Frankfurter Buchmesse 2011

Eine kurze Nachlese in Stichworten, wobei fast nur von Büchern die Rede ist

Ob absolviert oder zelebriert – die Frankfurter Buchmesse 2011 ist vorbei. Was bleibt? Der “Sprachkurs Plus: Isländisch, systematisch, schnell und gut” von Cornelsen. Die Freude darüber, dass es gelungen ist eine Verbindung zwischen Buch- und Automobil-Branche zu konstruieren (einfach und zweckmäßigerweise deshalb, weil als Symbol des modernen Golden Kalbes der Audi-Pavillon von der Automobil-Messe noch im Weg stand). Und schließlich, unvergessen, die flammenden Sätze über vulkanische Landschaften eines Literatur- und Island-Experten namens Westerwelle (nein, mit der Brandung an Islands Küste hat das nichts zu tun) – im Hauptberuf Noch-Außenminister.

Copyright: Frankfurter Buchmesse

Auszeichnungen 1. Den Deutschen Buchpreis bekam in diesem Jahr Eugen Ruge für sein “In Zeiten des abnehmenden Lichts” (1). Ein wirklich gutes Buch. Deutsche Geschichte aus radikal östlicher Perspektive; eine Familiengeschichte über vier Generationen, sehr spannend geschrieben. Höhepunkt, wie in so manch gutem Generationen-Roman seit “Buddenbrooks”, das Weihnachtskapitel. Rasant und amüsant wie hier linienharte Stalinisten den Spagat versuchen zwischen völligem Ignorieren und gelassenem Hinnehmen dieser christlich-heidnischen Traditionsveranstaltung. Ein beachtliches und lesenswertes Buch, das diesen Preis ebenso verdient hat, wie den der nächtlichen Kultur-Sendung “Aspekte”, die damit tradtionell Debütanten auszeichnet. Ein guter, ein hoffnungsvoller Schriftsteller also? Ruge hat zwar Schreiberfahrung, doch in der Epik debütiert er mit 57 Jahren, was in der Reife seines Schreibens durchweg deutlich wird. Er hat fast ein Leben lang gesammelt und gewartet, bis er schreiben konnte, was er zu sagen hatte. Ob da dann allerdings noch etwas nachkommen kann?

Auszeichnungen 2. Sibylle Lewitscharoff, 2009 mit dem Leipziger Buchpreis für ihren Roman “Apostoloff“ ausgezeichnet, und in diesem Jahr mit ihrem Philosophen-Roman “Blumenberg” (2) immerhin auf der Short-List für den Deutschen Buchpreis, durfte sich schon einige Tage vor Messebeginn freuen. Über den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis und die damit verbundenen 30.000 Euro. Ihre Sprache macht es uns nicht leicht und mit ihrem neuesten Werk setzt sie auch noch richtig voraus. Das ist nicht unbedingt meine liebste Urlaubslektüre, aber die schwäbelnde Stuttgarterin mit den bulgarischen Wurzeln gehört sicher zu den Besten im Land.

Island 1.Eines der ältesten Zeugnisse europäischer Literatur und Ausgangspunkt allen isländischen Dichtens sind die Sagas (3). Sie erzählen vom Leben der ersten Siedler auf Island, der Landnahme, den oft blutigen Familienfehden, den Erkundungsfahrten per Schiff nach England, Schottland und sonstwohin. Islands vielleicht wichtigster Beitrag zur Weltliteratur ist neu übersetzt in fünf gut ausgestatteten Bänden bei S. Fischer erschienen.

Copyright: Frankfurter Buchmesse, Fotograf: Peter Hirth

Island 2. In den letzten Jahren zur regelrechten Titelschwemme angewachsen: Die Island-Krimis. In meiner Stadtbibliothek habe ich eher zufällig das Ur dieser Gattung entdeckt. Der Roman “Schwarze Vögel” (4) von Gunnar Gunnarson erschien erstmals 1929. Seine Handlung beruht auf einem aufsehenerregenden Rechtsfall aus dem Jahr 1802. Ein ehebrechendes Paar war auf Grund von Indizien zum Tode verurteilt worden, weil sie gemeinschaftlich die jeweiligen Ehepartner umgebracht haben sollten. Gunnarson hat für seine Geschichte die Protokolle dieses Prozesses studiert. Der Autor ist einer der wichtigsten isländischen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Er lebte von 1889 bis 1975. “Schwarze Vögel” (Svartfugl) erschien im Original in dänischer Sprache; erst später erstellte der Autor eine isländische Fassung.

Island 3. Apropos Übersetzer. Kristof Magnusson ist Hamburger mit isländischem Migrationshintergrund. Er sorgt dafür, dass wir in Deutschland den einen oder anderen isländischen Dichter überhaupt lesen können. Zahlreiche Übersetzungen von ihm haben uns Autoren wie Hallgrímur Helgason, Einar Kárason oder Audur Jónsdóttir nähergebracht. Er selbst hat uns im letzten Jahr mit seinem Roman “Das war ich nicht” (5), einer flotten, originellen und überraschungsreichen Geschichte, auch als Autor begeistert. Von ihm gibt es jetzt eine humor- und stimmungsvolle “Gebrauchsanweisung für Island” (6). Die lesbar leichfüßige Annäherung an Land und Leute.

Laxness 1. Der isländische Literaturnobelpreisträger (1955) heißt Halldór Laxness. Er hat große Romane geschrieben. Zum Beispiel “Die Islandglocke” (7). Wie Hermann Hesses “Glasperlenspiel” und der letzte Band der Joseph-Romane von Thomas Mann im Jahr 1943 erschienen (was für ein Jahr für Romane! – und die halbe Welt im Krieg). Rolf Vollmann schwärmte: “Es ist auch ein wunderbarer Swing in dieser Sprache, im ruhigen Duktus ihrer Dialoge und Berichte. Auch die Namen haben schon etwas; das Mädchen … heißt Snaefridur, der Mann Sigurdur, ein Dichter auch, außer daß er Prediger ist und Bischof werden wird; am Schluß sind sie zusammen … Das großartige Deutsch der Übersetzung ist von Hubert Seelow.”

Laxness 2. Die deutschen Ausgaben der Werke von Halldór Laxness werden im Göttinger Steidl-Verlag gepflegt. Dort ist auch die Neuausgabe einer Biographie (8) von Halldór Gudmundsson über den großen Dichter erschienen. Dafür hat der Verleger Gerhard Steidl, der Laxness persönlich gut kannte, einige Schätze aus seinem Privatarchiv gehoben. So präsentiert das Buch zahlreiche nie zuvor publizierte Fotografien aus dem ungewöhnlichen Leben des isländischen Schriftstellers und weitgereisten Weltbürgers.

Frankfurt vor wenigen Tagen. An einem kleinen Tisch im Messe-Cafè. Jung-Autor und Alt-Verleger. Jung-Autor: Haben Sie mein Manuskript gelesen? Was empfehlen Sie mir? Alt-Verleger: Lesen, lesen, lesen. So lange Sie lesen, können Sie nicht schreiben.

Copyright: Frankfurter Buchmesse, Fotograf: Alexander Heimann

Fazit. Willkommener Kontrast zu Menschenmassen, Medienauflauf und Dauer-Propaganda: “Man ist ganz auf sich geworfen. Diese Einsamkeit kann schrecklich sein, es geht aber auch eine große Faszination von ihr aus.” Was Daniela Krien über das Schreiben sagt, trifft natürlich auch auf das Lesen zu. Und das tut uns nach Frankfurt und Reykjavik jetzt so richtig gut.

(1) Ruge, Eugen: In Zeiten des abnehmenden Lichts. Roman einer Familie. – Reinbek : Rowohlt, 2011

(2) Lewitscharoff, Sibylle: Blumenberg. Roman. – Berlin : Suhrkamp, 2011

(3) Böldl, Klaus (Hrsg.): Die Isländersagas in vier Bänden mit einem Begleitband. – Frankfurt : S. Fischer, 2011

(4) Gunnarsson, Gunnar: Schwarze Vögel. Roman. – Stuttgart : Reclam, 2009

(5) Magnusson, Kristof: Das war ich nicht. Roman. – München : Kunstmann, 2010

(6) Magnusson, Kristof: Gebrauchsanweisung für Island. – München : Piper, 2011

(7) Laxness, Halldór: Die Islandglocke. Roman. – Göttingen : Steidl, Neuausg. 2009

(8) Gudmundsson, Halldór: Halldór Laxness. Sein Leben. – Göttingen : Steidl, 2011 (Erweiterte und überarbeitete Ausgabe einer 2002 erstmals auf Deutsch erschienenen Biographie)

So! Rum. April MMX

Aus aktuellem Anlass: Island von A – Z

Literarische, kulinarische und vulkanologische Aspekte.

A.

Asche. In letzter Zeit einer der weit streuendsten Export-Artikel des subarktischen Inselstaates Island. Dennoch kein echter außenwirtschaftlicher Devisenbringer, da der vulkanische Verbrennungsrückstand so reichlich vorhanden war, dass im April zwar den Mitteleuropäern eine gute Portion abgegeben werden konnte, diese jedoch keineswegs gewillt waren, die Lieferungen finanziell zu entgelten. Demgegenüber: Asche, wie Kohle, Schotter, also in der Bedeutung von Geld. Davon werden auf Island nur noch schwache Vorkommen nachgewiesen. Die meisten Summen haben negative Vorzeichen. Deshalb starkes Interesse an einer Einfuhr aus anderen – insbesondere EU – Staaten.

B.

Baldursdottir, Kristin Maja. 1949 in Hafnarfjörður geboren. Zunächst Lehrerin, dann Journalistin und schließlich Schriftstellerin. Der Roman „Möwengelächter“, in Deutschland 2001 bei Krüger erschienen, war ein erster internationaler Erfolg. 2006 erschien „Die Eismalerin“, ebenfalls bei Krüger. Das groß angelegte Familienepos ist inzwischen als Fischer Taschenbuch erhältlich. Baldursdottir ist eine der bekanntesten Schriftstellerinnen Islands.

Blöðmör. Klingt schön und wollen wir uns deshalb nicht ersparen. Eine wirklich sehr spezielle Spezialität, die auch gegessen werden kann – zumindest von Isländern: Gesäuerte Schafsblutwurst mit Zucker gesüßt und in Molke gelagert.

Buchmarkt. In Island erscheinen jährlich etwa 2000 neue Titel – bei einer Einwohnerzahl von 318.000. Umgerechnet auf deutsche Verhältnisse: Die 80 Millionen Einwohner unseres Landes müssten in jedem Jahr etwa eine halbe Million neue Bücher schreiben, herausgeben, produzieren. (In Deutschland erscheinen tatsächlich jährlich etwa 60.000 Titel, einschließlich Übersetzungen und Neu-Auflagen.)

C.

Dieser Buchstabe kommt im isländischen Alphabet nicht vor.

D.

Dichter. Wenn man weit verbreiteten Gerüchten Glauben schenkt, sind nahezu jeder zweite Isländer, jede zweite Isländerin dichterisch tätig. Im geheimen, familiären oder in aller Öffentlichkeit. Siehe auch unter Buchmarkt. Ein großer Teil der isländischen Schriftsteller schreibt Kriminalromane, auf die deutsche Buch-Käufer ganz besonders abfahren.

E.

Eyja. Kein Kosewort, sonder isländisch für Insel.

Eyjafjalla. Tag- und nachtaktiver Vulkan. Ergiebiger Lava- und Ascheproduzent.

Eyjafjallajökull. Zum Vulkan Eyjafjalla gehörender Gletscher, der sich gerne einmal verflüssigt um seiner Umgebung die Sintflut zu bringen. Eyjafjallajökull ist auch der Name für das aus Berg, Gletscher und Vulkan bestehende Gebirgsmassiv.

F.

Fjalla. Isländisch für Berg. Derzeit häufig in der Kombination mit Eyja verwendet. Siehe auch dort.

G.

Guðnason, Hilmar. Isländischer Schauspieler. Bekannt geworden durch seine Rolle in „101 Reykjavik“ (2000), einem der bekanntesten Filme aus und über Island.

H.

Helgason, Hallgrimur. Isländischer Schriftsteller, Jahrgang 1959. Sein bekannter Roman „101 Reykjavik“ (2. Aufl., Klett-Cotta, 2009) diente als Vorlage für den gleichnamigen Film von Regisseur Baltasar Kormakur. Ebenfalls bei Klett-Cotta erschien unter dem originellen Titel „Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen“ eine als Thriller verkleidete Gesellschaftskomödie.

I.

Indriðason, Arnaldur, 1961 geboren, in Deutschland sehr populärer Verfasser sog. Island-Krimis. Arnaldur Indriðason hat bislang dreizehn Romane veröffentlicht, die bis auf einen alle ins Deutsche übersetzt wurden. Hauptfigur ist meist der Kommissar Erlendur Sveinsson. Die Taschenbücher erscheinen bei Bastei Lübbe.

Isländisch. Gehört zur nordgermanischen Gruppe der indogermanischen Sprachen. Isländisch hat, wie auch Norwegisch und Färengisch, seine Ursprünge im Altwestnordischen. Eine lange Tradition hat die geschriebene Sprache. Älteste Aufzeichnungen stammen aus dem 11. Jahrhundert. Weltweit einzigartig ist die Existenz einer grammatikalischen Abhandlung aus dem Jahr 1255, die die Phonetik nach dem Prinzip der vergleichenden Lautlehre beinhaltet. Die Formen habe sich bis heute kaum verändert und mit ihnen die Konjugationen und Deklinationen ebenso wenig. Das isländische Alphabet hat 32 Buchstaben und sieht so aus: a, á, b, d, ð, e, é, f, g, h, i, í, j, k, l, m, n, o, ó, p, r, s, t, u, ú, v, x, y, ý, þ, æ, ö. (An dieser Stelle bitte ich um Verständnis, dass nicht alle 32 in meinem Island-Spezial wiederzufinden sind.)

J.

Johannesdottir, Steinuun, geboren 1948 in Akranes, Island, arbeitet als Regisseurin, Journalistin und Autorin in Reykjavík. Schreibt historische Romane. Z. B.: „Die Isländerin“, Rowohlt, 2006.

K.

Karason, Einar, geboren 1955, lebt in Reykjavík und zählt zu den wichtigsten skandinavischen Autoren der Gegenwart. Bekannt und gelobt seine Trilogie „Die Teufelsinsel“, „Die Goldinsel“, „Das gelobte Land“ – alle bei btb als Taschenbücher erschienen.

Katla. Noch mehr Vulkan als Eyjafjalla.

L.

Laxness. Wer an ein neues Wellness- oder Entspannungs-Produkt zentraleuropäischer Luxus-Ressorts denkt, liegt falsch. Vielmehr haben wir es mit einem Nobelpreisträger für Literatur (1955) zu tun: Haldor Laxness. Der Autor – er lebte von 1902 bis 1998 – ist in seinem Heimatland ein unvergesslicher Volksheld, ein nationales Denkmal. Bei uns sind nur noch wenige seiner Werke lieferbar. So etwa das einstmals sehr bekannte und auch verfilmte „Atomstation“ oder „Die Islandglocke“ und „Das Fischkonzert“.

Lundi. Achtung, für Vogelliebhaber weniger geeignet. Wieder eine der isländischen Spezialitäten von denen behauptet wird, dass man sie essen kann. Gebratener Papageientaucher. Sein Geschmack soll mit Wild vergleichbar sein, das Fleisch ist fest und zart; da es nicht sehr reichlich ausfällt, gehören immer mehrere Vögelchen auf einen Teller.

M.

Magnusson, Kristof. Ein Schriftsteller mit isländischen Namen, der aber 1976 in Hamburg geboren wurde. Er ist ausgebildeter Kirchenmusiker und studierte am Deutschen Literatur-Institut in Leipzig und an der Universität Reykjavik. Zur Zeit ist er mit dem Roman „Das war ich nicht“, Kunstmann, 2010, im Gespräch. Das Buch – flott und unterhaltsam geschrieben – beschäftigt sich mit dem Milieu ehrgeiziger erfolgreicher Banker. Magnusson ist ein junger vielversprechender Autor von dem in Zukunft sicher noch interessante Veröffentlichungen zu erwarten sind. Er ist auch als Übersetzer aus dem Isländischen tätig. Die informative Web-Site von Magnusson findet man hier: http://www.kristofmagnusson.de/

N.

Nordal, Sigurdur. (1886 – 1974), Poet, Schriftsteller, vor allem aber einer der bedeutendsten Sprach- und Literaturwissenschaftler Islands. Nachdem er in Kopenhagen Nordische Philologie studiert hatte, lehrte er in Berlin, Oxford und an der Harvard University. Ab 1919 war er Professor für isländische Sprache und Literatur an der Universität Islands in Reykjavik. Mit seinen Monographien und Aufsätzen zur älteren und neueren isländischen Literatur erwarb er sich internationales Renomèe. Seine Dichtungen, die aus der volkstümlichen Kultur schöpften, hatten großen Einfluss auf die psychologisierende Richtung der isländischen Erzählweise im 20. Jahrhundert.

O.

Oskar, Jon. (1921 – 1998) Arbeitersohn aus Akranes. Nach Land- und Realschule wurde Oskar am Konservatorium zum Pianisten ausgebildet. Er sammelte Erzählungen und Lieder, übersetzte moderne französische Literatur. Außerdem schrieb er Gedichte und Erzählungen in deren Mittelpunkt das Alltagsleben steht.

P.

Pony. Beliebtes isländisches Haustier und Fortbewegungsmittel. Kräftig, mollig, ausdauernd, mit zotteliger Mähne.

Q.

Qualen mit diesem Buchstaben bleiben den Isländern erspart.

R.

Reykjavik. Hauptstadt. 120.000 Einwohner. 15 Kunstmuseen. 9 Theater. 7 Bibliotheken. 101 Bäume, meist von minderem Wuchs.

Islands Nationalbibliothek in Reykjavik

S.

Sagas. Ur-Suppe isländischer Literatur, basierend auf unsterblichen Mythen und Heldengeschichten. Am bekanntesten ist die Edda. Die Sagas beeinflussen bis heute die nordische Literatur mit ihren Motiven, Namen und Gestalten. Die längste der zahlreichen Helden-Erzählungen ist die Njáls saga mit 97.000 Wörtern.

Stefansson, Jon Kalman ist ein Schriftsteller der jüngeren Generation, geboren wurde er 1963 in Reykjavik. Im Städtchen Mosfellsbær war er zwischenzeitlich auch als Bibliothekar tätig. In deutscher Übersetzung liegen mehrere Romane des Autors vor. Unter anderem die poetisch-humorvolle Familiengeschichte „Das Knistern in den Sternen.“

Svið. Versprochen, das letzte isländische Gericht, das in diesem Island Spezial vorkommen wird. Vielleicht ist es ja nicht das allerbekömmlichste, spektakulär hört sich das Rezept auf jeden Fall an: Ein abgesengter (geschorener) halber Schafskopf, der durchgekocht und nicht ausgenommen auf den Tisch kommt. Ältere Isländer schwören darauf. Das Auge gehört zu den besonderen Delikatessen.

T.

Thorarinsson, Arni. 1950 geboren, lebt in Reykjavík. Er arbeitet als Journalist und Autor für Zeitung, Radio und Fernsehen und gehört zu jenen Autoren, die Ende der neunziger Jahre den Grundstein für die isländische Kriminalliteratur legten. Mittlerweile sind bereits vier Romane mit dem Reporter Einar als Hauptfigur erschienen, zuletzt 2008 der Titel „Todesgott“ bei Droemer.

U.

Universität(en). Es dauerte bis 1911 ehe Island in Reykjavik eine eigene Universität bekam. Bis dahin, aber auch noch danach studierten die Landeskinder gerne an anderen skandinavischen Hochschulen wie Kopenhagen oder Oslo. Heute gibt es in Island sieben staatliche Hochschulen, sowie drei private Hochschulinstitute. Auf Grund der geographischen Besonderheiten, ist auch das Fernstudium weit verbreitet. Das Studium an den staatlichen Hochschulen ist kostenlos.

V.

Vulkan. Eine Stelle der Erdoberfläche, an der Magma austritt und der dabei entstehende Berg. Es gibt aktive und erloschene Versionen.

W.

Wodka. Obwohl auch das W im Isländischen nicht benötigt wird, muss es hier verwendet werden um in seiner lateinischen Variante einen wichtigen Treibstoff, nicht nur nordischen Lebens, anzukündigen. Wie überall im Norden trägt Hochprozentiges je nach Gemütslage zum Überleben oder zum Untergang bei. Auch in Island wird Wodka produziert. Es gibt zwei Sorten. Diese tragen die w-losen Namen Eldurís und Icy. Beide haben ungefähr 40%Vol Alkohol und sind vom Geschmack her eher weich. Der Brennivín hingegen ist ein in Island gern getrunkener Kümmelschnaps.

XYZ.

Die ersten beiden Buchstaben kennt das isländische Alphabet durchaus, angewendet werden sie in der Sprachpraxis allerdings selten; den dritten im Bunde gibt es – wie schon C, Q und W – in der isländischen Sprache nicht.

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Hypotext

Raisting. Im April 2010. Einer hochrangigen Experten-Kommission, der neben einigen anderen profilierten Persönlichkeiten auch Sepp Daxenberger und A. T. Wille angehörten, ist es in den letzten Wochen gelungen den Sammel-Auftrag der letzten Bibliothek (DLB) annähernd exakt zu formulieren. Nach Auskunft ihres Sprechers Enn Enn, wird sich die Einrichtung darauf focusieren, das jeweils letzte Buch zu erwerben, zu erschließen und bereitzustellen. Bei den letzten Büchern soll es um nachweisbar allerletzte Werke handeln. Das können die eines Schriftstellers, einer Schriftenreihe oder eines mehrbändigen Werkes sein. Es kann sich dabei aber ebenso gut um das letzte Buch handeln, dass ein Sammler erworben hat oder das allerletzte, das von einer bestimmten Ausgabe oder Auflage noch auf dem Markt war. Fachleute rechnen in der Zukunft mit einer dramatischen Zunahme der Ein-Exemplar-Auflagen; garantiert doch gerade dieses Verfahren des ersten und letzten Werkes die sichere Aufnahme in Fundus und Katalog der Letzten Bibliothek (DLB). Nicht gesammelt werden Bücher, die von Kritikern mit dem Ausruf „Das ist ja das allerletzte“ bedacht wurden. Wie etwa weiland „Jenseits der Liebe“ des Autors Martin Walser von dem Kritiker Emm Errerr. Nachzulesen in den in diesen Wochen erschienen Tagebüchern Walsers, dem bei Interviews und Gesprächen anzumerken ist, dass er sich davon bis heute nicht ganz erholt hat. Die Leitung der Letzten Bibliothek überlegt Martin Walser eine Einladung als „Writer in Residence“ zukommen zu lassen.