„Schöne Atmosphäre … nette Leute“ *

 Was wird aus dem Gasthof Adler?

“Es hat geschmeckt: literarisch-kulinarisch”, schrieb ein unbekannter Gast jenes “Literarischen Diner”, das im Frühjahr 2002 zum 75. Geburtstag von Martin Walser stattfand. In Großholzleute, einem Vorort von Isny. Im historischen Gasthof Adler. Das waren noch Zeiten! Seit über einem Jahr steht das traditionsreiche Land-Gasthaus inzwischen leer.

Dorf früher, das waren Kirche, Friedhof, Gasthof, drumherum Feld, Wald und Wiesen. Dorf heute: Drumherum das eine oder andere Neubaugebiet, kleinere bis mittelgroße Handwerks-, Industrie- oder Dienstleistungs-Ansiedlungen. Netto, Penny oder Preisfux. Getränkemarkt. Der Friedhof wurde vergrößert. Die Kirche steht noch. Am Gasthaus hängt ein Schild: „Geschlossen“. So auch am Adler in Großholzleute. Und der Kasten in dem einst die Speisekarte den Einkehrenden Appetit machte ist leer. Staubig, spinnverwebt.

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Vor gut zehn Jahren gab es noch etwa 48.000 dörfliche Gasthäuser in Deutschland. Inzwischen sind es weniger als 35.000. In Baden-Württemberg ist im gleichen Zeitraum die Zahl der Gastronomiebetriebe gestiegen; doch der Zuwachs fand fast ausschließlich in den Städten statt. Es ist schwierig geworden im ländlichen Raum Speiß’ und Trank in einem Ambiente anzubieten, das den Bedürfnissen einer mobilen, anspruchsvielfältigen Gesellschaft gerecht wird und wirtschaftlich erfolgreich betrieben werden kann.

Acht Jahre bewirtschafteten die letzten Besitzer den Adler. Zwei Jahre haben sie vergeblich nach Nachfolgern gesucht, im Frühjahr 2013 gaben sie auf, sahen für sich und ihren Betrieb keine Zukunft mehr und wanderten nach Südafrika aus. Seitdem stehen Gaststätte und Saal leer. Die Liegenschaft mit ihrer langen Geschichte geht einer ungewissen Zukunft entgegen.

Es war ein Ritter Syrg zu Syrgenstein der das Gebäude um 1400 errichten ließ. Drumherum wurde ein Wassergraben angelegt; so sicherte man sich damals vor unerwünschten Besuchern. Es war zunächst Amtshaus, im oberen Stockwerk war die “Gerichtslaube”. Mehrfach wurde es im 16. und 18. Jahrhundert erweitert und umgebaut, der Wassergraben trockengelegt. Fast 150 Jahre diente es dem “Logistikkonzern” Thurn und Taxis als Postwirtshaus, als Station für Postkutschen und Eilboten. Der Adler entwickelte sich zum Mittelpunkt des kleinen Dorfes. Bis heute liegt er strategisch günstig an der Verbindung von Lindau nach Kempten.

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Was hat das alte Haus nicht alles gesehen? 1525 trafen sich aufständische Bauern, berieten ihr Vorgehen gegen Adel und Klerus, die sich im Schwäbischen Bund organisiert hatten und vom berüchtigten Bauernjörg angeführt wurden. Die österreichische Kaiserin Maria Theresia machte in den 1760er-Jahren mehr oder weniger freiwillig hier Station. Ihre Tochter Marie Antoinette war im Mai 1770 zu Gast. 1899 wurde ein kleiner Wirtsgarten angelegt, den es bis heute vor dem Haus gibt. Ungestört gedeiht im warmen Juni 2014 allerhand Pflanzliches. 1987 logierte die englische Prinzessin Anne, als sie ein Wintersportereignis in der Region besuchte, für einige Tage im Adler.

1958 fand hier das legendäre Treffen der Gruppe 47 statt, bei dem Günter Grass erstmals aus der Blechtrommel las. Siehe dazu: “Auftritt Oskar Matzerath” – im Mai auf con=libri erschienen. “Und wer mich lieber hat als ich, / der schreibe sich hier hinter mich”, trug Walter Höllerer damals ins Gästebuch ein. “das ist nicht schwer”, ergänzte Martin Walser. Und jemand der seinen Namen nicht nannte schrieb etwas weiter unten die demonstrative Aussage: “Der Mensch ist gut!” In Klammern wird als Urheber dieser Aussage der italienische Tenor Benjamin Gigli genannt. Wie auch immer – Wolfgang Hildesheimer und Ilse Aichinger stimmten jedenfalls per Unterschrift zu. Die Teilnehmer Carl Zuckmayer und Max Frisch haben im Mai 1958 lediglich ihre Namenszüge hinterlassen.

Doch in den dörflichen Schänken landauf, landab, wird nicht auf Nobelpreisträger, nicht auf die Geschichte des Oskar Matzerath gewartet. Hier wurde bei Bier und Deftigem schon immer und wird immer noch erzählt. Familiäres, Gerüchte, Klatsch und Tratsch, wahre und halbwahre Geschichten, mehr oder weniger Erfundenes, Witze und Anekdoten. In Dorf-Beizen brodelt literarischer Urschlamm, der Dichter und Dichterinnen, seit die Höhlen- und Lagerfeuer von gezimmerten oder gemauerten Einkehrmöglichkeiten abgelöst wurden, reichlich Rohstoff für ihr literarisch-künstlerisches Gestalten bietet.

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Die Schließung des Adler fand angesichts seiner literarischen Vergangenheit sogar in der überregionalen Presse Beachtung. “Der kaschubische Gnom Oskar Matzerath … ist ein Kind des Allgäus. Als literarische Figur machte Günter Grass die Weltöffentlichkeit mit der Romanfigur in dem Örtchen Großholzleute bekannt”, schrieb die FAZ unter der Überschrift “Der Adler fliegt nicht mehr”. Der Tübinger Regierungspräsident – Großholzleute liegt im äußersten südöstlichen Zipfel dieses Regierungsbezirks, hart an der Grenze zu Bayern – sprach von einem “Juwel”, dass erhalten bleiben muss. Seine Behörde verschickte viele tausend Postkarten für einen Ideenwettbewerb. Als häufigster Wunsch kam der nach einem ganz normalen ländlichen Gasthof in dem man gut und preiswert essen und trinken und sich zum Stammtisch treffen kann.

Ein Makler wurde von den bisherigen Besitzern beauftragt nach Käufern zu suchen. Im Hintergrund, und bisher noch ohne greifbares Ergebnis, bemühen sich Landkreis Ravensburg und Stadt Isny einen Investor zu finden. Eine solvente Brauerei wäre sicher willkommen. Denn es gibt viel zu tun. Das Gebäude ist denkmalgeschützt, Renovierung und Umbau für neue Nutzungen dürften einige Mittel erfordern. Der mit viel bürgerschaftlicher Initiative erhaltene, renovierte und heute vielfältig genutzte Bahnhof Leutkirch könnte vielleicht als Modell dienen. Und natürlich wünschen wir Idealisten, wir Kulturfreunde, uns eine Zukunft für den Adler, in der Dichter und Denker, Literatur, Philosophie und Geschichte einen prominenten Platz bekommen.

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* Bruchstücke eines Eintrags, der ebenfalls während des literarischen Diner für Martin Walser in das Gästebuch des Adler geschrieben wurde. Ich habe ihn nicht nur ungefragt verwendet, sondern auch noch  für meine Zwecke entstellt. Er stammt von U. Schneider und lautet im Original: “Schöne Atmosphäre, gute Texte, nette Leute, eine Wiederholung wäre schön.” Ein (sog. frommer) Wunsch, dem ich mich gerne anschließe.

Auftritt Oskar Matzerath

1958. Gasthof Adler in Großholzleute. Günter Grass liest erstmals öffentlich aus der „Blechtrommel“.

Die 20. Tagung der Gruppe 47 fand, wenn man es wohlwollend ausdrückend will, in reizender Voralpenlandschaft statt. Nüchterner formuliert: Weit ab von den kulturellen Zentren, einige meinten, „wo Hase und Igel sich gute Nacht sagen.“ Nicht zum ersten Mal hatte man sich für ein ländliches Quartier entschieden. Einige Kilometer hinter Isny liegt das Dörfchen Großholzleute, inzwischen längst in den württembergischen Kurort eingemeindet.

Vom 31. Oktober bis 2. November 1958 versammelten sich die von Hans Werner Richter eingeladenen Schriftsteller und Schriftstellerinnen im historischen Gasthof Adler. Knapp an die viel befahrene Straße nach Kempten gebaut, verfügte das Wirtshaus, neben niedrig uriger Gaststube, über einen geräumigen, nach hinten gelegenen Saal. Das Ambiente war gediegen Altdeutsch: Bretterdielen, schon etwas wackelige Holztische, holzverkleidete Wände an denen zahlreiche Geweihe hingen, die niedrigen Fenster sorgten für Dauerdämmer. Die Abgeschiedenheit erzeugte den erwünschten Klausurcharakter.

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Der Gasthof Adler nahe Isny in den 1950er Jahren.

Zu den uns heute noch bekannteren Teilnehmern zählten Wolfgang Hildesheimer, Hans Magnus Enzensberger (ja, den gab es damals auch schon!) und Ilse Aichinger. Zum ersten Mal dabei war ein erst vor kurzem aus Polen übersiedelter, den meisten noch unbekannter Literaturkritiker namens Marcel Reich-Ranicki. Medienvertreter kamen nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus den Nachbarländern Schweiz und Österreich, aus den Niederlanden und Polen, selbst die BBC war vertreten. Das Interesse der Medien wurde nun von Jahr zu Jahr größer. In den folgenden Jahren entwickelte sich ein regelrechtes Berichterstattungs-Spektakel. Die Person des Dichters, der Dichterin wurde für viele Jahre zur beliebten Medienfigur und damit zum Protagonisten auf der Bühne der Eitelkeiten und Marktmechanismen. Seit jedoch breite Fernsehpenetranz das Volk beglückt, ist das öffentliche Interesse an der schreibenden Elite wieder stark gesunken.

Das Prozedere auf den Tagungen der Gruppe 47 war bereits zum Ritual geworden. Der Autor liest, das Forum kritisiert, der Dichter hat zu schweigen. Selten gab es Abweichungen oder wurden Sonderwünsche erfüllt, wie die eines polnischen Teilnehmers, dem es erlaubt wurde im Adlersaal bei Kerzenschein zu lesen. Doch die 20. Zusammenkunft der Schreiber-Zünftlinge wurde noch aus einem anderen Grund etwas ganz Besonderes. Auf dieser Veranstaltung im abseits gelegenen, historischen Landgasthof begann eines der bedeutendsten Kapitel deutschsprachiger Literaturgeschichte der – damals sogenannten – Nachkriegszeit.

„Zugegeben: Ich bin Insasse einer Heil- und Pflegeanstalt, mein Pfleger beobachtet mich, läßt mich kaum aus dem Auge; denn in der Tür ist ein Guckloch, und meines Pflegers Auge ist von jenem Braun, welches mich, den Blauäugigen, nicht durchschauen kann… Ich beginne (mit der Erzählung) weit vor mir; denn niemand sollte sein Leben beschreiben, der nicht die Geduld aufbringt, vor dem Datieren der eigenen Existenz wenigstens der Hälfte seiner Großeltern zu gedenken.“

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Es war ja kein gänzlich Unbekannter, der da auf altem, etwas klapprigen Stuhle sitzend diese ersten Sätze aus seinem noch unveröffentlichten Roman den versammelten Schriftsteller-Kollegen, (wenigen) Schriftstellerinnen, Kritikern und Medienvertretern vorlas. Günter Grass hatte bereits 1955 in Berlin erstmals vor der Gruppe 47 gelesen. 1956 war sein Gedichtband „Die Vorzüge der Windhühner“ erschienen, ein Jahr später wurde in Frankfurt am Main das Stück „Hochwasser“ uraufgeführt. 1957, beim Treffen in Starnberg, trug er Lyrik vor und war mit einigen seiner Grafiken angereist, die den Teilnehmern zum Kauf angeboten wurden. Er brauchte Geld. Doch nicht jeder kannte den „jungen Mann mit mächtigem Schnurrbart“, wie ihn Marcel Reich-Ranicki nannte. Grass wirkte auf viele etwas grobschlächtig, hinterwäldlerisch. Ein Bildhauer sei das, der auch dichtet, wussten Einige.

Marcel Reich-Ranicki hatte ihn bereits im Mai 1958 in Warschau kurz kennengelernt. Der ihm damals noch unbekannte Steinmetz, Grafiker und Schriftsteller erzählte dem sehr an deutscher Literatur interessierten „Fremdenführer“ von seinen Romanplänen. „Das wunderte mich nicht“, schrieb Reich-Ranicki in seinen Erinnerungen, „denn ich habe in meinem ganzen Leben nur wenige deutsche Schriftsteller kennengelernt, die nicht gerade an einem Roman arbeiteten.“ Als ihm Grass anvertraute, dass die Hauptfigur ein Zwerg mit Buckel und Insasse einer „Irrenanstalt“ sein würde, urteilte er: „Eines schien mir sicher: aus dem Roman wird nichts werden.“

Grass lebte seit 1956 zusammen mit seiner damaligen Frau Anna Schwarz in Paris. Die Wohnverhältnisse waren schlecht, Geld knapp. Doch wie bei Grass üblich: es wurde gelebt, geliebt, gezeugt, getanzt und gekocht. Und fleißig geschrieben. Es war dies die Zeit in der Grass mit den ersten Aufzeichnungen zur „Blechtrommel“ begann. Frühe Ideen sahen als mögliche Titel für das Werk „Oskar der Trommler“ oder schlicht „Der Trommler“ vor. Erst in der vierten Fassung des Romans – die ersten drei endeten später als Heizmaterial – bekam dieser seinen endgültigen Titel.

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Günter Grass, 2010 auf der Leipziger Buchmesse.

„Einige Kritiker hielten ihn für eine Naturbegabung, was wohl eher abwertend als anerkennend gemeint war…“ (Hans Werner Richter). Im Westallgäuer Adler las Grass zwei Kapitel aus der „Blechtrommel“. Das erste, das mit dem bekannten, oben zitierten Satz beginnt und das vierunddreißigste. In diesem wechselt der Autor den Erzähler. Nicht mehr Oskar Matzerath führt das Wort – geschwollene Finger machen inzwischen sowohl das Trommeln, wie auch das Halten eines Füllfederhalters unmöglich – sondern einer seiner Pfleger.

„Ich, Bruno Münsterberg, aus Altena im Sauerland, unverheiratet und kinderlos, bin Pfleger in der Privatabteilung der hiesigen Heil- und Pflegeanstalt. Herr Matzerath … ist mein Patient… Herr Matzerath ist mein harmlosester Patient… Nie gerät er so außer sich, daß ich andere Pfleger rufen müßte. Er schreibt und trommelt etwas zu viel. Um seine überanstrengten Finger schonen zu können, bat er mich heute, für ihn zu schreiben…“

Die barock anmutende Formulierungskunst, die erzählerische Wucht, überraschte dieses erste Auditorium. Von Schriftstellern, die vor der Gruppe 47 lasen, wurde eigentlich stilistisch Neuartiges erwartet. Man wollte die Literatur der Weimarer Republik und des Exils endgültig hinter sich lassen. Dass die deftigen Passagen der Geschichte nach Erscheinen des Buches für den einen oder anderen Skandal in der Adenauer-Republik sorgen würden, ahnte noch keiner der Zuhörer. Das Echo war insgesamt positiv. „…mir haben die beiden Kapitel gefallen, sie haben mich nahezu begeistert“, drückte Marcel Reich-Ranicki aus, was wohl die meisten empfanden. Sein Urteil über das fertige Buch, das er für die Münchener Wochenzeitung „Die Kultur“ besprach, fiel dann etwas doppeldeutiger aus: „Grass schreibt eine unkonventionelle, kräftige ja sogar wilde Prosa… Er kann beobachten und schildern, seine Dialoge sind vorzüglich, sein Humor ist grimmig und originell und er hat viel zu sagen.“ Reich-Ranicki entwickelte sich nach und nach zum obersten Grass-Kritiker und –Skeptiker.

indexNach der fulminanten Lesung des dunkelhaarigen, schnurrbärtigen Kaschuben, war das Interesse an Hans Magnus Enzensberger und Klaus Roehler, die unglücklicherweise nach diesem Naturereignis lesen mussten, deutlich flauer. Der Tag klang aus, wie die meisten Abende der Gruppen-Treffen – bei intensiven Diskussionen und reichlich Wein, Bier und Rauch.

Günter Grass bekam spontan den „Preis der Gruppe 47″, dessen Vergabe eigentlich drei Jahre zuvor eingestellt worden war. Verlage sagten dafür kurzfristig 5000 Deutsche Mark zu (Böttiger). Laut Toni Richter soll Grass sogar DM 6.500 Preisgeld bekommen haben. Eine für damalige Verhältnisse beträchtliche Summe (Ein Luxus-Auto wie der Opel Kapitän war damals für etwa 8000 DM zu haben). Grass feierte die Preisverleihung am Tresen des Gasthauses mit Allgäuer Obstler und band sich für das Erinnerungsfoto eine Krawatte um. „Im Knopfloch seines Jackets steckte eine Blume“, wusste der Biograph Michael Jürgs. Ins Gästebuch des Adler trug sich der Prämierte mit einer gezeichneten Kochmütze und einem lapidaren „Günter Grass, Paris“, ein.

Nach der Abreise aus Großholzleute machten viele Teilnehmer noch in Ulm Station. Inge Aicher-Scholl gab für die Gruppe ein Fest in der auf dem Kuhberg gelegenen Hochschule für Gestaltung. Die in der Bauhaus-Nachfolge stehende Kreativschmiede war zu ihren besten Zeiten, neben ihrem spektakulären Blick auf das gotische Ulmer Münster in der Stadtmitte, für legendäre, ausdauernde Partys berühmt und bei vielen Bürgern der Stadt auch berüchtigt. Ein kleiner Kreis fand schließlich noch für den einen oder anderen Absacker zu Erika Wackernagel, der Frau des legendären Intendanten Peter Wackernagel, der im Sommer 58 überraschend verstorben war.

Günter Grass führte der Weg vom Adler direkt nach München, wo er beim Radio des Bayerischen Rundfunks aus dem Blechtrommel-Manuskript las. Das Honorar betrug DM 800. Ab sofort war Grass ein bekannter Autor, eine prominente Persönlichkeit in Nachkriegs-Deutschland und nahezu aller Geldsorgen ledig, wenn es auch noch etwas dauern sollte bis das zuerkannte Preisgeld eintraf. „Ich selbst habe eine solche Euphorie in der Gruppe 47 nicht wieder erlebt“, blickte Hans Werner Richter zurück.

Fast ein Jahr dauerte es noch bis endlich das gedruckte Buch erscheinen konnte. Paul Celan, mit dem Grass in Paris freundschaftlichen Umgang pflegte, durfte vorab die Korrekturfahnen sehen. Grass hatte nach der Tagung im Allgäu mit Eduard Reiferscheidt vom Luchterhand-Verlag Konditionen für sich ausgehandelt, die deutlich über dem damals Üblichen lagen. Das hat sich in den folgenden Jahren und Jahrzehnten für alle Beteiligten gelohnt.

Günter Grass hielt der Gruppe 47 die Treue. Er versäumte keine der folgenden Tagungen.

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(Warum ich gerade jetzt über diese 20. Tagung der Gruppe 47 geschrieben habe, hat mit dem Schauplatz des Geschehens zu tun. Denn aus Vergangenheit und Gegenwart des Gasthauses Adler ist längst eine eigene lange Geschichte geworden. Eine Geschichte mit offener, derzeit eher unklarer Zukunft. Darüber hoffe ich in Kürze hier etwas mehr und Genaueres berichten zu können.)

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 Verwendete Literatur

Grass, Günter: Die Blechtrommel. – Neuwied : Luchterhand, 1959

Jürgs, Michael: Bürger Grass. Biografie eines deutschen Dichters. – München : C. Bertelsmann, 2002

M.-Brockman, H.: Dichter und Richter. Die Gruppe 47 und ihre Gäste. – München : Rheinsberg Verlag, 1962

Reich-Ranicki, Marcel: Mein Leben. – Stuttgart : Deutsche Verlagsanstalt, 1999

Richter, Hans Werner: Im Etablissement der Schmetterlinge. 21 Portraits aus der Gruppe 47. – München : Carl Hanser Verlag, 1986

Richter, Toni: Die Gruppe 47. In Bildern und Texten. – Köln : Kiepenheuer und Witsch, 1997