Georgische Momente

Über Begegnungen mit Nino Haratischwili und Zurab Karumidze.

Georgischer Wein ist hierzulande schwer zu bekommen. Haben wir nicht im Angebot, teilt der lokale Handel auf Nachfrage mit. Natürlich wird man schließlich im Internet fündig. Ein Saperavi, Kindzmarauli und ein Tsinandali werden angeboten. Der Weißwein „Goruli Mtsvane“ vom georgischen Spitzenweingut Château Mukhrani wird aus der autochthonen georgischen Rebsorte Goruli erzeugt, die Trauben werden ausschließlich per Hand gelesen. Das erfahre ich auf der Seite des Bremer Weinkolleg. Hanseaten hatten schon immer ein Händchen für Weinimporte.

Wein fließt reichlich in die Kehlen der Protagonisten von Nino Haratischwilis großem georgischen Generationenroman Das achte Leben (für Brilka). Fast genauso häufig erfahren wir darin vom Genuss feiner Trinkschokolade deren Zubereitung und Verzehr zelebriert wird. Rezepturen der Vorfahren werden in den Familien vererbt und gehütet wie Goldschmuck.

Die Schokolade war zäh und dickflüssig, schwarz wie die Nacht vor einem schweren Gewitter, und wurde in kleinen Portionen, heiß, aber nicht zu heiß, in kleinen Tassen und – im Idealfall – mit Silberlöffeln verzehrt. Für dieses Jahrhundert-Buch und ihre Theaterstücke wurde die Schriftstellerin in Augsburg mit dem Bertolt-Brecht-Preis ausgezeichnet.

Der Frühsommer hatte sich in den April verirrt. Ein warmer weicher Nachmittag und Abend am Tag der Preisverleihung im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses. Hier die vergangene Pracht der einst reichen Fuggerstadt, draußen junges Leben und Treiben, Sonne und aufkeimende Frühlingssäfte riefen auf die Plätze und in die Gassen. Cafès und Biertische waren dicht besetzt, luftige Kleider, kurze Hosen, bare Füße allerorten. Gesprächsfetzen, Lachen und Rufen in der Luft. Brecht-Erbe Wecker im Sinn. Wenn der Sommer nicht mehr weit ist und die Luft nach Erde schmeckt, ist´s egal, ob man gescheit ist, wichtig ist, daß man bereit ist und sein Fleisch nicht mehr versteckt … Wenn der Sommer nicht mehr weit ist und der Himmel ein Opal, weiß ich, dass das meine Zeit ist …

Nino Haratischwili ist jetzt Mitte dreißig. Natürlich die jüngste Preisträgerin. Drei Romane und zahlreiche Theaterstücke sind von ihr bereits erschienen und aufgeführt worden. Aus Neigung zu dieser Sprache hat sie in der Schule früh Deutsch gelernt und bereits sehr jung begonnen in deutscher Sprache zu schreiben. Brechts Kaukasischer Kreidekreis war eines der ersten Theaterstücke die sie in Tiflis sah, sie beeindruckt und geprägt hat. 1998 gründete sie eine deutsch-georgische Theatergruppe, schrieb, inszenierte und spielte vier erste Stücke auf Deutsch. In Tiflis studierte sie Filmregie, in Hamburg Theaterregie, hier lebt sie inzwischen mit ihrer Familie. Schon 2008 erhielt ihr Drama Liv Stein einen Autorenpreis auf dem Heidelberger Stückemarkt.

Foto: Birgit Böllinger

In seiner Begrüßung der Preisträgerin wies Kultur-Bürgermeister Kiefer auf Brechts durch eine alte Legende angeregte Kalendergeschichte vom Augsburger Kreidekreis hin, eine Vorarbeit zum späteren Theaterstück Der Kaukasische Kreidekreis. In der Begründung für die Preisverleihung heißt es: Nino Haratischwilis Romane und Theaterstücke lassen sich mit den großen Exildramen Bertolt Brechts in Verbindung bringen. Und FAZ-Ressortchef Andreas Platthaus fand für seine Laudatio die Formel: Wenn Bertolt Brecht das epische Theater erfunden hat, dann Nino Haratischwili die theatralische Epik.

Im Herbst ist Georgien Gastland der Frankfurter Buchmesse 2018. Es besteht kein Zweifel, dass bei dieser Gelegenheit georgischer Wein an einschlägigen Messeständen zum Ausschank kommen wird. Viel wichtiger jedoch ist mir, dass zu diesem Zeitpunkt der neue Roman einer großen europäischen, aus Georgien stammenden Schriftstellerin erscheint. Wenn ich in Augsburg richtig hingehört habe, wird er den Titel Die Katze und der General tragen.

Der sommerliche Frühling in Ulm steht jenem in Augsburg in nichts nach. Hier wie dort atmet die Stadt auf und findet sich allerorten leichtlebiges Treiben und Sehnen. Zudem ist Literaturwoche an der Donau. Im Künstlerhaus bestand Gelegenheit zur Begegnung mit dem georgischen Autor Zurab Karumidze und seinem Übersetzer und Verleger Stefan Weidle. Die beiden hatten den Roman Dagny oder ein Fest der Liebe mitgebracht.

Kurz kam die Frage auf, ob Weidle wohl der georgischen Sprache mächtig sei. Dem ist nicht so. Karumidze hat das Buch in englischer Sprache verfasst. Neben der Muttersprache und Russisch seine dritte Sprache, wie er es formulierte. Karumidze lebt in Tiflis, doch sein Roman ist kein ausgesprochen georgisches Buch, Thema und Personal sind europäisch, die Abläufe universell.

Zarub Karumidze und Stefan Weidle (rechts)

Die Norwegerin Dagny Juel war ein Modell Edvard Munchs, etwa für seine bekannte Madonna. Strindberg verliebte sich in sie und reagierte bösartig als er auf Ablehnung stieß. Sie heiratete den polnischen Schriftsteller Stanislaw Przybyszewski und war mit ihm in Berliner Künstlerkreisen unterwegs. Przybyszewski verkaufte die Muse an seinen Bewunderer Wladyslaw Emeryk. So kam sie nach Tiflis.

Dagny Juel hat selbst Gedichte und kurze Dramen (in norwegischer Sprache) geschrieben, die Karumidze in seinem Buch immer wieder in englischer Version zitiert. Verleger Weidle möchte diese Werke demnächst als eigenen Band herausgeben. Am 4. Juni 1901 wurde Dagny von einem nicht erhörten Liebhaber in Tiflis erschossen und dort an ihrem 34. Geburtstag beerdigt. Als Aristokratin von Geburt und Charakter war Dagny Juel wie ein frischer Wind für die Männer, die atemlos nach ihrer Position in Kunst und Leben suchten.

Die in Ulm gelesenen Ausschnitte stellten ein herausforderndes Buch vor, eine tiefgründige Geschichte, frivol, erotisch, ebenso offen in der Sprache wie verschlüsselt in seinen Anspielungen. Die Hauptfigur ein Spielball männlicher Launen, Lüste, voll pornophonischem Lebensekel. Ein postmoderner Roman sei das, wurde als Kategorie bemüht. Der Begriff metamodern wurde erprobt. Doch wozu Klischees? Jedes literarische Werk steht letztlich für sich.

Weidle verwies auf die breite und tiefe literarische Vorbildung des Verfassers und dessen zahlreiche Reminiszenzen an die Weltliteratur, die sich nur mit entsprechender Leseerfahrung erschließen. In diesem Zusammenhang forderte er dazu auf nicht nur aktuelle Bücher zu lesen, sondern immer wieder zu den Klassikern, den alten und den modernen zu greifen. Ein berechtigtes Ansinnen. Sein persönlicher Hausgott, ließ er noch wissen, ist Heimito von Doderer.

Zwischendurch sangen Autor und Verleger Norwegian Wood im Männerduett. Warum wurde nicht so recht klar, kam aber gut an. Der volle Bass Karumidzes ist so beeindruckend, dass der Wunsch geäußert wurde, er möge mit seiner Stimme noch etwas auf Georgisch vortragen. Er wählte eine Passage aus dem über 850 Jahre alten georgischen Nationalepos Vepkhis t’q’aosani (zu deutsch: Der Recke im Tigerfell) des Dichters Rustaveli. Ein wohltönender Vortrag.

Georgien ist die ursprüngliche Heimat des Weines und des kultivierten Weinbaus, behaupten Fachleute. Archäologen haben im Land Weinrebsamen entdeckt, die 5.000 Jahre alt sind. Sie können in Tbilissi im Museum des Weininstitutes bewundert werden.

Nino Haratischwilis Achtes Leben (für Brilka) habe ich kurz nach Erscheinen gelesen. Verschlungen, genossen und bewundert. Ob ich über kurz oder länger zu Dagny oder ein Fest der Liebe greifen werde, ist nicht absehbar. Allerdings kann kaum etwas anderes einen selbst so überraschen wie Wendungen und Launen der Leselust. Und irgendwann wird vielleicht ein Glas das beim Lesen vor mir steht mit georgischem Wein gefüllt sein.

Dafür haben wir Lesen gelernt! (*)

“Das achte Leben” von Nino Haratischwili

Bei 1.280 Seiten zwischen zwei dunkelblauen Buchdeckeln überlegt man gut wann Zeit und Muse für konzentriertes, ausdauerndes Lesen zu finden sind. Da war das Einleseheft mit 100 Seiten Vorschau und Zusatz-Informationen eine gute Idee des Verlags. Dieser Appetitmacher hatte mir genügt “Das achte Leben” in die persönliche AusLese 2014 aufzunehmen.

Nach Leipziger Buchmesse, österlicher Wienreise und mitten im heftigen Frühlingsausbruch in Wald, Flur und Vorgarten, war offensichtlich der richtige Moment für die vollständige Lektüre gekommen. (Vielleicht bestimmen gute Bücher ja selbst, wann sie gelesen werden wollen.) Einmal angefangen, fiel das Dranbleiben nicht schwer. Dieses Buch, seine kraftvollen Episoden und die Passagen zum historischen Hintergrund des Geschehens, vor allem aber die von der Autorin belebten Protagonisten, lassen so schnell nicht wieder los. Das eindruckvollste Lese-Erlebnis seit langem. Deshalb schreibe ich jetzt im Blog darüber, wenngleich eigentlich Anderes an der Reihe gewesen wäre. Über dieses Buch wird jeder schreiben müssen, der über sein Lesen schreibt.

Es ist die Geschichte der georgischen Familie Jaschi und der Menschen in ihrem Umfeld. Die 34-jährige Niza erzählt aus der Sicht des Jahres 2007 ihrer Nichte Brilka von den gemeinsamen Verwandten und Vorfahren. Nizas Schwester Daria, der Mutter Elene, den Großeltern Kostja und Nana, Kostjas Mutter Stasia und wiederum deren Eltern, die als angesehene Konditoren und Chocolatier im Georgien um 1900 ein großbürgerliches Leben führten. Von Ihnen stammt das in der Familie gehütete Geheimrezept für eine dunkle Trinkschokoladen-Zubereitung mit rauschartiger Wirkung. Ein ebenso süßer, wie verführerischer und riskanter Genuss mit Sucht- und erstaunlichem Konfliktpotential.

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Foto: Kritzolina

Als Leser begleiten wir die Großfamilie durch die Generationen, erfahren von Plänen und Zerwürfnissen, von Glücksmomenten und Fehlentscheidungen, vor allem jedoch, dass es hauptsächlich die Abgründe dieses schwierigen Jahrhunderts sind, die alle Lebensentwürfe beeinflussen. Von der Idylle wandelt sich das Geschehen immer wieder zu alptraumartigen Passagen, dabei werden die Grenzen und Möglichkeiten verschiedener Arten von Liebe und Partnerschaft, von Hass und Zuneigung, von Anziehung und Abstoßung erkundet.

Zu den wichtigsten Schauplätzen gehören die georgische Hauptstadt Tbilissi (Tiflis), aus der auch die Schriftstellerin stammt, Moskau, Leningrad, London, die Schwarzmeerküste. Und die Stadt Wien. Als Sehnsuchtsort und Fluchtpunkt spielt sie eine besondere Rolle. Eine Flucht nach Wien steht am Anfang des Romans, für eine andere Hauptfigur wird die Stadt lebenslanger, unerreichbarer Traum bleiben. “Ich hatte immer eine Schwäche für Wien. Ich blühe hier auf. Ich mag die Genusskultur. Ich würde gerne einige Zeit lang hier leben. Allein schon wegen der herrlichen Süßigkeiten”, sagte Nino Haratischwili in einem Interview mit dem “Kurier”.

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Wien spielt eine wichtige Rolle in Nino Haratischwilis Roman „Das achte Leben“

Mit ihren 32 Jahren ist sie bereits eine sehr erfahrene Autorin und eine bemerkenswerte Persönlichkeit mit interessantem Werdegang. 1983 in Tiflis (Tbilissi) geboren, kam sie 1991 erstmals mit den Eltern nach Deutschland, kehrte zwischenzeitlich noch einmal nach Georgien zurück und lebt seit 2003 in Hamburg. Sie hat Regie studiert und bereits mehrere Theaterstücke geschrieben. “Juja” heißt ihr erster, 2010 erschienener Roman, mit dem sie auf der Longlist zum deutschen Buchpreis stand. “Mein sanfter Zwilling” folgte 2011. Haratischwili hält sich immer wieder einige Wochen in Georgien auf und sieht sich als Grenzgängerin zwischen den Kulturen. Der Wechsel der Schreibsprache ist ihr mühelos gelungen. Bereits in der Schule lernte sie Deutsch und erzählt heute bei Lesungen, dass in Georgien tradtionell ein großes Interesse an deutscher Literatur besteht.

Was macht den Reiz des Buches aus? Sind es die eigenwilligen Frauengestalten, die hilf- und orientierungslosen Männer, das für uns fremde, sehr exotisch wirkende Land Georgien? Oder die enormen epischen Fähigkeiten der Verfasserin? Sie hat gründlich recherchiert und versteht es sehr gut zeitgeschichtliche Ereignisse in die Handlung zu integrieren ohne dass es zu ermüdenden Erzählbrüchen kommt. Sachkundig schreibt sie über Spezialgebiete, wie die Schokoladenherstellung oder die westliche Pop-Musik in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In bester Roman-Tradition verwendet sie Leitmotive und beherrscht als versierte Theaterautorin gekonnt das dialogische Schreiben. Als Haratischwili 2010 den Adalbert-von-Chamisso-Preis für ihre Theaterarbeiten erhielt lobte die Jury ihr außergewöhnliches “Gefühl für Spannung und Rhythmus” und ihre gekonnte Art “Politisches und Familiär-Privates” zu verbinden. Auf ihr großes Prosawerk trifft genau dies ebenso zu.

“Ja, wenn der Osten einen einmal umarmt und festgehalten, wenn man sich einmal am Osten verschluckt hatte, dann blieb er.” In “Das achte Leben” erzählt Nino Haratischwili unser 20. Jahrhundert ganz neu. Seine Härte, Brutalität und Gnadenlosigkeit, mit allen Verwerfungen und Abartigkeiten. Souverän aus einem für uns ungewohnten östlichen Blickwinkel. Nicht aus russischer oder sowjetischer Perspektive, obwohl die Geschichte der ehemaligen Sowjetunion natürlich eine große Rolle spielt im Leben der Jaschis und Co., sondern aus georgischer. Georgien, das vielfach gebeutelte Land, das so ganz anders ist als der große Nachbar Russland. Ein südlich geprägtes Land zwischen Schwarzmeerküste und Bergregionen, bewohnt von Menschen mit sehr eigener Identität, eigener Sprache und Schrift, gewachsenen Tradtionen, ausgeprägter Kultur.

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Das heutige georgische Staatsgebiet

Über weite Strecken ist das alles andere als eine heitere Lektüre. Wie wenig sich von den Träumen, Hoffnungen und Plänen der Hauptfiguren, vor allem der Frauen, verwirklicht unter dem Einfluss von Kriegen, Revolutionen und Diktaturen, droht jeden mitfühlenden Leser in Verzweiflung zu stürzen. Dennoch dürfen wir jubeln. Endlich wieder einmal weitausholende, umfangreiche Epik in bester Erzähltradition. 1.280 Seiten, die von der ersten bis zur letzten fesseln. Kein luftig-leichter Schmöker, kein effekthaschender Krimi, kein oberflächlicher Historien-Reiser, keine wortschatzarme Pubertätserotik. Große Literatur, die ein breites Publikum verdient hat. Es ist zu hoffen, dass es viele Mitleser gibt, die den langen Atem für dieses Lese-Abenteuer haben.

Gegen Ende kommt das Buch im 21. Jahrhundert an und damit bei der Jüngsten in der Generationen-Reihe. Brilka, die Nichte von Niza, die Ururenkelin von Stasia. Sie ist jung, noch fehlen ihre Seiten im Buch, ihr Leben wird erst geschrieben. Niza hat uns als Erzählerin durch sieben Leben und ein ganzes Jahrhundert geführt, teils wissend, teils spekulierend, ihre Zweifel an der Wahrheitsfindung mit den Lesern teilend. Wie scheinbar unausweichliche geschichtliche Prozesse und vorgegebene familiäre Konstellationen mit den individuellen Optionen und Schicksalen umgehen, davon erzählt dieses Buch von Nino Haratischwili. Der rasante Erzählfluss, die Dichte der Ereignisse, reißt uns mit, fasziniert, macht traurig und unterhält dabei bestens. Die europäische Literatur ist ab sofort um ein großes Werk reicher. “Das achte Leben” – hätten wir nur dafür Lesen gelernt, es hätte sich schon gelohnt. (*)

Haratischwili, Nino: Das achte Leben (Für Brilka). – Frankfurter Verlagsanstalt, 2014. Euro 34.

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(*) Um Missverständnissen vorzubeugen: Für Thomas Manns Buddenbrooks, seines Bruders Heinrich Untertan, Hermann Hesses Glasperlenspiel, Tolstois Krieg und Frieden, die Werke Dostojewskis, Werfels derzeit wieder aktuellen Roman Die vierzig Tage des Musa Dagh, für Bang, Lagerlöf und Strindberg, für Steinbeck und Sinclair Lewis, für Dickens, Proust und Arno Schmidt, für die Formulare der Steuererklärung, die Gebrauchsanweisung des Kaffee-Vollautomaten, die Liste der Zusatzstoffe im Packungs-Käse, für meist wenig hilfreiche Hilfeseiten der PC-Software, die Speisekarte im Stammlokal, für Brief und Mail der Liebsten oder des Liebsten, für das erste Buchstabengekritzel des eigenen Kindes, für die Parole an der Wand, das Motto des Tages, die Gedichte von Mörike, Rilke oder Jan Wagner, die Essays von Jonathan Franzen, Ingo Schulze und Marcel Beyer, die Inschriften auf Grabmalen – ja, auch dafür, und noch viel mehr, haben wir Lesen gelernt.