieber etwas lesen möchte, das mit unseren aktuellen Problemen zu tun hat, ist bei einem anderen Buch richtig, das ebenfalls ein wundervolles, vor allem nahrhaftes Weihnachtskapitel zu bieten hat. Hauptsächlich geht es jedoch um Spekulation, Warentermin-Geschäfte, geschäftlichen Niedergang, die Krise des Kapitalismus, die Unzufriedenheit breiter Bevölkerungsschichten und um Probleme mit der nachwachsenden Generation. Das Buch ist dick, gut und erschien erstmals vor 110 Jahren: “Buddenbrooks” von Thomas Mann. (S. Fischer. Gebunden Euro 14, als TB Euro 9,95)

Besonderes Lesen

Judith Schalansky erfüllt mir viele Wünsche. Sie hat ihr neuestes Werk traumhaft schön gestaltet, selbst gesetzt, Material, Schrift und Farben ausgewählt. In der Hand hält man mit “Der Hals der Giraffe” (Suhrkamp. Euro 21,90) ein ganzheitlich erfahrbares Sinnes- und Lese-Erlebnis, das die vielfach begabte Schriftstellerin schelmisch einen Bildungsroman nennt. Es ist zeitlich vor und nach der deutschen Wende angesiedelt und handelt von einer Lehrerin, die Naturwissenschaften unterrichtet und deren Verstand Gefühlsregungen ablehnt. Eine grausame und gleichzeitig bemitleidenswerte Figur, für die man als Leser seltsamerweise alsbald echte Sympathie entwickelt. Ein faszinierender Beweis, was Literatur anrichten kann.

“Wunsiedel” (Wunderhorn. Euro 18,90) ist ein kleines Städtchen im nördlichen Franken, nahe der Grenze zu Tschechien. Nicht jeder kennt es. Im Sommer finden dort auf Deutschlands ältester Freilicht- und Naturbühne die Luisenburg-Festspiele statt. Wunsiedel ist der Geburtsort des ebenso originellen, wie zu wenig geschätzten Dichters Jean Paul. Beides spielt in dem schmalen Band von Michael Buselmaier eine zentrale Rolle. Der Autor, der wenig und selten veröffentlicht, lässt seinen Protagonisten zweimal in die Provinz reisen. Das reicht um den Leser über dessen Leben zu unterrichten. Lektüre für Menschen, die sich bei Handke, Hermann Lenz oder Kappacher nicht langweilen.

“Die Herrlichkeit des Lebens” (Kiepenheuer & Witsch. Euro 18,99) ist ein wirklich doppelbödiger Titel für das neue Buch von Michael Kumpfmüller und inhaltlich ein starker Kontrast zu seinem vielbeachteten “Hampels Fluchten”. Geht es darin doch um die letzte Liebe, das elende Siechtum und das frühe Sterben des Franz Kafka. Irgendwo zwischen jeder Menge Elend und Aussichtslosigkeit glimmt der Funke eines kleinen Glücks, das fast alles erträglich macht. Eindrucksvoll und einfühlsam erzählt. Franz Kafka, der deutschsprachige Jude aus Prag, einer der größten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, starb am 3. Juni 1924. Er wurde nur 41 Jahre alt.

Preiswert lesen

Eine ebensfalls längst vergangene jüdische Welt und Kultur lernen wir in Peter Manseaus “Bibliothek der unerfüllten Träume” (dtv. Euro 9,90) kennen. Ein junger amerikanischer Autor mit praller osteuropäischer Erzähllust. In den Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts wandert Itsik Malpesch aus dem bessarabischen Kischinau nach New York aus. Sein Leben ist von zwei großen Lieben geprägt. Zur Literatur und zur Metzgerstochter Sascha Bimko. Malpesch denkt und dichtet in einem ausgestorbenen jiddischen Dialekt. Am Ende seines Lebens ist er der einzige der diesen noch beherrscht.

Hanns-Josef Ortheils  “Die Erfindung des Lebens” (btb. Euro 11,99) ist wieder etwas für Leute, die gerne länger am selben Buch lesen. Fast 600 Seiten umfasst dieser stark autobiographische und kaum verschlüsselte Roman des in Köln und im Westerwald verwurzelten, heute in Stuttgart lebenden Schriftstellers, Nachdenkers und Genießers. Wie der Autor, erlebt die Hauptfigur des Romans, eine Mutter, die nach zahlreichen Schicksalschlägen nicht mehr spricht. Und so bleibt auch das Kind zunächst stumm. Der Vater und die Musik öffnen den Jungen schließlich für die Welt der Sprache. Er wird Schriftsteller. Eine Geschichte, fast zu schön, wüßte man nicht, dass sie im Kern wahr ist.

Viele sagen: Das ist der hinreisenste Liebesroman der letzten Jahre. Und die Geschichte ist bereits in unseren Kinos angekommen. Doch man sollte keinesfalls auf das Buch verzichten. “Zwei an einem Tag” (Heyne. Euro 9,99) von David Nicholls. Sie sind zwanzig als sie sich kennenlernen, aber eine gemeinsame Zukunft werden sie nicht haben. Getrennt durch Jahr und Tag, verpassen und begegnen sich immer wieder. Solide Erzählkunst, Humor und ein wenig Tragik, dazu ein Schuss britische Ironie – das macht zumindest die Leser glücklich.

Und zum guten Schluss noch: Das herrliche “Das war ich nicht” (Goldmann. Euro 8,99) des deutsch-isländischen Hamburgers Kristof Magnusson gibt es inzwischen auch als Taschenbuch. Drei Menschen, die vorher nichts voneinander wussten, geraten in abenteuerliche Wechselbeziehungen und eine Bank bricht zusammen. Rasant und amüsant. Mit für deutsche Romane ungewöhnlich flotten Dialogen.

Nun machen wir uns also auf zum Buchhändler unseres Vertrauens, Friedrich Nietzsches Satz immer im Hinterkopf: “Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen.”

Die Fotos dieses Beitrags sind von Wiebke Haag. Sie entstanden in dem walisischen Buchdorf Hay-on-Wye.

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Die letzten ihrer Art

16. April 2010

„Ums Buch ist mir nicht bange. / Das Buch hält sich noch lange.“ (Robert Gernhardt)

„Man macht sich gelegentlich über die jetzige Überproduktion an Büchern in unserem kleinen Lande lustig. Aber wenn ich noch etwas jünger und noch bei Kräften wäre, würde ich heute nichts anderes tun, als Bücher herausgeben und verlegen.“ (Hermann Hesse, 1930) (1)

Selbst der Leser von Kioskheftchen gehört nicht zu einer Mehrheit, sondern immer noch zu der kleinen elitären Minderheit von Lesern. (Peter Bichsel) (2)

Von den vielen Welten, die der Mensch nicht von der Natur geschenkt bekam, sondern aus dem eigenen Geist erschaffen hat, ist die Welt der Bücher die größte. (Hermann Hesse) (1)

Wir Verleger glauben eben fest daran, daß dieses stille Aschenputtel Buch seine Stimme zu Gehör bringen, eine Nische finden kann (und muß!) in unserer stürmischen, immer lauter werdenden Welt der Medien. (Klaus Wagenbach) (2)

Für den Wert, den ein Buch für mich haben kann, kommt seine Berühmtheit und Beliebtheit so gut wie gar nicht in Betracht. (Hermann Hesse) (1)

Eingang zu einem Hinterhof mit ehemaligen Werkstätten, in denen sich, neben anderen kleinen Geschäften, auch die Kinderbuchhandlung „Serifee“ befindet. (Leipzig, Karl-Liebknecht-Straße)

(1) Hesse, Hermann: Magie des Buches. – Suhrkamp, 1970

(2) Wagenbach, Klaus (Hrsg.): Wieso Bücher? – Wagenbach, 1995


„Mein Jenseits“ von Martin Walser

10. Februar 2010

Das Scheitern des Augustin Feinlein

Jetzt versucht Martin Walser ernsthaft „seinem“ Schiller in Sachen Zitierfähigkeit und -häufigkeit Konkurrenz zu machen. „Mein Jenseits“, das neue kleine Werk, ist prall gefüllt mit Sätzen und Passagen, die bestens zum dauerhaft und vielseitig verwendbaren Aphorismus taugen. Hier ist eine Rangliste der besten Sieben:

Platz 7: Jeder muss, um seine Strafe zu ertragen, ein bisschen strenger strafen, als er gestraft worden ist.

Platz 6: Ich bin froh, dass ich etwas nachzuschlagen habe. Hoffentlich brauch ich lange, bis ich es finde.

Platz 5: Das Jenseits muss schön sein. Sonst kannst du es gleich vergessen.

Platz 4: Die Welt entspricht dir nicht, aber du sollst ihr entsprechen.

Platz 3: Ich ging immer an einer Wand entlang, die würde aufhören, dann begänne das Leben, die volle Berührung. Das war ein Irrtum. Diese Wand war das Leben.

Platz 2: Von allen Menschen gleich weit weg, dann bist du am richtigen Ort.

Platz 1: In die Irre gehen. Wissend. Nichts gewöhnlicher als das.

Um es gleich zu sagen: Es ist ein schönes Buch und es ist eine schöne Geschichte. Verheißungsvoll bereits der Auftakt. Eine kleine Abhandlung über das Komischwerden und die damit verbundenen menschlichen „Mödelen“ (Eigenheiten, Skurrilitäten) von älteren Menschen im Oberschwäbischen. „Südlich der Donau sagt man zum Beispiel: Der und der wird auch allmählich komisch. Das merken alle, wissen alle, nur der, der allmählich komisch wird, merkt es nicht.“ Augustin Feinlein, Chefarzt eines Psychiatrischen Landeskrankenhauses, ahnt, dass auch ihn dieses Schicksal ereilen könnte, ja, kann nicht ausschließen, dass es ihn schon eingeholt hat. Er weiß was Älterwerden bedeutet, deshalb hat er an seinem 63. mit dem Zählen der Geburtstage aufgehört. Zudem wird ihm immer mehr klar, dass er im beruflichen Alltag zum Störfaktor geworden, dass die Zeit über ihn hinweg gegangen ist.

Deshalb fliegt er seit einigen Jahren gerne einmal zwischendurch für zwei, drei Tage nach Rom um sich in der Basilika San Agostino, in das Caravaggio-Bild „Madonna dei Pelligrini“ zu versenken. Auch in seiner Heimat hält er sich sehr gerne „immer wieder ohne Anlass im Kirchendämmer“ auf und lässt „die Zeit vergehen“. Das sind kleine Fluchten um das „klinische Quältheater“ zu unterbrechen. Dämmrig, wie die Kirchenräume, sind auch die Zimmer des immer gleichen Hotels, in dem er in Rom wohnt. „Man kann nicht lesen in diesem Hotel … Das ist so befriedigend. Du darfst dich mit dir selber beschäftigen.“ Damit hat Feinlein mehr als genug zu tun. Nebenbei resümiert und reflektiert er einige wesentliche Kapitel süddeutscher Kirchen- und Klöstergeschichte und beschäftigt sich mit der Reliquien-Seeligkeit des oberschwäbischen Katholizismus. Zudem zeigt sich, dass die Liebe seines Lebens, die bisher unerfüllt blieb, dies wohl endgültig bleiben wird.

Lebensgeschichte ist Glaubensgeschichte macht Walser deutlich. Und auch nicht zu glauben, kann eine persönliche Glaubensgeschichte sein. Zwischen glauben und nicht glauben ist nicht viel Platz, lediglich für ein paar Zweifel. Martin Walser setzt  auf die künstlerischen Schöpfungsakte der Musik und der Kunst als lebendigste, oft genug überwältigende menschliche Glaubenszeugnisse. Die Lebensgeschichte eines Menschen handelt immer auch von vergebenen Möglichkeiten, falsch gewählten Alternativen. Diesen trauert Feinlein im fortschreitenden Alter nach, dazu der verlorenen Geliebten, den nicht genutzten Chancen anderer beruflicher Weichenstellungen. Jetzt wünscht er sich „bloß keine Kreuzung mehr. Keine So-oder-so mehr.“ Doch im sechsten Kapitel nimmt die Erzählung für unseren in Liebe und Beruf gescheiterten Protagonisten noch einmal eine kleine, fast dramatische Wende. Dass dieses Buch am Ende jedoch sieben Kapitel haben muss, versteht sich fast von selbst.

Wie man hört, haben wir es mit dem Präludium zum nächsten großen Roman des 82-jährigen Schriftstellers, der im nächsten Jahr erscheinen wird, zu tun. Dort wird uns Prof. Dr. Dr. Feinlein erneut begegnen. Wir Leser freuen uns auf weitere Details aus dem Leben dieses neuen Walser-Helden.

Wie schon vor einiger Zeit bei Lenz, wird auch mit „Mein Jenseits“ eine etwas längere Kurzgeschichte in Apotheker-Manier und dank eines renommierten Autoren-Namen, überteuert an Mann und Frau gebracht. Immerhin ist dieses Buch sorgfältig gedruckt und geschmackvoll ausgestattet. Mit schwarzem Vorsatz und weinrotem Einband. Dazu ein Schutzumschlag, der ein Foto des Autors mit Bodensee im Hintergrund und auf dem Titel eine Abbildung von Anselm Kiefers „Sappho“ zeigt. Martin Walser hat auch nicht die Mühe gescheut, das Werk als Hörbuch einzulesen. Am 9. Februar liest er außerdem im Literaturhaus Frankfurt und am 23. Februar – auf Einladung von Osiander – in Tübingen aus seinem neuen Buch.

Walser, Martin: Mein Jenseits. Novelle. – Berlin University Press, 2010. – Euro 19,90


Zitat (9)

21. Mai 2009

Zwischen entleerten, ausverzehrten, zackenrandrissigen, zackenranddeckeligen, zackenrandsplissigen Konservenbüchsen, zerknülltem, zerknüttertem, zerknautschtem Stullenpapier und kaputten, abgepellten, weggeworfenen, weggestreuten, ausgenutschten, ausgelutschten Eierschalen suchen sie die blaue Blume.

Arno Holz (1863 – 1929)


Zitat (8)

25. März 2009

„Mag sein, dass die Einsamkeit den Menschen zerstört, so wie sie Pascal, Hölderlin und Nietzsche zerstört hat. Aber dieses Scheitern, dieser Bruch sind eines denkenden Menschen noch immer würdiger als die Anbiederung an eine Welt, die ihn erst mit ihren Verführungen ansteckt, um ihn dann in den Graben zu werfen.“

Sandor Marai (Österr.-Ungarischer Schriftsteller, 1900 – 1989)


Auerbachs Keller

10. März 2009

Restaurant und Gaststube Auerbachs Keller existieren seit 1525. Zu finden sind sie in der heutigen Mädler-Passage, einem der prächtigen Kaufmannshöfe in Leipzigs Innenstadt. Das Lokal besteht aus dem „Großen Keller“, der „Historischen Weinstube“, und der „Mephisto-Bar“. Der abendliche Zulauf, vor allem durch Touristen, ist beträchtlich. Seit Jahrhunderten spielen sich dort Tag für Tag immer wieder interessante, mal amüsante, mal dramatische Dinge zwischen den Gästen ab. Vor einiger Zeit konnten wir folgendes Geschehen beobachten und belauschen.

Eine Szene in Auerbachs Keller zu Leipzig
(Die Tische vollbesetzt. Die Stimmung laut. Zeche lustiger Gesellen.)

Ein gewisser JWG:
Will keiner trinken? keiner lachen?
Ich will euch lehren Gesichter machen!
Ihr seid ja heut wie nasses Stroh
Und brennt sonst immer lichterloh.

Ein leicht hinkender Typ namens M.:
Das liegt an dir; du bringst ja nichts herbei,
Nicht eine Dummheit, keine Sauerei.

Peter Miese:
Die Menschen wollen nur noch ihr Vergnügen. Party, Party Party!
Für Politik zum Beispiel, interessiert sich kein Schwein mehr.

Ein gewisser JWG:
Ein garsti Lied! Pfui! ein politisch Lied
Ein leidig Lied! Dankt Gott mit jedem Morgen,
Daß ihr nicht braucht fürs Römsche Reich zu sorgen!
Ich halt es wenigstens für reichlichen Gewinn,
Daß ich nicht Kaiser oder Kanzler bin.
Doch muß auch uns ein Oberhaupt nicht fehlen:
Wir wollen einen Papst erwählen.
Ihr wißt, welch eine Qualität
Den Ausschlag gibt, den Mann erhöht.

Der Typ namens M. zu Peter Miese:
Ich muß dich nun vor allen Dingen
In lustige Gesellschaft bringen,
Damit du siehst, wie leicht sichs leben läßt,
Dem Volke hier wird jeder Tag ein Fest.

Peter Miese:
Und nach mir die Sintflut!

Der Typ namens M.;
Solang der Wirt nur weiter borgt,
Sind sie vergnügt und unbesorgt.

Peter Miese:
Keine Spur von Kreditkrise!

Ein gewisser JWG:
Was hinkt der Kerl auf Einem Fuß?

Ein Typ namens M.:
Die Kraft ist schwach, allein die Lust ist groß.

Ein Zecher vom Nebentisch:
Es lebe die Freiheit! es lebe der Wein!

Der Typ namens M.:
Ich tränke gern ein Glas, die Freiheit hoch zu ehren,
Wenn eure Weine nur ein bißchen besser wären.

(Kurz darauf passieren merkwürdige Dinge. Kleine Öffnungen in den hölzernen Tischkanten spenden roten Wein. Rasch halten die Zecher ihre Becher darunter und trinken sie gleich zügig aus. Später verwandelt sich der Rebensaft, der auf den Holzdielen des Kneipenbodens landet, in kleine züngelnde Flammen, die rasch wieder verlöschen.)

Ein gewisser JWG:
O schöner Brunnen, der uns fließt!

Der Typ namens M.:
Nur hütet euch, daß ihr mir nichts vergießt!

Zecher am Nebentisch (singend):
Uns ist ganz kannibalisch wohl,
Als wie fünfhundert Säuen!

Peter Miese:
Helft! Feuer! helft! Die Hölle brennt!

Ein gewisser JWG:
Ich brenne! Ich brenne!

Ein Typ namens M.:
Sei ruhig, freundlich Element!
(An alle gewandt):
Für diesmal war es nur ein Tropfen Fegefeuer.
Doch merkt euch, wie der Teufel spaße.

(Das Feuer erlischt. Der Wein versiegt.)

Peter Miese:
Das glaubt mir Grete nie!


F I N I S

27. Februar 2009

Hier und heute endet jener Teil dieses Blogs, der über Wille, Werk und Mich berichtete.

Eine UAISPL war so nie vorgesehen, was nicht ausschließt dass sie eines Tages entsteht oder in anderer Form bereits existiert.

Eine Finanzkrise gibt es nur, wenn sie sprachlich in die Welt gesetzt wird.

Wille, Werk und Mich sind reale Figuren in fiktiven Texten oder fiktive Figuren in einer gestalteten Realität.

Lisaweta Quote bleibt verschollen oder taucht eines Tages wieder auf.

Nichts ist ohne sein Gegenteil wahr, hat Martin Walser sinngemäß formuliert.

Und Juli Zeh sagt:

„Ich finde den Unterschied zwischen Fiktion und Wirklichkeit marginal…Ich habe große Schwierigkeiten, diesen Unterschied dingfest zu machen.“

Dieser Blog heißt LIT*OS; er enthält Texte über Literatur, Orte und Spuren und – natürlich Literatur.


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