Von gestrandeten Walen und Sternen des Südens

Katrin Aehnlich und Monika Zeiner erzählen starke Sehnsuchtsgeschichten

Der Buchmonat Oktober geht so langsam dahin. Die literarischen Großereignisse sind durch, die Preise vergeben. Der diesjährige Messerummel ist Geschichte, in den Frankfurter Hallen längst durchgekehrt. Verkaufsträchtige Neuerscheinungen stapeln sich in den Buchhandlungen, Munro neben Mora, Ochsenknecht neben Becker.

Mein erstes Fazit in diesem Herbst: Der Roman lebt! und das zu meinem allergrößten Vergnügen und Bedauern. Bedauern deshalb, weil man natürlich einmal mehr nie und nimmer, selbst im längsten Leserleben nicht, all das lesen kann auf das man neugierig geworden ist. Zwei neuere Exemplare meiner bevorzugten Literaturgattung habe ich in den letzten Tagen gelesen und möchte sie hier kurz vorstellen. Es sind Bücher, die überraschender Weise sehr interessante Parallelen aufweisen.

WaleIn den Romanen von Monika Zeiner und Kathrin Aehnlich reisen die Hauptfiguren ihren Lieben von früher nach. Dieses Unterwegssein bildet jeweils den Rahmen für die Geschichten darum herum und für die Geschichte davor. Bei Zeiner bekommt ein Mann und Musiker während einer Italientournee die Gelegenheit zum Wiedersehen mit der Frau von früher. Zehn Jahr sind vergangen. Bei Kathrin Aehnlich sind es sogar fünfundzwanzig. Hier reist eine Frau zum Ehemaligen. Ihr Weg ist weiter und zwischen damals und heute ist aus zwei deutschen Staaten ein Land geworden. In beiden Büchern klingt viel Musik mit. Aehnlichs ostdeutsche Roswitha und ihre Freunde leben in DDR-Tristesse mit Sehnsucht nach dem Blues und Jazz Nordamerikas. Bei Monika Zeiner machen Tom und Marc im Berlin der Nullerjahre Barmusik, Jazz und Experimentelles. In beiden Büchern kommt man irgendwann musikalisch auch bei Bach vorbei.

“Ich weiß”, sagte Mick, “aber alles braucht seine Zeit.” Mit diesem Resümee, in Form einer Binsenweisheit, endet der Roman “Wenn die Wale an Land gehen” von Kathrin Aehnlich. Es ist der dritte der Leipziger Schriftstellerin nach “Wenn ich groß bin, flieg ich zu den Sternen” und “Alle sterben, auch die Loeffelstöre”. Erneut erweist sie sich dabei als Spezialistin für die belletristsiche Aufarbeitung deutsch-deutscher Kultur- und Alltagsgeschichte. Es sind fesselnd zu lesende Systemvergleiche. Im neuen Buch kommt mit New York ein weitere Versuchsanordnung menschlicher Siedlungs- und Lebensformen hinzu. Das ist im Großen sehr präzise und im Privaten ausgesprochen berührend erzählt. Kathrin Aehnlich beweist, dass sie bereits eine routinierte Verfasserin ist und kommt mit 250 Seiten aus.

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Erbe aus DDR-Zeiten in Leipzig

Im Mittelpunkt steht Roswitha die von ihren Freunden Rose (englisch ausgesprochen) genannt wird. Der Leser erlebt Rose auf dem Weg zu ihrem alten Kumpel und ehemaligen Geliebten Mick, der seinerzeit aus der DDR geflohen und irgendwann in Big Apple gestrandet war. (Hier kommt die Wal-Metapher ins Spiel). In Rückblenden wird vom Heranwachsen in der ehemaligen DDR erzählt. Eindrücklich schildert Aehnlich das Leben der Menschen in grauer Enge und Begrenztheit; sie erzählt von Mangel und Unterdrückung, Ungerechtigkeit und unfreiwilligem Verzicht, von der dauernden Bevormundung durch Partei und Funktionäre. Aber auch von den Hoffnungen der jungen Generation, im eigenen Land noch etwas zum Besseren bewegen zu können.

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“An einem Spätabend, dem Wetter nach zu urteilen irgendwo zwischen November und Februar, bekam Holler unerwarteten Buch von seiner Ehefrau, die, wie sie sagt, ein paar Kleinigkeiten abholen wollte.” So beginnt der Roman “Die Ordnung der Sterne über Como” von Monika Zeiner. Es ist die Geschichte von Tom, Marc und Betty, die befreundet sind, die sich ineinander verlieben, die miteinander Musik machen, und die tragisch endet. 10 Jahre später macht sich Tom noch einmal auf den Weg zu Betty, die inzwischen in Neapel verheiratet und als Ärztin tätig ist.

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Como und Lago di Como. – Foto: Nicolago

Monika Zeiner hat als Debütantin gleich die ganz große Form gewählt. Der Musik verwandte Stilelemente und längere, raffiniert konstruierte Sätze verraten eine gewisse Thomas-Mann-Affinität. Die Schneesturmszene im Schweizer Hochgebirge verstärkt diesen Eindruck. Pralle 600 Seiten sind es geworden. Und so wird die Geschichte, samt Vorgeschichten, bis in die kleinsten Verästelungen und das Personal bis zur xten Nebenfigur gründlich ausgeleuchtet und abgehandelt. Dass sich Leser oder Leserin dabei nie langweilen ist die Kunst der Autorin und einer der Vorzüge dieses bemerkenswerten Buches. Wenn man so will, haben wir es wie bei Aehnlich mit einer Art Systemvergleich zu tun. Auf der einen Seite die wohlgeordnete Bundesrepublik, vertreten durch das kreative, aber kalte, nach Osten schauende Berlin, und als Gegenpol das chaotische, überhitzte, vor Musik vibrierende Neapel, wo auf dem Vulkan getanzt wird.

ComoIch vermute einmal die Autorin hat in ihrer “Ordnung der Sterne über Como” alles verarbeitet was sich in vielen Jahren an Stoff und Ideen angesammelt hatte. Anders lässt sich diese Überfülle, die erstaunlich perfekt beherrscht und organisiert wird, kaum erklären. Da frage ich mich natürlich, ob Monika Zeiner noch nachlegen kann. Können wir irgendwann mit einem Zweitling rechnen, oder widmet sie sich wieder ihren musikalischen Talenten. Marinafon heißt die Italojazz-Formation mit der sie als Sängerin bisher unterwegs war.

Während der Frankfurter Buchmesse schrieb sie (erstmals) Blogbeiträge für Deutschlandradio Kultur. Dort war u. a. zu lesen: “Ich, die ich es gewohnt bin, mindestens fünf Jahre über einen Satz nachzudenken, bevor ich ihn veröffentliche, weiß plötzlich gar nicht mehr, was ich ohne das tägliche Bloggen auf der Welt noch machen soll. Aber ich kann ja nicht ewig über die Frankfurter Buchmesse 2013 bloggen, das Radio würde ja durchdrehen. Andererseits, warum nicht?” Den ersten Teil kann man kaum glauben, sonst könnten wir ihr Buch nicht bereits in Händen halten. Der abschließenden Feststellung kann man nur zustimmen. Warum nicht? Sie war eine flotte, einfallsreiche Bloggerin und hat damit bewiesen, dass sie, wie in der Musik, auch mit Feder, Stift oder Laptop den Wechsel von Rhythmus und Stil gekonnt beherrscht.

Aehnlich, Kathrin: Wenn die Wale an Land gehen. – A. Kunstmann, 2013

Zeiner, Monika: Die Ordnung der Sterne über Como. – blumenbar, 2013

17. Juni 1953: „Wir wollen freie Menschen sein!“

Bücher und Gedanken zur Geschichte der DDR aus Anlass des 60. Jahrestages eines Volksaufstandes

“Die Wetter schlagen um: / Sie werden kälter. / Wer vorgestern noch Aufstand rief, / ist heute zwei Tage älter.” (*)

Als es 1989 in Leipzig zu den großen Montagsdemonstrationen kam, die das Ende der DDR einläuteten, war die Sorge der Menschen, dass diese Kundgebungen des Volks-Unwillens enden könnten wie 1953, wie 1968 der Prager Frühling oder wie die Studentenproteste auf dem Pekinger Platz des Himmlischen Friedens wenige Monate zuvor. Mit gewaltbereiten Polizei- und Militärtruppen, rücksichtslosem Schusswaffen-Gebrauch, Panzer-Einsätzen.

Jene Ereignisse, die am 17. Juni 1953 ihren Höhepunkt erreichten, waren die Folge von Arbeiterstreiks, die einige Tage vorher begonnen hatten. Bauarbeiter protestierten gegen die Erhöhung der Arbeitsnormen und damit direkt gegen die Regierung eines Arbeiter- und Bauernstaates, von dem sie annehmen sollten, dass er ihre Interessen vertritt. Am Mittwoch, dem 17. Juni, kam es zum Generalstreik und zu Großdemonstrationen in Berlin, Leipzig und vielen anderen Städten, sowie zu Angriffen aufgebrachter Massen gegen Einrichtungen, die die Staatsmacht repräsentierten: Parteigebäude der SED in Halle und Leipzig, die Stasi-Zentrale in Jena, die Stadtverwaltung in Görlitz.

17-juni-1953_arbeiteraufstand, Landesarchiv Berlin

Quelle: Landesarchiv Berlin

Bereits am Vortag waren Truppen der sowjetischen Besatzungsmacht in Alarmbereitschaft versetzt und russische Panzer in Stellung gebracht worden. Am 17. Juni eskalierte die Situation. Rotarmisten feuerten in Berlin in die aufgebrachte Menschenmenge, Panzer überrollten Demonstranten. Am nächsten Tag wurde der Aufstand mit größter Gewalt niedergeschlagen. Zurück blieben Tote und Verletzte. Und schon am 19. Juni, einem Freitag, verhängten Schnellgerichte Todesurteile gegen 17 angebliche Anführer, die sofort vollstreckt wurden. Der 60. Jahrestag dieser Ereignisse bietet eine gute Gelegenheit die Beschäftigung und Auseinandersetzung, nicht nur mit dem Juni 1953, sondern mit vier Jahrzehnten DDR-Geschichte, wieder etwas zu intensivieren.

Zwei Bücher von Hermann Vinke können dabei sehr hilfreich sein. Sie sind alles andere als trocken aufbereiteter Geschichtsstoff; sie sind kurzweilig und dabei wesentlich seriöser als manche sogenannte Dokumentation der letzten Jahre im TV. “Die DDR. Eine Dokumentation mit zahlreichen Biografien und Abbildungen” hat mir sehr geholfen, die Ereignisse von 1953 hier kurz, knapp, aber wie ich hoffe einigermaßen korrekt wiederzugeben. Das Buch rekapituliert die ganze DDR-Geschichte, einschließlich Vorgeschichte und Ereignissen in den Jahren nach dem Weltkrieg, die zum Entstehen eines zweiten deutschen Staates führten. Neben den politisch Handelnden von Pieck bis Honecker, werden Persönlichkeiten aus allen gesellschaftlichen Bereichen vorgestellt. Breiten Raum gibt der Autor den Tendenzen und Entwicklungen die dann schließlich zu offenen Grenzen, dem Fall der Mauer und zur Wiedervereinigung führten.

media_18756106--INTEGERDie im Anhang aufgeführten Museen und Gedenkstätten lohnen sicher jederzeit einen Besuch. Auch über zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung sind immer noch Städte, Regionen und Landschaften im Osten Deutschlands zu entdecken und zu erkunden. Neugierig und nachdenklich machend, regt dieses Buch dazu an. Im Vorwort schrieb Wolfgang Thierse: “Die Erinnerungen an das Leben in der DDR, an den Alltag unter den Bedingungen einer Diktatur, an den aufgeblähten Sicherheitsapparat, an die politische Justiz, an die Mangelwirtschaft verblassen allmählich. Dabei lohnt sich die Erkundung der DDR-Geschichte gerade für junge Menschen: Denn in der Beschäftigung mit der DDR lernen sie auch die heutige Bundesrepublik besser kennen und verstehen. Sie erfahren, warum Freiheit, Rechtssicherheit und Demokratie ebenso schützenswerte wie zerbrechliche Errungenschaften sind…”

Unter die Haut geht stellenweise “Gegen den Strom der Unfreiheit”, das Zeitzeugen-Buch von Hermann Vinke. Hier wird Geschichte personalisiert. Die Schicksale ganz verschiedener Menschen, ihre Erlebnisse in der DDR, in Beruf und Alltag, im Widerstand, in Haft, bei Verfolgung oder Verschleppung, werden in Form von Interviews, Portraits und Reportagen zu spannendem Lesestoff. Man liest von abenteuerlichen Fluchtgeschichten, der empörenden Wehrlosigkeit politischer Gefangener, lernt den Naturschützer Hans Dieter Knapp kennen, begegnet engagierten Frauen wie Ulrike Poppe und Bärbel Bohley, Friedensaktivisten und Kulturschaffenden. Einige recht bekannte Namen sind ebenfalls vertreten, wie der heutige Bundespräsident Joachim Gauck oder sein Nachnachfolger im Amt des Leiters der Stasi-Unterlagenbehörde Roland Jahn. Beide Bücher von Hermann Vinke haben ausführliche Personenregister, die nicht nur das Nachschlagen ermöglichen, sondern zudem auf den einen oder anderen Namen neugierig machen. Die umfangreichen Literatur- und Quellenverzeichnisse regen zu vertiefender Lektüre an.

media_25734997--INTEGERHermann Vinke war viele Jahre Journalist und als Korrespondent u. a. in den USA, Japan und Ostdeutschland tätig. Er hat zahlreiche Bücher geschrieben, darunter das sehr bekannte, auch in Schulen eingesetzte “Das kurze Leben der Sophie Scholl”, für das er mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde. Seine beiden hier erwähnten Bücher sind bei Ravensburger erschienen, bieten seriöse, sorgfältig rechechierte Daten und Fakten, umfangreiches Bildmaterial, sowie zahlreiche Abbildungen von Original-Dokumenten. Es sind schöne, aufwendig gestaltete Bücher, optisch und haptisch jederzeit ein Genuss. Bücher die man immer wieder gerne in die Hand nimmt. Vom Verlag wohl vorrangig für eine jüngere Lesergruppe gedacht, bieten die Bücher von Hermann Vinke durchaus kompakte, ansprechend aufbereitete Informationen für alle Altersgruppen.

Das wichtigste belletristische Werk, das sich direkt mit den Ereignissen rund um den Arbeiteraufstand beschäftigt, hat Stefan Heym geschrieben, der in diesem April 100 Jahre alt geworden wäre. In seinem 1974 erschienenen Roman “5 Tage im Juni” wird das Geschehen chronologisch aus der Sicht von (fiktiven) Beteiligten erzählt, in deren Mittelpunkt der Arbeiter und Parteigenosse Witte steht. Zwischen den einzelnen Kapitel findet man kurze Auszüge aus Originaldokumenten, etwa aus Verlautbarungen des Zentralkommittees der SED, Pressemeldungen oder Befehlen der Militärkommandos. Dieses Buch habe ich zum erstenmal in jungen Jahren gelesen und jetzt im Rahmen der Arbeit an diesem Blog-Beitrag einige Passagen erneut. Ich war überrascht wie frisch der Schreibstil Heyms noch ist. Erzählt wird über weite Strecken in dialogischer Form, was erkennen lässt, dass Heym stark von us-amerikanischen Autoren beeinflusst wurde. Vor der Nazidiktatur war er einst über den Ozean geflohen, bekam die amerikanische Staatsbürgerschaft und verließ das Land wieder als die Auswüchse der McCarthy-Ära unerträglich wurden.

Der fulminante Großroman “Rummelplatz” von Werner Bräunig, der 1934 in Chemnitz geboren wurde, endet mit den Ereignissen des Juni 1953. Vorher schildert er breit angelegt das Schicksal einiger junger Leute, die aus sehr unterschiedlichen – teils politischen, teils persönlichen – Gründen als Arbeiter im berühmt und berüchtigten Bergbaukombinat Wismut gelandet sind. Eine harte Realität, die mit den eigentlichen Wünschen und Sehnsüchten der Menschen wenig zu tun hat. Diese triste, von Repressionen und Unsicherheiten geprägte Alltagswelt beleuchtet der Autor aus verschiedenen Perspektiven. Dabei wird sehr gut nachvollziehbar, wie es zu den Aufständen und Ausbrüchen im Juni 1953 kommen konnte. Bräunig hat ein literarische Meisterwerk geschaffen, das erst spät die verdiente Beachtung fand. Geplant hatte er auch noch einen zweiten Teil. Die Realisierung scheiterte letztlich am exzessiven, unsteten und kräfteraubenden Lebensstils Bräunigs, der 1976 zum frühen Tod führte. Zu diesem Buch hat Christa Wolf ein Vorwort geschrieben und Angela Drescher erläutert den nicht eben geradlinigen editorischen Werdegang.

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Jüngeren Datums sind zwei ebenfalls recht dicke Familienromane. (Offensichtlich müssen Romane über das Leben, Streben und Scheitern in der DDR einen gewissen Umfang haben.) Dabei ist “Der Turm” (Erscheinungsjahr: 2008) von Uwe Tellkamp sogar schon dabei ein echter Klassiker zu werden. Hier sind die Protagonisten in akademischen Berufen tätig und bekommen, da sie nicht zur Arbeiter- und Bauernklasse gehören, vom Regime allerhand Steine in den Weg gelegt. Sie sind im Dresdner Nobelviertel Weißer Hirsch, malerisch am Elbhang gelegen, zu Hause, dem auch der Autor entstammt. Uwe Tellkamp schreibt lange, dichte Sätze, die Lektüre fällt nicht immer leicht. Dennoch oder gerade deshalb ist das Buch die herausragende Beschreibung eines Milieus, das in der ehemaligen DDR keine führende Rolle spielen durfte. Drei Jahre muss sich der junge Christian Hoffmann, Sohn eines Chefarztes, zum Militär verpflichten, um überhaupt eine Chance auf den begehrten Medizin-Studienplatz zu bekommen.

Etwas anders ist die Ausgangssituation für die Hauptfiguren in “Brüder und Schwestern” von Birk Meinhardt, das erst in diesem Jahr erschienen ist. Am Beispiel der drei Kinder des Druckereileiters Willy Werchow, lernen wir exemplarische Lebensläufe im pseudokommunistischen SED-Staat kennen. Während der eine Sohn mit dem System schon früh in Konflikt gerät und der zweite sich zum Opportunisten entwickelt, sucht die Tochter nach Geborgenheit in der Gegenwelt eines Zirkus. Birk Meinhardt ist ein ausgesprochen spannendes und deftiges Buch gelungen, das Leser rasch fesselt.

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Die Leipziger Nikolaikirche

Dieses Bild werde ich nicht mehr vergessen. Es muss 2007 oder 2008 gewesen sein, als sich zufällig in einem der von Menschen überfüllten Gängen der Leipziger Buchmesse zwei alte Männer begegneten. Es waren die Schriftsteller Günter Grass und Erich Loest, die sich dann gerührt und sprachlos lange in den Armen lagen, bis sie sich wieder trennen mussten, um Verpflichtungen des Messealltags – Lesungen, Interviews, Signierstunden – nachzukommen. Erich Loest hat Mitte der 1990er Jahre einen wichtigen Roman rund um die Wende-Ereignisse in Leipzig geschrieben. Wie schon bei Tellkamp und Meinhardt, steht auch in „Nikolaikirche“ eine Familie im Mittelpunkt. An ihr werden exemplarisch die Risse und Konflikte aufgezeigt, die durch die ganze DDR-Gesellschaft gingen. Immer mehr in den erzählerischen Vordergrund treten im Verlauf der Handlung jene Menschen der sächsischen Metropole, die mit Diskussionen, Gebeten, Andachten und Kerzen den Weg für die späteren Märsche von Zehntausenden ebneten. Besonders interessant sind Abschnitte in denen deutlich wird, welche Rolle die Kirchengemeinden in Leipzig und ihre geistlichen Vertreter in diesen so entscheidenden Monaten spielten. Sie boten Schutz und Freiraum für Versammlungen und Gespräche, sie waren dort, wo Kirche eigentlich immer sein sollte: ganz nah bei den Menschen ihrer Zeit, ihrer Umgebung.

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„Auferstanden aus Ruinen / Und der Zukunft zugewandt, / Laß uns dir zum Guten dienen, / Deutschland, einig Vaterland.“ Verse des Staatsdichters und führenden Kulturfunktionärs der DDR Johannes R. Becher und vielgesungener Beginn der DDR-Nationalhymne. Seine Vorstellung vom „einig Vaterland“ verwirklichte sich ganz anders als er sich das vermutlich vorgestellt hat. Zudem hat sein Staat neue Ruinen hinterlassen, die bis heute – z. B. wie hier in Leipzig – als pitoresk-absurde Denkmäler besichtigt werden können.

In Hermann Vinkes DDR-Buch wird auch Marion Brasch kurz erwähnt, auf Seite 179 geht es um die Jugend- und Musikszene. Marion Brasch gehörte zu den Moderatorinnen des Ostberliner Jungendradios DT 64. Im letzten Jahr hat sie einen bewegenden biographischen Roman (“Ab jetzt ist Ruhe”) über sich, ihre Eltern, Brüder und Freunde veröffentlicht. Sie ist die Schwester des 2001 verstorbenen Schriftstellers Thomas Brasch und die Tochter eines überzeugten Kommunisten und führenden Kaders der DDR-Einheitspartei SED. Ihr Buch ist ebenso traurig wie humorvoll, und bietet einen leicht lesbaren Einblick in den Alltag einer Familie, die eigentlich zu den Stützen des real existierenden Sozialismus zählen sollte, jedoch an den Vorstellungen und Widersprüchen dieser inhumanen Gesellschaft zerbrach.

media_25809071--INTEGERDie gesammelten Gedichte von Thomas Brasch (geboren 1945 im englischen Exil der Eltern, gestorben 2001 in Berlin), einem der bedeutendsten “DDR-Schriftsteller”, sind  jetzt über 1000 Seiten schwer unter dem Titel „Die nennen das Schrei“ bei Suhrkamp erschienen. “Tausend Seiten Liebe, Krieg und Sterben, Tausend Seiten Schmutz, Schutt und Scheitern. Tausend Seiten Alltag, Anarchie und Geschichte… Tausend Seiten Deutschland,” schreibt der Spiegel über dieses Buch. Das Werk eines Dichters und Erben Brechts, das es noch richtig zu entdecken, bzw. wiederzuentdecken gilt.

“… und wir verehrten die Freiheit wie eine strahlende Schönheit in der Ferne.” sagte Joachim Gauck in seiner Dankesrede zur Verleihung des Ludwig-Börne-Preises 2011 im Rückblick auf sein Leben in der DDR. Den Satz las ich in Hermann Vinkes „Gegen den Strom der Unfreiheit“, in dem auch ein ausführliches Interview mit Gauck zu finden ist. Wie schwer es nach 1989 wurde, mit scheinbar grenzenloser Freiheit umzugehen, musste nicht nur er erfahren. Zu oft waren die Erwartungen letztlich doch sehr bescheiden auf die Erfüllung simpler Konsumwünsche ausgerichtet. Eine Entwicklung bei der sich Menschen aus ehemals westlichen und ehemals östlichen Provinzen schneller einig waren als auf vielen anderen Gebieten. Dabei blieb nicht selten die Freiheit, ja manchmal sogar die körperliche Unversehrtheit Andersdenkender auf der Strecke. Womit wir bei der im heutigen Deutschland nur noch im schiefen Licht dargestellten Rosa Luxemburg an- und damit möglicherweise etwas vom Thema “17. Juni 1953” abgekommen wären. Oder doch nicht?

(*) Das Zitat stammt aus dem Gedicht “Und der Sänger Dylan in der Deutschlandhalle” von Thomas Brasch” (in: Der schöne 27. September)

Sudeleien: Ende April 2012

Handke, Hesse, Walser, Schulze und ich –  und der “Welttag des Buches”

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„Kultur für alle.“ – (Hilmar Hoffmann, Kulturbürgermeister von Nürnberg a. D.)

„Der Wunsch nach einem Gedicht ist eher selten anzutreffen, hierzulande, heutzutage, andernorts. Und zwar sowohl was die Zahl der Lesenden als auch die der Schreibenden betrifft.“ – (Kathrin Schmidt, Schriftstellerin)

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Beim Sovormichhinsortieren alter Zeitungsausgaben für den Altpapier-Container, musste ich daran denken was ich diese Woche gelesen hatte: “Heute ist der Welttag des Buches”, schrieb Ute G. in einem Beitrag zur Volksaufklärung am Dienstag, den 24. April, in einer auflagestarken schwäbischen Tageszeitung. Sie lag damit nur ganz knapp daneben. Der “Welttag des Buches” fand, gemeinsam mit dem “Tag des Bieres”, auch in diesem Jahr wieder am 23. April statt. Das war ein Montag und meine Stadtbibliothek, wie immer an einem Montag, geschlossen.

Doch auf dem Marktplatz unseres Städtchen, im Schatten sakraler Sandstein-Gotik, hatten die „Bibliophilen Alphabeten e. V.“ einen Aktionsstand aufgebaut. Hier wurde der Stoff gratis abgegeben. Jede Menge Lesestoff geschenkt. Eine von vielen “Lesefreunde”-Aktionen zur Inszenierung des “Welttag des Buches”. Aber nicht jeder Buchhändler findet es so toll „mitten in der Debatte um das Urheberrecht und die Umsonst-Kultur 1 Mio Bücher kostenlos zu verteilen“. Es stellen sich Fragen. Wird das geistige Eigentum der Autoren an den verschenkten Werken denn angemessen und pekuniär gewürdigt? Wurde das Einverständnis der Urheber eingeholt? Oder machen die Rechte-Verwerter, in diesem Fall die Verlage, einfach was sie wollen? Was ist noch PR und was schon Piraterie? Wie sollen sich Herr und Frau Mustermann da noch zurechtfinden? Und wo kann ich eigentlich die App herunterladen?

Es gab Bücher für alle. Aber nicht alle Bücher. Die Titelauswahl war beschränkt im Sinne von begrenzt. Es standen 25 Titel zur Auswahl. Dabei die “Schweigeminute” von Siegfried Lenz, Kaminers “Deutsches Dschungelbuch”, die “Vermessung der Welt” von Daniel Kehlmann und die unvermeidliche, aber bissige Stephenie Meyer. Meiner Grundstimmung entsprechend griff ich rasch und möglichst unauffällig zu Peter Handkes “Wunschloses Unglück” – so eine Gratis-Entgegennahme ist mir im Grunde immer leicht peinlich – und betrachtete anschließend das Geschehen noch eine Weile aus dem Rückraum. Dabei fiel mir auf, dass ich eines der wenigen männlichen Wesen war, die das Angebot angenommen und zugegriffen hatten. Die überwiegende Mehrheit derer, die sich um den bunten, mit Luftballons dekorierten Bücherstand drängten, gehörten dem weiblichen Geschlecht an.

Derzeit fordern fortschrittliche Politiker und Politikerinnen immer wieder eine Frauenquote für die Führungsetagen großer Unternehmen. Demzumtrotz fordere ich hier und jetzt eine Männerquote! Mindestens X-Prozent der Lesenden müssen in Zukunft Y-Chromosomen und das SRY-Gen haben. Und wenn wir gerade dabei sind: Ich fordere mit gleicher Vehemenz eine Männerquote beim Personal in Kindergärten, Grundschulen und Altenheimen.

Aber zurück zum Eigentlichen, zum Buch. Mich ließ die Überlegung nicht los, welche Bücher ich an ein breites Publikum verschenken würde, wenn ich freie Wahl hätte. Welche Autoren, welche Titel? So einfach ist das nicht bei einer so undefinierbaren Zielgruppe. Vor allem wenn damit gleichzeitig Werbung für die eigenen Lieblingsbücher verbunden sein soll. (So eine Kampagne nimmt ja immer einen leicht missionarischen Charakter an.) Zwei Pizza-Ecken (prosciutto e con funghi), einen halben Liter San Pellegrino und drei Espressi dopio später – auf windgeschützter Kaffeehaus-Terrasse wärmte bereits eine milde Frühlingssonne – war mir die etwas willkürliche Beschränkung auf eine Auswahl von drei in Frage kommenden Titeln gelungen.

“Unterm Rad” gehört zu den schmäleren Werken Hermann Hesses und wird selten erwähnt wenn es um die wichtigsten Titel des Nobelpreisträgers geht. Es ist eine Schul- und Pubertätsgeschichte rund um kleinstädtische Enge, verständnislose Erwachsenenwelt und die Einsamkeit eines begabten Heranwachsenden, die auf biographischen Erfahrungen des Dichters beruht. Seit Jahrzehnten finden sich Jugendliche und junge Erwachsene darin wieder. Nach dem Wiederlesen im Hesse-Jubiläumsjahr (50. Todestag am 12. August) fragt man sich allerdings sehr ernsthaft, was den Honoratioren in Calw/Gerbersau eigentlich einfällt; ihr jubelndes Feiern des früh Ausgezogenen kann eigentlich nur ein typisch pietistisch provinzielles Missverständnis sein.

“Ein fliehendes Pferd” wird zu jenen von Martin Walsers zahlreichen Erzählungen gehören, die man auch noch in einigen Jahren, vielleicht auch Jahrzehnten, gut und gerne lesen kann. Der Leser erfährt endlich wie deutsche Lehrer ihre reichlichen Ferientage verbringen und warum Scheitern für Beziehungen der Normalfall ist. Ein Mittelstands-Drama und -Panorama von zeitloser Gültigkeit. Die hier verwendete, knappe Novellen-Form gelingt Walser besser als einige seiner überreich mäandernden Romane. Das tragische Scheitern der beiden Paare im besten Krisenalter kontrastiert herrlich mit der Schönheit der Bodensee-Kulisse. Auch wenn man die hervorragende Verfilmung gesehen hat, bleibt dieses Büchlein eine unbedingt lohnende Lektüre.

“Adam und Evelyn” von Ingo Schulze ist für mich eines der wichtigsten und besten Bücher, die sich mit den deutsch-deutschen Fragen und Problemen rund um die geschichtliche Wende 1989/90 in erzählender Form beschäftigen. Die Figuren des Romans sind Menschen des realexistierenden Alltags, mit all den Sorgen und Nöten, die das Leben in der ehemaligen DDR so mit sich brachte. In einer forcierten, meist dialogisch angelegten Erzählweise geht es um Grundsatzfragen wie Gehen oder Bleiben? und die ewige Suche nach dem richtigen Lebensentwurf. Es geht darüber hinaus um Variationen von Liebe und um die uralten Mythen der Geschlechter. Gleichzeitig kommen gesellschaftspolitische Themen zur Sprache, die durch die Wende neu zur Diskussion gestellt wurden und heute eigentlich aktueller sind denn je. Der aus Thüringen stammende Damenschneider Adam, über Ungarn und Österreich nicht ganz freiwillig im idyllischen Bayern gelandet, sieht die schöne neue Welt in die er geraten ist so:

„Von allem zu viel…, zu viele Worte, zu viele Kleider, zu viele Hosen, zu viel Schokolade, zu viele Autos, statt froh zu sein, dass es endlich alles gibt… zu viel, zu viel, eine Inflation, die alles begräbt, die eigentlichen Dinge, die richtigen Dinge.“

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Hesse, Hermann: Unterm Rad. Roman. – Suhrkamp, versch. Jahre. Euro 6

Walser, Martin: Ein fliehendes Pferd. Novelle. – Suhrkamp, versch. Jahre. Euro 6,50

Schulze, Ingo: Adam und Evely. Roman. – dtv, 2010. Euro 9,90

Alle drei Bücher sind auch noch in anderen Ausgaben lieferbar.

Herbst-Lese (3)

Zwei unterhaltsame deutsche Romane

Im Feuilleton gehört die Behauptung, es gäbe seit Jahren keine lesenswerten Romane über Deutschland und schon gar nicht solche mit Ost-West-Thematik, zum Standard-Repertoire. Doch sie ist Quatsch. Man muss nicht erst Großmeister wie Schulze, Brussig oder Tellkamp bemühen, um festzustellen, dass diese Aussage durch ständiges Wiederholen auch nicht wahrer wird. In der zweiten Reihe, bei Unterhaltungsschriftstellern der jüngeren Generation – deren Existenz in der deutschen Literatur von Kritikern auch gerne bestritten wird – finden wir immer wieder interessante, lesenswerte Beispiele. Zwei Bücher, die in diesem Herbst erschienen sind und sich intensiv mit dem Thema D, einschließlich DDR und Wende, befassen, sollen hier kurz vorgestellt werden. Die behandelten Themen und die geschilderten Milieus der beiden Jung-Autoren könnten dabei reizvoller und gleichzeitig gegensätzlicher nicht sein.

Ein Künstlerroman: Louise im blauweiß gestreiften Leibchen von Mathias Nolte

Die Handlung spielt sich hauptsächlich in Berlin ab. Ost und West, als es diese Unterscheidung noch gab, also zu tiefsten DDR-Zeiten und – in der Haupthandlungsebene – einige Jahre nach der Wende.  Charlotte Pacou wird, kaum dass sie einer trostlosen Beziehung entronnen, fälschlicherweise für eine Privatdektivin gehalten und vom smarten Bankier Daniel Baum mit der Suche nach einem verschollenen Bild beauftragt. Luise 2Dieses schuf einst der sehr junge, hochbegabte Maler Jonas Jabal. Er gab dem Werk jenen Titel, den auch Nolte für seinen Roman verwendet. Jabals tragisches Leben, Lieben und Scheitern wird uns parallel zu der sich entwickelnden Geschichte und der zunehmenden Nähe von Schnüfflerin und Auftraggeber erzählt. Das Buch bietet viel Berlin, viel Kunst und Liebe und auch etwas Spannung. Ein vortrefflicher Unterhaltungsroman eben. Autor ist der ehemalige Buchhändler und Journalist Mathias Nolte, dessen erster Roman „Roula Rouge“ 2007 erschien. Sein neues Werk ist nicht ganz zufällig bei Deuticke erschienen. Die Österreicher haben uns schon mit Namen wie Paulus Hochgatterer („Die Süße des Lebens“), Daniel Glattauer („Gut gegen Nordwind“) und dem wunderbar stillen Walter Kappacher („Selina“) bekannt gemacht und begeistert. Leser und Käufer bekommen gute Literatur mit Niveau, in Büchern, die handwerklich sorgfältig gestaltet und hergestellt werden. Ein greifbarer Genuss, den kein E-Book-Reader je wird bieten können. Die Louise bei Mathias Nolte ist übrigens ein rechtes Früchtchen, entsprechend geht es im Roman manchmal etwas charmant frivol zu. Im nächsten Buch hingegen werden wir mit echten Schweinereien konfrontiert.

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Der Kontrast: Die letzte Sau von Patrick Hofmann

Südlich von Leipzig, wenige Jahre nach der Wende. Die Menschen in Muckau sind in doppelter Bedrängnis. Von der einen Seite verschlingt sie der sich immer noch weiter ausdehnende Tage-Bergbau, von der anderen das bundesrepublikanische Wirtschaftssystem, einschließlich seiner Demark. Die Siedlung verschwindet. Der Roman beginnt, als nur noch ein Haus übrig ist. Übrig ist auch die letzte Sau. Zu DDR-Zeiten durfte man hier Schweine für die Selbstversorgung halten. Nun steht die Behausung samt Stall vor dem Abriss, die Sau vor der Schlachtung. Die Schlachterin kommt frühmorgens. SAUEntlang der Schlachtungs- und Verwertungskette des nahrhaften Tieres, erzählt der Roman die Geschichte von drei Generationen, deren Leben und Alltag seit Jahrzehnten mit diesem Haus und Grund verbunden waren. Zum Schluß kommen alle noch einmal zusammen. Hier wird deutlich und drastisch erzählt. Dem Leser wird eine literarische Schlachtplatte vorgesetzt. Es ist ein Milieu kleiner Leute, die während der kommunistischen Herrschaft gelernt haben sich durchzuwurschteln, und die genau wissen, dass sie diese Fähigkeiten, erlernte Improvisations-Bereitschaft und ideologische Biegsamkeit, auch im neuen System brauchen werden. Wahre Werte sind die, die man essen kann, ganz nach Brecht, kommt erst das Fressen und dann die Moral. Doch was bleibt Menschen mit solchen fremdbestimmten Lebensläufen anderes übrig. Und so wird zum letzten Mal eine Sau geschlachtet, zerteilt, verwurschtet, verspeist. So sitzt die Familie noch einmal gemeinsam am wackelnden alten Tisch und der Autor erzählt uns von mühsamer Vergangenheit und ungewisser Zukunft. Kein Buch für Vegetarier und Warmduscher.

Nolte, Mathias: Louise im blauweiß gestreiften Leibchen. – Deuticke, 2009. Euro 19,90

Hofmann, Patrick: Die letzte Sau. – Schöffling & Co., 2009. Euro 19,90