Die letzten ihrer Art

„Ums Buch ist mir nicht bange. / Das Buch hält sich noch lange.“ (Robert Gernhardt)

„Man macht sich gelegentlich über die jetzige Überproduktion an Büchern in unserem kleinen Lande lustig. Aber wenn ich noch etwas jünger und noch bei Kräften wäre, würde ich heute nichts anderes tun, als Bücher herausgeben und verlegen.“ (Hermann Hesse, 1930) (1)

Selbst der Leser von Kioskheftchen gehört nicht zu einer Mehrheit, sondern immer noch zu der kleinen elitären Minderheit von Lesern. (Peter Bichsel) (2)

Von den vielen Welten, die der Mensch nicht von der Natur geschenkt bekam, sondern aus dem eigenen Geist erschaffen hat, ist die Welt der Bücher die größte. (Hermann Hesse) (1)

Wir Verleger glauben eben fest daran, daß dieses stille Aschenputtel Buch seine Stimme zu Gehör bringen, eine Nische finden kann (und muß!) in unserer stürmischen, immer lauter werdenden Welt der Medien. (Klaus Wagenbach) (2)

Für den Wert, den ein Buch für mich haben kann, kommt seine Berühmtheit und Beliebtheit so gut wie gar nicht in Betracht. (Hermann Hesse) (1)

Eingang zu einem Hinterhof mit ehemaligen Werkstätten, in denen sich, neben anderen kleinen Geschäften, auch die Kinderbuchhandlung „Serifee“ befindet. (Leipzig, Karl-Liebknecht-Straße)

(1) Hesse, Hermann: Magie des Buches. – Suhrkamp, 1970

(2) Wagenbach, Klaus (Hrsg.): Wieso Bücher? – Wagenbach, 1995

Stuttgarter Antiquariatsmesse

„Der Umgang mit Büchern bringt die Leute um den Verstand.“ Erasmus von Rotterdam (1465 – 1536)

Wenn eines nicht mehr allzu fernen Tages, alle Texte und Inhalte, alle Erzählungen, Gedichte und Abhandlungen in die Netze der Smart-Phoniker und Kindle-Händler gegangen sein werden, wenn große Teile allen Wissens und Seins im Riesenreich der allgewaltigen Google oder zweitverwertender Schein-Realitäten verschwunden sind, dann wird dennoch ein kleines Häuflein unerschrockener, unbekehrbarer Haptiker übrig bleiben, das unbeirrt weiterhin mit beiden Händen nach gebundenem Papier und gedruckten Texten greift; schrullige Nostalgiker für die die digital fixierte Masse nur wenig Verständnis aufbringen und deren geistige Gesundheit und Gegenwartstauglichkeit von der applikativ operierenden Mehrheit permanent in Frage gestellt werden wird. Menschen, die das analoge Potential haben, dieser buchaffinen Resterampe anzugehören, trifft man kommendes Wochenende in Stuttgart.

Vom 29. bis 31. Januar 2010 bietet der museale Rahmen des Württembergischen Kunstvereins am Stuttgarter Schloßplatz das stilvolle Ambiente für einen der Höhepunkte im Kalender der Buch-Liebhaber. Auf der 49. Stuttgarter Antiquariatsmesse präsentieren Antiquare aus Deutschland, Australien, Frankreich, Italien, Großbritannien, den USA, Österreich, Frankreich, der Schweiz und den Niederlanden wertvolle Manuskripte, Bücher, Autographen und Graphiken aus 5 Jahrhunderten Buchdruck und Buchkunst. Sie verwandeln den Württembergischen Kunstverein für ein Wochenende in einen Marktplatz der Bibliophilie.

Einen Überblick über das Angebot gibt der Messekatalog online.

Doch es wird rund um die Messe noch mehr geboten: Die Geschichte eines jüdischen Jugendbuchverlages in Stuttgart 1939 bis 1945, Antiquare und Antiquariate im Porträt, ein Lesevergnügen für die jüngsten Sammler: Die Ausstellungen, Lesungen und Publikationen rund um die Stuttgarter Antiquariatsmesse sorgen für weitere interessante Eindrücke und Erlebnisse und machen die drei Tage zu einem ganz besonderen Ereignis für Händler, Bibliophile und Sammler – und solche, die es noch werden wollen.

Hier kann also noch einmal zugegriffen und Vorrat für Zeiten des Mangels beschafft werden. Bald werden aus bunten Bestsellern gefragte Rara und aus Rara gänzlich Vergriffenes. Längst ist der Apple gepflückt, die Vertreibung aus dem Paradies vielfältiger, lehrreicher, unterhaltsamer Büchersammlungen und Bibliotheken, die ihren Entdeckern viele Menschleben lang immer wieder Neues, Überraschendes und Erstaunliches boten, in vollem Gange. Wer dann kein Buch zu Hause hat, findet keines mehr.