Dichtergräber

Fotografien von Markus Fenkl

Seit seiner Kindheit fotografiert Markus Fenkl leidenschaftlich. In der Schulzeit verbrachte er reichlich Zeit in der Dunkelkammer. Sein Interesse am Bild hat seinen Ursprung in Malerei und Grafik. Er bezeichnet es als großes Glück, dass er schon in den ersten beiden Schuljahren einen engagierten Künstler zum Lehrer hatte.

Fenkl befüllt ein gegebenes Format mit Formen, die er mit der Kamera versucht aus der Welt herauszustanzen. Ziel und Bestreben ist es, bei den Betrachtern eine Wirkung hervorzurufen. Diese kann nur entstehen, wenn deren Alltagsfilter überwunden werden, was in der Bilderflut unserer Tage schwer zu erreichen ist. Medien und Werbung haben unsere wahrnehmbare Umwelt mit spektakulären Reizen in einem Umfang besetzt, wie es das in der Vergangenheit noch nie gab.

Markus Fenkl versucht derzeit durch Reduktion des Sichtbaren auf einen scheinbar unverständlichen Bildausschnitt beim Betrachter ein Zögern und Wundern auszulösen, in ihm eine Frage aufzuwerfen, die nur durch aktive Auseinandersetzung mit dem Bild beantwortet werden kann. So kann Fotografie weitergehende Inhalte transportieren, Themen beleuchten, die dem Fotografen wichtig erscheinen.

Neben dem künstlerischen Anspruch hat Markus Fenkl ein Faible für die Dokumentation von Menschen und Ereignissen. Es geht ihm dabei um wahrnehmbare Veränderungen, die erst im Rückblick sichtbar werden.

Der gelernte Schreiner und ehemalige Berufsschullehrer lebt in Neu-Ulm. Seit 15 Jahren beteiligt er sich an Ausstellungen in seiner Region. Eine Ausstellung mit eigenen Werken war 2012 in der Ulmer Galerie Semmler zu sehen.

Zum Totensonntag 2020 gibt es auf con=libri eine kleine Auswahl aus Fenkls Dichtergräber-Sammlung.

(Bitte beachten Sie, dass die Bilder urheberrechtlich geschützt sind. Eine Verwendung und/oder Weiterverarbeitung ist nur mit Zustimmung des Fotografen zulässig.)

Und wenn ihr einst in Frieden ruht / Beseligt ganz vom Himmelslohn / Dann stolpert durch die Höllenglut / Bert Brecht mit seinem Lampion.
 
Vielleicht hat es am Ende doch nicht geklappt mit der Vision, die Bertolt Brecht (1898 – 1956) in seinem Gedicht Serenade formulierte, und er muss sich jetzt in irgendeiner Art von Paradies fürchterlich langweilen. Der Augsburger war viel unterwegs in seinen Exiljahren. Über Dänemark, Schweden, Finnland und Russland landete er wie viele andere deutsche Intellektuelle und Künstler in den Vereinigten Staaten, um dort alsbald ins Visier der Kommunistenjäger zu geraten. Nach dem Krieg machte ihn die DDR zum gefeierten Staatsdichter. Eine Karriere, die mit dem plötzlichen Tod am 14. August 1956 etwas abrupt endete. Der Auflauf an Volk und staatstragenden Kadern war groß bei seiner Beerdigung auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof.
 

Rund um den Geburtstag der Anna Seghers, der sich dieser Tage zum 120. Male jährt, geschieht Erstaunliches. Bis heute ist die Schriftstellerin hauptsächlich für ihren fulminanten Roman über die Schrecken des Dritten Reichs (Das siebte Kreuz) und die eindringliche Darstellung der Schicksale jener, die wie sie vor den Nachstellungen der Hitler-Schergen aus dem Land fliehen mussten (Exil), bekannt. Nun rückt, spät und recht überraschend, ihre eigene Exilzeit in den Mittelpunkt des Interesses. Verschlungene Pfade führten sie nicht wie die Manns, wie Brecht, Feuchtwanger und Co. in die Vereinigten Staaten von Amerika, sondern ins mittelamerikanische Mexiko. Gleich zwei Neuerscheinungen schildern und würdigen diesen Lebensabschnitt Seghers und die Werke,  die in dieser Zeit entstanden.

Volker Weidermanns Brennendes Licht. Anna Seghers in Mexiko ist bei Aufbau erschienen. Wie von Weidermann gewohnt, ist das Buch ebenso populär wie fundiert geschrieben. Es bringt uns eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts in all ihren Widersprüchen nahe, ohne sich ein Urteil anzumaßen. Der reich bebilderte Band von Monika Melchert trägt den Titel Im Schutz von Adler und Schlange. Anna Seghers im mexikanischen Exil. Erschienen ist er im Quintus Verlag. Melchert, Leiterin des Segher-Museums in Berlin, ist eine intime Kennerin von Biografie und Arbeit der in Mainz geborenen Dichterin. Sowohl Weidermann wie Melchert sind sich einig, dass es lohnt die im Exil entstandenen Erzählungen neu zu entdecken.

Als junge Frau trat Anna Seghers aus der jüdischen Gemeinde aus und der Kommunistischen Partei bei. Ihr blieb sie ein Leben lang treu, vertrat einen radikalen Antifaschismus und hielt zur Sowjetunion selbst noch, als dort Das siebte Kreuz verboten wurde und Stalin sich mit Hitler verbündete. 1947 kehrte sie aus Mexiko nach Deutschland zurück und ließ sich in Ost-Berlin, dem damaligen sowjetischen Sektor und der späteren DDR, nieder. Von 1952 bis 1978 war sie Vorsitzende des DDR-Schriftstellerverbandes, verkehrte mit Ulbricht und Honecker und rechtfertigte den Mauerbau. Seit 1983 ruht sie auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof.

Diese Unehre habe ich nicht verdient! Nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, daß meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen. … Verbrennt die Werke des deutschen Geistes! Er selbst wird unauslöschlich sein wie eure Schmach! (O. M. Graf anlässlich der Bücherverbrennungen im Deutschen Reich 1933.)
 
Die Bekanntheit des Schriftstellers Oskar Maria Graf beginnt ganz langsam zu verblassen, ähnlich der Inschrift auf seinem Grabstein. Er war einer der eigenwilligsten und unabhängigsten Vertreter der Exilgeneration. Seine oberbayerische Identität nahm er überall mit hin. Unter unseren Geburtstagswünschen aber soll der voranstehen, daß die Heimat, sein oberbayerisches Land, seiner recht gewahr werden und sich dankbarer, als gegenwärtig, erweisen möge für das Gute, das er zu ihrer Ehre hervorbringt. Sie hat keinen echteren, in der vom Schicksal erzwungenen Ferne keinen treueren Sohn. (Thomas Mann zum sechzigsten Geburtstag Grafs.) Der Wunsch des Nobelpreisträgers ging bedingt in Erfüllung, spät ohnehin, doch immerhin besser als all die Zumutungen und Kränkungen, die ihm selbst durch seine ehemalige Münchener Wahlheimat widerfuhren. Seine letzte Ruhe fand Oskar Maria Graf zu guter Letzt tatsächlich in bayerischer Erde. Sein Grab befindet sich in München-Bogenhausen; auf dem St. Georg-Kirchhof gehören Rainer Werner Fassbinder, Erich Kästner und Joachim Fernau zu seinen Nachbarn.
 

Heinrich Mann verdanken wir einen der markantesten Prototypen der deutschen Literatur. Sein Roman Der Untertan erschien 1918, entstanden ist er bereits vor 1914, also zu einer Zeit, als das alte Kaiserreich noch existierte. Charaktere vom Schlage des Protagonisten Diederich Heßling, diesem selbstsicheren Opportunisten und strammpreußischen Bürger, sind ja bis heute nicht gänzlich ausgestorben. Unvergesslich auch Manns Professor Unrat (1904 erschienen), jene Geschichte der erotischen Irrungen und Wirrungen eines biederen Gymnasiallehrers. Die Verfilmung von 1930 unter dem Titel Der blaue Engel verhalf einst der jungen Marlene Dietrich in der Gestalt der feschen Lola zum Durchbruch. 

Heinrich Mann war stark von der französischen Erzähltradition geprägt. Seinen Werken blieb der internationale Durchbruch versagt. Das führte dazu, dass der Autor im amerikanischen Exil ein kümmerliches Dasein fristen musste und auf die Unterstützung seines Bruders Thomas angewiesen war, dessen Romane und Erzählungen sich in englischen Übersetzungen weltweit bestens verkauften. 1949 wurde er in Abwesenheit zum Präsidenten der Deutschen Akademie der Künste in Ost-Berlin gewählt. Noch bevor er nach Europa reisen konnte um das Amt anzutreten, verstarb er am 11. März 1950 im kalifornischen Santa Monica, wo er zunächst bestattet wurde. 1961 wurde seine Urne nach Deutschland überführt und in Ost-Berlin beigesetzt. Heute ist sein Grab auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof eines der Ehrengräber des Landes Berlin.

Einer von ihnen hat mir erklärt, wie das sei / und was ihn am meisten freute: / > Im schlimmsten Moment, der Geburt, sind die Leute / (hat er gesagt) schon dabei. / Doch gerade das schönste Erlebnis / erleben sie nie: ihr Begräbnis! <
 
Verse aus einem Gedicht Erich Kästners, in dem er einen Pessimisten sprechen lässt. Er selbst war keiner, eher ein melancholischer Optimist. Nach Studium und Promotion begann er zunächst als Journalist zu arbeiten. Populär wurde er mit seinen Satiren und Couplets für die bunte Kabarettszene im Berlin der 1920er Jahre. Bekannt ist er bis heute vor allem für seine Kinderbücher. Das fliegende Klassenzimmer wird derzeit zum vierten Mal verfilmt. Kindheit und Jugend verbrachte er in Dresden (s. auch con=libri vom 26.10.2020), die Erinnerung daran prägte sein weiteres Leben, wie er selbst immer wieder betonte. 1933 wurde er Zeuge, wie seine Bücher als „undeutsch“ verbrannt wurden.

Als Einziger der hier vertretenen Dichter und Dichterinnen blieb Erich Kästner während des Dritten Reichs in Deutschland. Trotz verschiedener Repressionen konnte er in dieser Zeit unter Pseudonym Drehbücher verfassen. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte er in München. Als Pazifist wandte er sich gegen die Wiederbewaffnung Deutschlands und protestierte gegen die Verbreitung von Atomwaffen. 1974 verstarb er nach längerer Krebserkrankung und wurde in München-Bogenhausen beerdigt. 1991 fand Luiselotte Enderle ihre letzte Ruhe an selber Stelle. Die Journalistin und Dramaturgin stammte aus Leipzig. Fast vier Jahrzehnte war sie Kästners Lebensgefährtin und später seine erste Biografin.

 

Erich Kästner und Dresden

Wenn es zutreffen sollte, daß ich nicht nur weiß, was schlimm und häßlich, sondern auch, was schön ist, so verdanke ich diese Gabe dem Glück in Dresden aufgewachsen zu sein.

Das historische Zentrum der Stadt Dresden mit seinen kultur- und baugeschichtlichen Sensationen ist Anziehungspunkt und Reiseziel für Touristen aus der ganzen Welt. Sie besuchen zu Tausenden die Schlösser und Museen, drängen sich in Frauen- und Kreuzkirche, promenieren auf den Brühlschen Terrassen, spazieren am Elbufer entlang, kehren ein in die zahlreichen Cafés und Restaurants, genießen sächsischen Blechkuchen oder deftige Fleischspeisen mit Klößen und Rotkohl. Abends locken Theater und Kabaretts, Jazzkeller, Konzerte der Staatskapelle oder musikalische Spitzendarbietungen in heller Kirchenakustik. Dresden gehört im Ausland zu den bekanntesten und beliebtesten Städten Deutschlands.

Mit einer der gelben Straßenbahnen verlasse ich die Innenstadt. Die langen Gelenkwagen schunkeln und quietschen über die Carolabrücke. Darunter fließt träge die Elbe. Sie führt Niedrigwasser. In den warmen und trockenen Sommern der letzten Jahre muss immer häufiger der Verkehr der Ausflugsdampfer reduziert oder eingestellt werden. 

Ich bin unterwegs in die Dresdner Neustadt auf der linken Elbseite. Wohn- und Lebensraum der einfachen Bürger, Arbeitnehmer, Handwerker, kleinen Selbständigen, Studenten-WGs. Lange Straßen. Gründerzeithäuser. Schmale Läden. Die global gewohnten Sättigungsangebote: Döner, Pizza, Asia Food, Burger. Mal frisch und einladend, mal schmuddelig fragwürdig. Als Erich Kästner hier aufwuchs gab es das noch nicht. Stattdessen zahlreiche Bäckereien und Fleischereien, Uhrmacher, Papier- und Gemüseläden, Schuhgeschäfte, Schneidereien und kleine Kneipen. In Hinterhöfen werkelten Schreiner und Spengler, Wagner und Kürschner.

Am 23. Februar 1899 wurde Erich Kästner hier geboren. In der Königsbrücker Straße 66, vierte Etage. Dresden ist zu dieser Zeit königlich sächsische Haupt- und Residenzstadt, die viertgrößte Stadt des Deutschen Reichs mit etwa einer halben Million Einwohner. Berühmt für seine Zigarettenfabrik, die Schokoladenherstellung und die Brauereien. Hier wurden der Kaffeefilter, der Teebeutel und der Bierdeckel erfunden.

Erichs Eltern sind in der arrangierten Ehe unglücklich. Die erste Wohnung in der Königsbrücker Straße liegt ganz in der Nähe des damals berühmten Schokoladenproduzenten Jordan & Timaens. In der Mansardenwohnung ist der Alltag mühselig, die Kästners kommen gerade so über die Runden. Im Lauf der Jahre ändert sich das nur wenig. Die Familie zieht mehrmals um, jeweils nur einige Häuser weiter, in die Nummer 48, in die 38. Dabei Etage für Etage tiefer. In seinen Erinnerungen Als ich ein kleiner Junge war kommentiert der Schriftsteller Kästner Jahrzehnte später, ironisch-optimistisch, wie es seiner Lebenshaltung entsprach: Wir zogen immer tiefer, weil es mit uns bergauf ging. Wir näherten uns den Häusern mit den Vorgärten ohne sie zu erreichen.

Das Kind Erich sitzt in den wechselnden Wohnungen still an Mutters Seite und lernt früh lesen. Lesen wird zur Haupt- und Lieblingsbeschäftigung des Heranwachsenden. Ich las und las und las. Kein Buchstabe war vor mir sicher. Ich las Bücher und Hefte, Plakate, Firmenschilder, Namensschilder, Prospekte, Gebrauchsanweisungen und Grabinschriften, Tierschutzkalender, Speisekarten, Mamas Kochbuch, Ansichtskartengrüße … , die ‚Bunten Bilder aus dem Sachsenlande‘ und die klitschnassen Zeitungsfetzen, worin ich drei Stauden Kopfsalat nach Hause trug. Zwischen Mutter und Sohn entwickelt sich ein enges und inniges Verhältnis, das über alle Jahre, geschichtlichen Umbrüche und Entfernungen hinweg, bestehen bleiben wird.

Die langen Spaziergänge am Elbufer. Die Mutter empfindet die weite Uferlandschaft als Befreiung aus ihrer persönlichen Eheenge. Erich liebt die Elbbrücken. Im Gasthaus Linckesches Bad kehren die beiden nach ihren Wanderungen gerne ein. Gelegentliche Besuche von Aufführungen des Alberttheaters und anderer Bühnen der Stadt mit der Mutter, gehören zu den prägenden Eindrücken der Kinder- und Jugendjahre. Bald wurden die Dresdner Theater mein zweites Zuhause. Und oft mußte mein Vater allein zu Abend essen, weil Mama und ich, meist auf Stehplätzen, der Muse Thalia huldigten.

Junge Lehrer wohnen bei Kästners zur Untermiete und leisten notwendige finanzielle Beiträge zum Lebensunterhalt. Von den aufgeschlossenen Pädagogen erfährt das Kind früh vom Wert des Lernens und der Bildung. Erich wird ein ausgezeichneter Schüler in der IV. Dresdner Bürgerschule. Später wird er selbst ein Lehrerseminar besuchen, das einen frühzeitigen Berufsabschluss und regelmäßiges Einkommen ermöglichen soll. Doch seinen Vorstellungen und Ansprüchen wird das nicht gerecht. Er bricht diese Laufbahn ab. Nach dem abgeleisteten Wehrdienst holt er fehlende Gymnasialjahre nach und macht Abitur.

Die Pionierkaserne, in der Kästner eine Infanterieausbildung absolvierte, befindet sich am weiteren Verlauf der Königsbrücker Straße. Am Eingang hat er oft Wache zu stehen. Von dort ist es nicht weit bis zum St.-Pauli-Friedhof, wo die Eltern ihre letzte Ruhe finden werden. 1919 geht Erich Kästner zum Studium nach Leipzig, nach Rostock und Berlin. Ab 1922 ist er wieder in Leipzig, wo er 1925 promoviert. Ab 1927 arbeitet Kästner in Berlin als Theaterkritiker und Journalist, schreibt Texte, Gedichte, Couplets für die fiebrige Kabarettszene der Hauptstadt. Während der Nazizeit hat er offziell Schreibverbot, lebt unauffällig, schreibt unter Pseudonym Drehbücher, wie den populären Münchhausen-Film mit Hans Albers in der Titelrolle. Nach dem Krieg lässt er sich in München nieder.

1967 kommt er ein letztes Mal in seine Geburtsstadt Dresden, zu einer Lesung in der Gemäldegalerie des Zwinger. Am 29. Juli 1974 stirbt der inzwischen vor allem durch seine Kinderbücher beliebte Schriftsteller in der bayerischen Landeshauptstadt. Und ich selber bin, was sonst ich auch wurde, eines immer geblieben: ein Kind der Königsbrücker Straße.

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Das Erich-Kästner-Museum in Dresden wurde nach umfassender Sanierung und konzeptioneller Neuausrichtung im vergangenen Jahr neu eröffnet, derzeit ist es im Rahmen der pandemiebedingten Einschränkungen geschlossen. Zu einem späteren Zeitpunkt werde ich die Einrichtung auf con=libri vorstellen.

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Kästner, Erich: Als ich ein kleiner Junge war. – 11. Aufl., München, 2009

Stresow, Matthias: Auf den Spuren Erich Kästners in Dresden. – Dresden, 2014

„… waldbegraben, an einer reichlich-frischen Brandung“

Das Ostseebad Graal-Müritz und die Dichter

Erich Kästner wuchs in Dresden auf. 1899 in der barocken Elbe-Stadt geboren, machte er mit 15 Jahren die erste größere Reise. Von einer wohlhabenden Tante finanziert, führte sie über Berlin an die Ostsee. In den Sommerferien des Jahres 1914 stand er zusammen mit seiner Cousine und der geliebten Mutter „vom Strandhafer zerkratzt, zwischen den Dünen und sah aufs Meer hinaus. Auf diesen atemberaubend grenzenlosen Spiegel aus Flaschengrün und Mancherleiblau und Silberglanz … Das Meer war groß und blind, unheimlich und voller Geheimnisse.“

Dem ersten Staunen folgte bald überraschende Erkenntnis: „Am Rande des Erhabenen fand das Lächerliche statt. Man war aus den Städten geflohen und hockte jetzt, angesichts der Unendlichkeit, noch viel enger nebeneinander als in Hamburg, Dresden und Berlin. Man quetschte sich auf einem Eckchen Strand, laut und schwitzend zusammen wie in einem Viehwagen … Während der Ferien lagen die Mietskasernen am Ozean … Der Mensch glich dem Schaf und trat in Herden auf.“

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Im späten Winter 2013, der bis weit in den April und über Ostern dauerte, sah es ganz anders aus. Nur wenige Menschen besuchten die norddeutsche Küste oder buchten in einem der Urlaubsorte. Statt leichter Bademoden dicke Parkas, Thermo-Anoraks, Schals und Kapuzen, Handschuhe und warme Schuhe. Stille und beschauliche Einsamkeit auf langen Spaziergängen, eisige Wellengicht und vom Schnee geweißte Dünen, leichtes Gehen auf gefroren festem Sand, kalte Winde von Ost, kein Geruch von Sonnenmilch, keine üppigen Eistüten, die allzu leichte Beute wendiger Seemöwen werden können, reichlich Platz in den Frühstücksräumen der Pensionen, den Restaurants und Fisch-Imbissen. Anfang April 2013 sind die Fotos zu diesem Beitrag entstanden.

„Als ich ein kleiner Junge war“ heißen die Kindheitserinnerungen Erich Kästners. In raffiniert naiv gestalteter Form schildert er humorvoll ironisch die Jahre vor dem Ersten Weltkrieg aus dem Blickwinkel eines Heranwachsenden. Müritz war der Ort in den er damals mit Mutter, Tante und Cousine reiste. Ein inzwischen seit über 150 Jahren beliebtes, in allen Epochen und Gesellschaftssystemen viel frequentiertes Seebad, das nach und nach mit dem Nachbardorf zusammenwuchs und sich heute Graal-Müritz nennt. Es liegt knapp 30 Kilometer nordöstlich von Rostock, kurz vor der Halbinsel Fischland-Darß.

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Tucholsky war hier und Hans Fallada (1893 – 1947) hat zwischen 1905 und 1909 mehrere Ferien in Graal verbracht. Alfred Kerr kam auf einer Fahrradtour durch Müritz und das damals noch sehr kleine, verstreut besiedelte Graal – „waldbegraben, an einer reinlich-frischen Brandung, sagt mir sofort zu“, schrieb er im Juni 1915 in sein Notizbuch. 1906 lernte Robert Musil in Graal die sechs Jahre ältere Martha Marcovaldi; 1911 heirateten die beiden. Im ansehnlich renovierten „Haus Ithaka“ befindet sich heute die öffentliche Bäder-Bibliothek; der Dramatiker und Drehbuchautor Rudolf Presber (1868 – 1935) wohnte hier und von 1963 bis 1969 der Schriftsteller Herbert Nachbar (1930 – 1980).

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Einer der sehr gerne dem Trubel und Gedränge der Hochsaison aus dem Wege ging war Walter Kempowski (1929 – 2007). In seinem autobiographischen Journal „Sirius“ schildert er Eindrücke von 1990: „Im Mai habe ich ein paar Stunden am Strand von Graal gesessen, es war wunderbares Wetter, und keine Menschenseele war zu entdecken. Es waren keine Spuren mehr auszumachen von den großen Tagen meiner Eltern.“

Vor dem zweiten Weltkrieg wohnten die Kempowskis in der Rostocker Augustenstraße, in einem Gebäude im Bauhausstil. Unter dem Dach hatte Walter ein kleines Mansardenzimmer. Der Vater war ein wohlhabender Reeder. Graal wurde von der Familie oft besucht, man hatte es ja nicht weit. Eine Bilderserie in „Sirius“ auf den Seiten 358 folgende, zeigt Eltern, Großeltern und andere Verwandte am Ostseestrand. In hochgeschlossenen, hellen Kleidern sitzen die Frauen im Strandkorb, die Männer tragen Anzug und Hüte, Mädchen in Matrosenkleidern spielen in einem Segelboot das im Sand aufgebockt wurde, eine Windmühle ist zu sehen.

„In Erinnerung an unseren großen Kollegen Cäsar Flaischlen“, schrieb Walter Kempowski im April 1993 in das Gästebuch eines Lokals in dem dieser um 1900 sehr populäre Schriftsteller einst verkehrte. „Hab Sonne im Herzen, / ob’s stürmt oder schneit, / ob der Himmel voll Wolken, / die Erde voll Streit!“ (singbar nach der Melodie von ‚Der Mai ist gekommen‘), beginnt eines der bekanntesten Gedichte Cäsar Otto Hugo Flaischlens (1864 – 1920), der in Stuttgart zur Welt kam, später in Berlin lebte und ein Bekannter Hermann Hesses war.

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An klaren, frostigen Wintertagen geht der Blick weit hinaus übers offene Meer. Im Norden sind Dänemark und Schweden zu ahnen, im Osten das Baltikum. Fernweh stellt sich ein, Wehmut und sanfte Melancholie. Eine Stimmung, die den Winter-Strandgänger an Franz Kafka (1883 – 1924) denken lässt, dessen letzter Sommer in ganz besonderer Weise mit diesem Flecken am Meer verbunden ist. Im Juli 1923 bezog er ein Zimmer in der Pension „Glückauf“, schon lange schwer krank. Tuberkulose, Magen- und Darmkrämpfe, immer wieder Fieberschübe. Gegen den Rat des Arztes hatte die Familie dem Vierzigjährigen einen Ostsee-Aufenthalt verordnet.

Über die Zwischenstation Berlin, kam er, bei Sommerhitze fröstelnd, weil wieder einmal fiebernd, in Graal-Müritz an. Bei offener Balkontür hörte er Kinder singen. Es waren jiddische Lieder, gesungen von Kindern, die unbeschwerte Ferienwochen im „Berliner Jüdischen Volksheim“ verbrachten. Alsbald nahm Kafka an einer Sabbatfeier in dieser Einrichtung teil. Und „… am Abend des 13. Juli, eine Woche nach seiner Ankunft, ging Kafka hinüber … Durch ein Fenster im Erdgeschoss blickte er in die Küche, in der eine junge Frau beschäftigt war, eine Frau mit halblangen, dichtem, lockigem Haar, runden Wangen und vollen Lippen.“

So lernte der Schriftsteller die letzte große Liebe seines Lebens kennen. Dora Diamant, ein „dunkles Geschöpf“, wie sie sich selbst bezeichnete, 1898 in der Nähe von Lodz geboren, einem Gebiet, das damals zum russischen Zarenreich gehörte.

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„Dora“ heißt das Kapitel in „Kafka. Die Jahre der Erkenntnis“, einem von drei Bänden Reiner Stachs großer und großartiger Kafka-Biographie, in dem er diese Begegnung und die kurze Zeit schildert, die dem Paar bleiben sollte. Dora und Franz hatten sich gegen alle Vernunft und Ratschläge zum gemeinsamen Lebensweg entschieden. Unter ständigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten und in wechselnden Untermiet-Quartieren, lebten sie nach dem Müritzer Sommer in Berlin.

Michael Kumpfmüller hat aus diesem Lebensabschnitt Kafkas einen schönen, einfühlsamen Roman gestaltet. „Die Herrlichkeit des Lebens“ wird für den längst todkranken Dichter ein letztes Mal sichtbar, spürbar. Auf der Basis von Kafkas Tagebüchern, Briefen und letzten Texten hat Kumpfmüller eine bewegende Liebesgeschichte geschrieben. Dora Diamant blieb bei Franz Kafka bis zu dessen Tod am 3. Juni 1924 im niederösterreichischen Kierling, nahe Wien.

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Literatur

Kästner, Erich: Als ich ein kleiner Junge war. – Zürich, 1996

Kempowski, Walter: Sirius. Eine Art Tagebuch. 2. Aufl. – München, 1990

Kumpfmüller, Michael: Die Herrlichkeit des Lebens. Roman. – Köln, 2011

Puttkammer, Joachim: Schriftsteller in Graal-Müritz. 2. Aufl. – Rostock, 2004

Stach, Reiner: Kafka. Die Jahre der Erkenntnis. – Frankfurt am Main, 2008

 

 

 

Marcel Reich-Ranicki

„Wäre es nicht richtiger, die Poesie in das Centrum zu setzen?“ (Friedrich Schlegel, Notizen zur Philosophie)

Am Tag nach seinem Tod sahen viele Titelseiten der Tageszeitungen aus, wie sie früher immer aussahen. Unbunt. Ein großes Schwarzweiß-Portrait des Verstorbenen wurde an prominenter Stelle plaziert. Auf diesen Bildern sieht er aus, wie er für uns viel jüngere – heute durchaus auch schon Fünfzig- oder Sechszigjährigen – aussah seit wir ihn kannten. Alterslos alt, kritisch gefaltetes Gesicht, ironisch geschwungene Lippen, starke Brille. Ein temperamentvoller Mann mit lebenskräftiger Ausstrahlung.

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Er gehörte zu Jenen, die Zögerlichen wie mir versicherten, dass man die Beschäftigung mit Literatur zu einem Hauptbestandteil des eigenen Lebens machen darf. Hauptberuflich, außerberuflich, überhaupt. Wie es sich ergibt. Wie es gefällt. Alle schrägen Blicke und verletzenden Einwände, alle Verdächtigungen von ach so regen, zerstreut und unruhig tätigen Zeitgenossen, können getrost und ohne Rechtfertigungszwang ignoriert werden. Marcel Reich-Ranicki lebte eine unbedingte Hingabe an die Literatur vor. Leben in, mit und für Literatur, verstanden als Gunst, nicht ohne auch Genuss und “viel Spaß” daran zu haben.

Viel Freude und intensives Interesse hatte er am großräumig realistischen Erzählen. Mit ihm teile ich die Begeisterung für die gewichtigen Gesellschaftsromane des 19. Und 20. Jahrhunderts. Und im Gegensatz zu ihm, werde ich hoffentlich noch etwas Zeit haben um entsprechende Werke des 21. Jahrhundert zu entdecken. In der weitausholenden Epik muss – darauf legte er ausdrücklich Wert – immer auch viel Platz für die Liebe sein, auch die erotische Liebe.

Das galt ebenso für von ihm geschätzte Lyrik. Für starke Poesie, für Verse, Lieder, Bilder von bleibendem Wert, setzte er sich ein. Als Herausgeber seiner Frankfurter Anthologie. Zeitlose Höhepunkte der Dichtkunst aller Epochen wurden regelmäßiger und fester Teil einer einflussreichen Tageszeitung und erschienen in Buchform. Es ist sehr zu hoffen, dass die Serie nicht endet, dass “seine” Zeitung auch in Zukunft dafür Raum bietet. Von ihm habe ich mir sagen lassen, dass Bert Brecht einer der wichtigsten deutschsprachigen Lyriker neuerer Zeit war. Das hatte ich selbst nie so wahrgenommen. Jetzt sah ich Brecht mit anderen Augen, las ihn völlig neu.

Thomas Manns letzter Roman blieb Fragment, denn ursprünglich hatte er einen weiteren Teil geplant. Es war dieses Buch, das ich von ihm als erstes in die Hände bekam – eher zufällig, vielleicht aus Neugierde. Stundenlang saß ich, versunken in den “Krull” und in einen alten, weinroten Plüschsessel. Ich werde damals wohl etwa 17 oder 18 Jahre alt gewesen sein. Was habe ich verstanden, was empfunden? Die Sprache, der Ton, die Melodie, seine Ironie und die genial aus Realität geformte Erzählung, gewannen mich, wie ich jetzt im Rückblick feststellen kann, zunächst für sein Werk, später auch für Person und Umfeld. Es wird wohl eine lebenslange Beziehung bleiben. Dauerhaft wurden „Doktor Faustus“, „Tonio Kröger“ und „Der Tod in Venedig“ zu meinen ganz persönlichen „Hauptwerken.“ Wobei ich sagen muss, dass natürlich die „Buddenbrooks“ eine herausgehobene Sonderstellung einnehmen. Dieses Buch ist dann doch zu „famos“, grandios und virtuos.

Berlin, Thomas Mann

Thomas Mann, 1929, das Jahr in dem ihm der Nobelpreis verliehen wurde. – Quelle: Bundesarchiv Berlin. Bild 183-H28795

“Je mehr wir von Thomas Mann zu lesen bekommen, desto schwieriger wird es, diesen Leistungsethiker, diesen gigantischen Enzyklopädisten zu lieben – und desto leichter, in zu bewundern, ja zu verehren.” (Marcel Reich-Ranicki, “Das Genie und seine Helfer”, 1976)

Wo soll man bleiben mit eigener Bewunderung und Verehrung, die etwas einsam machen kann? Da freut man sich Gesinnungsbrüder zu finden. Wobei in diesem Fall Gesinnungs-Vater vielleicht die passendere Bezeichnung wäre. Es war in den letzten Jahrzehnten nicht immer leicht sich als leidenschaftlicher Thomas-Mann-Leser zu bekennen. Es gab viele Schnellaburteiler, kenntnisfreie Verächter. Wer, wie Marcel Reich-Ranicki, beim Thema Thomas Manns Epik ins Schwärmen, sehr leicht auch in referierendes Monologisieren geriet, stieß vielfach auf Ablehnung. Marcel Reich-Ranicki verdanke ich die Bestätigung meiner Ahnung, dass Thomas Mann der bedeutenste Epiker deutscher Sprache, mindestens des 20. Jahrhunderts ist. Und dass man sich zu diesem exzellenten Wirklichkeitsgestalter, handwerklich höchst anspruchsvollen Satzdrechsler und bitter-zartem Ironiker ohne Scheu und Reue bekennen kann. Er hat die umfangreiche, breitangelegte literarische Form zur Vollendung gebracht.

 “Es gibt nichts Gutes außer: Man tut es.”

Erich Kästners Kinderbücher haben inzwischen vielen jungen Generationen gut getan. Wie oft habe ich das „Fliegende Klassenzimmer“ gelesen? Ich kenne alle Verfilmungen des Stoffes. Von Erich Kästner konnte, wer wollte, erfahren, das die scheinbare Unvernunft von Kindern, die vernünftigere Geisteshaltung ist. Dann natürlich seine Chansons und Gedichte für Erwachsene aus der Zeit der Weimarer Republik. “Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn?” Sein Berliner Krisen-Roman „Fabian“, über die Hilflosigkeit des Individuums. Über Arbeitslosigkeit und Elend, die Endzeitstimmung der Zwischenkriegsjahre. Diese Geschichte eines begabten Menschen dem immer mehr die Hoffnung auf eine erträgliche Zukunft schwindet. Der Ausweg der sich dann doch abzeichnete, und von vielen Zeitgenossen Kästners, auch Künstlerkollegen, euphorisch eingeschlagen wurde – er führte in die Nazi-Diktatur mit all ihren furchtbaren Folgen.

Erich Kästner 1968 bei Dreharbeiten in München. Foto: MoSchle

Mit Marcell Reich-Ranicki teile ich die Sympathie für den Schriftsteller – und ein bisschen auch für diesen sächsischen Muttersohn – Erich Kästner. Zu dessen 75. Geburtstag erschien ein mehrspaltiger, liebevoller Aufsatz Reich-Rinickis in der FAZ. Zurückhaltend bis wohlwollend äußerte er sich über Kästners Verhalten während des Dritten Reichs. Kästner habe seine besondere Form des inneren Exils gewählt. Für den Autor spräche auch, dass seine Bücher von den Nazis verbrannt wurden. „Deutschlands Exilschriftsteller honoris causa“ nennt ihn deshalb der Kritiker. Für ihn war er „der Sänger der kleinen Leute, der Dichter der kleinen Freiheit.“ Kästner wollte niemanden erlösen, glaubte nicht die Welt verbessern zu können. „Er hatte nicht mehr und nicht weniger zu bieten als Grazie und Esprit, Humor und Vernunft“, heißt es im Aufsatz von 1974.

Marcel Reich-Ranickis Autobiographie „Mein Leben“ wurde ein internationaler Bestseller. Hier trat er den Beweis an, dass auch er zu den richtigen Erzählern gehört. Was mag es ihm bedeutet haben, dass sein kommerzieller Erfolg mit diesem Buch manches übertraf was die von ihm gelobten oder gescholtenen Autoren verfasst hatten? Die Lektüre von Reich-Ranickis Lebensbeschreibung war für mich einer der wichtigsten und ehrlichsten, mich sehr unmittelbar erreichenden Einblicke in die Ungeheuerlichkeiten des Dritten Reichs und das Schicksal deutscher und osteuropäischer Juden. Dieses Buch hat mein Geschichtsbild noch einmal nachhaltig geschärft und mich erneut gegen alle Formen von Relativierung sensibilisiert.

Aus seinem Schicksal schöpfte er selbst Mut, Kraft und Zuversicht. Man kann das mit eigenem Verstand kaum fassen. „Schrecken konnte ihn wenig. Er hatte andere Schrecken erfahren und überlebt,“ schrieb Volker Hage im „Spiegel“. Allen Pauschalverurteilungen hat er, der jedes Recht auf lebenslangen Hass gehabt hätte, sich stets verweigert, und bleibt so dauerhaftes Vorbild für die eigenen Sichtweisen der Gegenwart.